7,6 Millionen Dollar. Tag zwei. Und jetzt?
Gut. Reden wir über Geld.
Nicht über Hype, nicht über „OMG Kickstarter-Rekord“, nicht über die achtzehnte Wiederholung von „Most-Funded TCG Ever“. Das wisst ihr alles schon. Stattdessen reden wir darüber, was die Zahlen hinter dem Cyberpunk TCG wirklich bedeuten — für Spieler, für Sammler, und ja, auch für die Leute, die gerade überlegen, ob ein paar Sealed Displays im Keller eine gute Idee sind.
Die Zahlen, Stand jetzt
Laut Kicktraq steht die Kampagne am Nachmittag des 18. März bei 7.668.708 Dollar, gebackt von 9.273 Unterstützern. Das sind 827 Dollar pro Backer. Und der Wert ist wichtiger als die Gesamtsumme, also merkt euch den.
Zum Vergleich: Altered TCG, der bisherige Rekordhalter, kam auf 449 Dollar pro Backer. Sorcery: Contested Realms auf deutlich weniger. Der Branchendurchschnitt bei TCG-Kickstartern über 100k? 455 Dollar, laut einer vielzitierten Analyse von Pine Island Games.
Cyberpunk liegt mit 827 Dollar fast beim Doppelten. Was einem das sagt: Hier kaufen nicht nur Leute, die das Spiel spielen wollen. Hier kaufen Leute, die glauben, dass sich das Produkt lohnt. Ob als Sammlerstück, als Retail-Ware oder als Spekulation — darüber können wir streiten. Aber dass die beiden teuersten Tiers (2.799 und 7.999 Dollar) bereits ausverkauft sind, macht die Tendenz relativ eindeutig.
Was die Geschwindigkeit angeht: Das Finanzierungsziel von 100.000 Dollar fiel nach fünf Minuten. Nach acht Minuten war es offiziell durch. Kickstarter selbst ist beim Launch für sieben Minuten gecrasht. Nach einer Stunde standen 3,6 Millionen auf der Uhr, nach drei Stunden fünf Millionen — Rekord für ein TCG. Und jetzt, einen Tag später, knapp acht Millionen.
Die Kicktraq-Projektion spuckt aktuell 122 Millionen Dollar aus, was natürlich Quatsch ist — das Ding extrapoliert einfach den ersten Tag. Realistisch, wenn man das übliche Kickstarter-Muster zugrunde legt (Plateau in der Mitte, Push am Ende), landen wir bei geschätzten 10 bis 15 Millionen Dollar. Bei Altered TCG kamen 25 Prozent des Geldes in den letzten 48 Stunden. Übertragen auf Cyberpunk wäre das ein finaler Schub von zwei bis drei Millionen.
Wer ist WeirdCo eigentlich?
Das ist die Frage, die komischerweise kaum jemand stellt. Alle reden über die Kampagne, aber kaum einer fragt: Wer sind die Leute, denen ich hier gerade 350 oder 999 Dollar überweise?
WeirdCo wurde 2025 gegründet. Sitz: Wilmington, Delaware (steuerlich clever), Team arbeitet aus New Jersey. Das Cyberpunk TCG ist ihr erstes Produkt. Es gibt kein fertiges Spiel auf dem Markt, keinen Track Record, keine Umsatzzahlen. Das muss man so klar sagen.
Was es gibt: zwei Gründer mit interessantem Background. Luohan Wei, CEO, kommt von Bain & Company (Unternehmensberatung), Activision Blizzard und Juno Capital Partners. Der Mann sitzt an der Schnittstelle von Gaming und Finance, das ist kein typischer Indie-Entwickler. Elliot Cook, President, bringt Growth-Marketing-Erfahrung mit, unter anderem von Concept Art House. Zusammengebracht hat sie ein gemeinsamer Mentor, Bill Mooney, der jetzt als Advisor fungiert.
Wichtiger als die Gründer ist aber das Team dahinter. Leute, die an Marvel Snap, Duel Masters und Universus gearbeitet haben. Jonny Erner als Creative Director, Chris Solis als Lead Game Designer, dazu über 20 Künstler. Das sind Namen und Referenzen, die in der TCG-Welt Gewicht haben.
Trotzdem: WeirdCo ist ein Startup. Flesh and Blood kam auch von einem No-Name-Studio aus Neuseeland, und das hat geklappt. Aber für jeden FaB gibt es zehn TCGs, die mit großen Ambitionen gestartet und spurlos verschwunden sind. Wir bewerten hier Potenzial, kein bewiesenes Geschäftsmodell.
Ein Detail am Rande, das mir gefällt: WeirdCo hat sich mit „No A.I. in our games, no compromise“ positioniert. Das ist in der aktuellen Stimmung clever — und es zeigt, dass die Gründer wissen, wie ihre Zielgruppe tickt.
Einstiegskosten vs. tatsächlicher Wert
Jetzt rechnen wir. Was bekommt man für sein Geld, und wie steht das im Verhältnis zu dem, was das Zeug im Laden kosten wird?
Die Tiers im Schnelldurchlauf: Common Cyberdecks für 49 Dollar bringt zwei Starter Decks plus Würfel. Im Retail kosten die Starter Decks 29,99 pro Stück, also 60 Dollar. Ihr spart also tatsächlich Geld und kriegt die KS-Extras obendrauf. Bester Deal der ganzen Kampagne, wenn man einfach nur spielen will.
Quickhacks für 169 Dollar gibt ein Booster Display (36 Packs). Retail: 119,90 Dollar. Ja, das ist teurer als Retail. Aber es sind Beta-Booster mit eigener Markierung und eigenem Sammlerwert. Netrunner Starter Kit für 349 Dollar bringt zwei Starter, zwei Displays und die berüchtigte Beta Box mit allen Stretch-Goal-Bonussen. Retail-Wert der Kernprodukte: rund 300 Dollar. Der Aufpreis kauft euch die KS-Exklusiva.
Dann wird es teurer: Street Cred für 499, Padre’s Blessing für 999, und die beiden ausverkauften Monster-Tiers — Afterlife für 2.799 (648 Packs, Hanako Metal Card, CGC-gegradete V: Corporate Exile, komplettes Accessories Bundle) und Night City Legend für 7.999 (1.944 Packs, Uncut Sheets, serialisierte Metal Card /99).
Die Pack-Preise im Vergleich: Im Quickhacks-Tier zahlt ihr 4,69 Dollar pro Pack. Im Netrunner (nach Abzug der Starter-Decks) kommt ihr auf 4,01. Im Night City Legend, wenn man die Extras konservativ rausrechnet, auf 3,34. Retail liegt bei 3,33 Dollar pro Pack. Die Kickstarter-Preise sind also minimal bis deutlich über Retail — aber in der Rechnung fehlen die ganzen Exclusives, die es im Laden nicht geben wird.
Der EU-Elefant im Raum: VAT und Versand
Und jetzt der Teil, der auf der Kampagnenseite gern im Kleingedruckten verschwindet: Alle Kickstarter-Preise sind Nettopreise. Wer in Deutschland sitzt, zahlt obendrauf noch 19 Prozent Mehrwertsteuer plus internationalen Versand. Beides wird erst im Pledge Manager nach Kampagnenende fällig — das heißt, die Summe taucht nicht in eurem initialen Pledge auf, kommt aber trotzdem.
WeirdCo hat die genauen Versandkosten für Europa bisher nicht veröffentlicht. Bei vergleichbaren TCG-Kickstartern mit Fulfillment aus den USA liegt der Versand nach Deutschland erfahrungsgemäß bei 25 bis 40 Dollar, je nach Paketgewicht. Zusammen mit der Mehrwertsteuer sieht die Rechnung für deutsche Backer dann so aus:
Der Common Cyberdecks Tier für 49 Dollar? Mit geschätzten 25 Dollar Versand und 19 Prozent VAT auf die Gesamtsumme landet ihr bei rund 88 Dollar — also gut 80 Euro. Das ist kein 49-Dollar-Einstieg mehr, das ist fast das Doppelte. Der Netrunner Starter Kit für 349 Dollar wird mit Versand und VAT eher bei 450 bis 470 Dollar liegen, also rund 415 bis 430 Euro. Und beim Padre’s Blessing für 999 Dollar reden wir dann schnell über 1.200 bis 1.250 Dollar all-in.
Das ändert die gesamte Value-Rechnung. Der Common-Tier, der in den USA unter Retail liegt? Für EU-Backer ist der plötzlich über Retail — denn die Starter Decks werden im deutschen Einzelhandel vermutlich um die 30 Euro pro Stück liegen, also 60 Euro für beide. 80 Euro über Kickstarter sind dann kein Schnäppchen mehr, sondern ein Aufpreis für die KS-Extras und das Gefühl, von Anfang an dabei gewesen zu sein.
Heißt das, es lohnt sich nicht? Nicht unbedingt. Die Beta-exklusiven Stretch-Goal-Bonusse gibt es eben nur über Kickstarter. Aber wer aus der EU backed, sollte die echten Gesamtkosten kennen, nicht nur den Preis auf der Kampagnenseite. Sonst wird der Pledge Manager im April eine unangenehme Überraschung.
Was zahlt ein Laden?
Weil die Frage immer kommt: Ein LGS zahlt bei Magic typischerweise 72 bis 80 Dollar Wholesale für eine Booster Box, je nach Volumen. Bei 100 bis 120 Dollar Retail macht das eine Marge von 25 bis 30 Prozent, meistens weniger nach Versand. Für Cyberpunk TCG mit 119,90 Dollar Retail und exklusivem US-Vertrieb über GTS Distribution dürfte der Einkauf bei 75 bis 85 Dollar liegen. Marktüblich, genug Marge, dass Läden das Ding auch tatsächlich ins Regal stellen wollen.
Die große Marktfrage
35 Millionen Leute haben Cyberpunk 2077 gekauft. Wie viele davon kaufen ein physisches Kartenspiel?
Die nüchterne Wahrheit: sehr wenige. Conversion Rates von Videospiel-IP zu physischem TCG liegen historisch bei ein bis drei Prozent der aktiven Fanbase. Das ergibt einen realistischen adressierbaren Markt von 350.000 bis gut einer Million potenziellen Käufern. 9.273 Kickstarter-Backer sind davon nicht mal ein Prozent. Da ist theoretisch noch extrem viel Luft — aber ob die sich füllt, entscheidet der Retail-Launch, nicht der Kickstarter.
Zum Einordnen: One Piece TCG hat in seinen besten Monaten über 200.000 aktive Spieler geschafft. Pokémon liegt bei 10 bis 15 Millionen. Magic bei rund 40 Millionen. Cyberpunk TCG muss im ersten Jahr irgendwo zwischen 50.000 und 200.000 aktive Spieler landen, um als Erfolg durchzugehen.
Wertsteigerung: Wo lohnt sich Sealed Product?
Die Frage, die alle stellen, aber keiner laut sagt: Kann ich mit dem Zeug Geld verdienen?
Schauen wir uns an, was bei anderen TCGs passiert ist. Flesh and Blood Alpha Boxes gingen für rund 100 Dollar über die Ladentheke. 2022 standen sie bei über 4.000 Dollar, heute pendeln sie um die 3.000. One Piece OP01 Displays sind von 98 Dollar auf über 4.300 Dollar gestiegen — 299 Prozent Plus. Bestimmte Pokémon-Boxen haben sich in zehn Jahren verzehnfacht.
Aber — und jetzt kommt der Teil, den die Investment-YouTuber gerne weglassen — das sind Gewinner. Für jede FaB Alpha Box gibt es hunderte TCG-Produkte, die unter Retail gefallen sind und nie wieder aufgestanden.
Trotzdem, für die Spekulanten unter euch, drei Szenarien für ein sealed Beta Display (Retail: 119,90 Dollar):
Wenn alles gut läuft — das Spiel baut eine stabile Organized-Play-Szene auf, die Nachfrage übersteigt die endliche Beta-Auflage, Cyberpunk bleibt als Marke relevant. Dann reden wir über 300 bis 500 Dollar in 12 Monaten. In zwei bis drei Jahren, wenn der Erfolg anhält, 800 bis 1.500 Dollar. Realistisch? Möglich, aber es braucht perfekte Execution von WeirdCo über Jahre.
Der wahrscheinlichste Fall — solides Nischen-TCG, 50.000 bis 100.000 aktive Spieler, regelmäßige Set-Releases, die Community hält sich. Sealed Beta Displays steigen moderat auf 150 bis 250 Dollar. Genug, um den Kickstarter-Aufpreis zu rechtfertigen, aber kein Lottoschein.
Wenn es schiefgeht — Organized Play kommt nicht in Gang, Retail-Nachfrage bleibt schwach, Spekulanten kippen ihr Sealed Product auf eBay und unterbieten sich gegenseitig. Beta Displays fallen unter Retail, auf 60 bis 80 Dollar. Einzelkarten werden wertlos. Totalverlust.
Was sich in jedem Szenario halten dürfte: die serialisierten Legend Metal Cards (/99). Bei nur 99 Stück weltweit und einer IP wie Cyberpunk ist das selbst im Bear Case ein Sammlerstück. Die CGC-gegradeten V: Corporate Exile Karten kommen vorgegradet, was den Handel erleichtert. Und die Uncut Sheets aus dem Night City Legend Tier (ausverkauft) sind historisch bei jedem TCG begehrt — bei Magic gehen die für vierstellige Beträge weg.
Spekulativer: Die Nova Rare Rebecca aus dem 10-Millionen-Stretch-Goal. Wenn das fällt — und bei dem Tempo wird es fallen — bekommt jeder Backer eine. Das ist eine hohe Auflage. Aber es ist auch eine KS-exklusive Nova Rare von einem der beliebtesten Edgerunners-Charaktere. Die Nachfrage von Nicht-Backern wird da sein.
Wo es gefährlich wird
Jetzt der unangenehme Teil.
827 Dollar pro Backer. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Bei einem normalen Brettspiel-Kickstarter liegt der Schnitt bei 80 bis 100 Dollar. Bei den neuen spekulativen TCG-Kickstartern bei 455 Dollar. Cyberpunk liegt beim Doppelten.
Pine Island Games hat letztes Jahr den TCG-Kickstarter-Markt analysiert und dabei ein Muster gefunden, das nicht besonders beruhigend ist: Von 18 TCG-Projekten über 100.000 Dollar zeigen 11 eine L-förmige Funding-Kurve. Riesiger Spike am Anfang, danach tägliche Verluste durch stornierte Pledges. Nicht die klassische U-Kurve von gesunden Kampagnen (Start-Hype, Tal, finaler Push). Sondern: Spekulanten rein, Spekulanten wieder raus.
Ob Cyberpunk auch L-förmig wird, wissen wir in ein paar Tagen. Aber der hohe Durchschnitts-Pledge ist ein Warnsignal, das man nicht ignorieren sollte.
Die Toten
MetaZoo hat 1,9 Millionen Dollar auf Kickstarter eingesammelt. Alpha Investments hat das Ding gepusht, die Community hat’s gekauft. Heute ist MetaZoo praktisch wertlos. Lord of the Rings TCG: Tolkien, eine der größten Fantasy-IPs überhaupt. Das Spiel war mal populär. Heute? Ramschware. Star Wars TCG: Die größte Entertainment-Marke der Welt. Hat nicht gereicht.
Eine starke IP schützt nicht vor dem Tod. Das Spiel muss funktionieren. Punkt.
Altered TCG: Die aktuellste Warnung
Altered TCG von Equinox — das Spiel, dessen Rekord Cyberpunk gerade gebrochen hat. 2024: 6,7 Millionen Dollar auf Kickstarter, 14.997 Backer. Alles lief prächtig. Dann: Marketplace und Print-on-Demand verspätet. Retail-Launch holprig. Das nordamerikanische Zeitfenster verpasst. Und als Equinox Ende 2025 eine zweite Crowdfunding-Kampagne auf Gamefound startete, fehlten fast zwei Millionen Euro zum Finanzierungsziel.
Die Probleme? Schwache Thematik, die sich nicht fokussieren konnte. Zu viele Regelerweiterungen zu schnell. Verwässerte Fraktionsidentität. Ein Marketplace, der ein Jahr nach Backer-Fulfillment kam. Alles Execution-Probleme. Nichts davon hatte mit dem Kickstarter-Erfolg zu tun.
Und genau das ist der Punkt: Ein Rekord-Kickstarter ist der Anfang, nicht der Beweis.
Der überfüllte Markt
Der globale TCG-Markt liegt 2026 bei geschätzten acht bis neun Milliarden Dollar, Nordamerika macht 40 Prozent davon aus. Klingt riesig, aber zählt mal durch: Pokémon, Magic, Yu-Gi-Oh!, One Piece, Lorcana, Flesh and Blood, Star Wars Unlimited, Altered, und jetzt Cyberpunk. Das sind mindestens neun TCGs, die um denselben Regalplatz im LGS, denselben Freitagabend-Slot und dasselbe monatliche Hobby-Budget kämpfen.
Nicht alle werden überleben. Die Frage ist nur, welche.
Was für Cyberpunk spricht
Nach all den Warnungen, die faire Gegenseite.
Cyberpunk 2077 hat 35 Millionen Kopien verkauft. Die Franchise hat über 752 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Cyberpunk macht 72 Prozent von CD Projekt Reds Gesamtumsatz aus, der im Q3 2025 um 53 Prozent gestiegen ist. Phantom Liberty hat allein zehn Millionen Kopien verkauft. Die Edgerunners-Anime war ein globaler Netflix-Hit.
Das ist keine Indie-IP, die sich erst beweisen muss. Das ist eine der größten Gaming-Marken der Welt. Und anders als bei MetaZoo oder Altered TCG gibt es hier vom ersten Tag an Millionen von Leuten, die wissen, wer V, Johnny Silverhand und Rebecca sind.
Dazu: CD Projekt Red (CDR.WA, Warschauer Börse, Marktkapitalisierung 24,5 Milliarden PLN, aktueller Kurs 246,70 PLN) veröffentlicht morgen, am 19. März, Quartalszahlen. Die erste Investor-Kommunikation nach dem TCG-Launch. Ob und wie CDPR das Projekt dort erwähnt, wird zeigen, wie ernst die das Ganze intern nehmen. Das wird ein interessanter Datenpunkt.
WeirdCo hat den Kickstarter bewusst gewählt, um Angebot und Nachfrage besser einschätzen zu können. Elliot Cook hat das selbst so formuliert: „Kickstarter gives us the ability to truly understand initial and future demand.“ Garantierte Allokation für Retailer, Restocking-Zusagen, exklusiver US-Vertrieb über GTS Distribution, Auftritt auf der GAMA Expo — das klingt nach einem Team, das langfristig denkt, nicht nur bis zum Kampagnenende.
Die Fünf-Jahres-Roadmap ist ein weiteres positives Signal. Set 1 „Welcome to Night City“ kommt 2026, Set 2 bringt die Edgerunners-Crew. Organized Play ist angekündigt. Lokale Game-Store-Events sind geplant. Wenn ein TCG-Studio keinen Plan über das erste Set hinaus hat, ist das ein Warnsignal. WeirdCo scheint das verstanden zu haben.
Und dann ist da noch das 7-Stufen-Seltenheitssystem: Common bis Chrome Rare, Iconic Rare, Nova Rare, Legend Metal Cards. Das ist nicht zufällig so gebaut. Das ist eine bewusste Sekundärmarkt-Architektur. Chase Cards in verschiedenen Stufen halten die Booster-Nachfrage langfristig am Leben. WeirdCo kennt die TCG-Ökonomie — und das merkt man.
Was wir daraus machen
Keine Zusammenfassung in Bullet Points. Stattdessen ein paar Gedanken, die ihr mitnehmen könnt.
Wenn ihr einfach nur spielen wollt und in den USA sitzt: 49 Dollar, Common Cyberdecks, fertig. Aus Deutschland oder der EU sieht die Rechnung anders aus — mit VAT und Versand zahlt ihr eher 80 Euro, und dann lohnt es sich möglicherweise mehr, auf den Retail-Launch zu warten und die Starter Decks für je 30 Euro im Laden mitzunehmen. Außer die KS-exklusiven Beta-Extras sind euch den Aufpreis wert.
Wenn ihr sammeln wollt: Der Netrunner Starter Kit bleibt auch mit EU-Aufschlag (~430 Euro all-in) der Sweet Spot. Beta Box, Female V Metal Card, Box Toppers — das meiste KS-exklusive Zeug pro Euro. Die Frage ist, ob euch die Exklusiva 130 Euro mehr wert sind als der reine Retail-Gegenwert. Wenn ja, gibt es keinen besseren Tier dafür.
Wenn ihr spekulieren wollt: Sealed Beta Displays sind historisch die stärksten TCG-Investments, wenn das Spiel überlebt. Aber rechnet eure echten Kosten. Ein Display über KS mit VAT und Versand liegt für EU-Backer bei geschätzten 230 bis 250 Dollar. Damit muss der Sekundärmarktpreis auf mindestens 300 Dollar steigen, bevor ihr auch nur Break-even seid. Die IP spricht dafür, der fehlende Track Record von WeirdCo dagegen. Nicht alles auf eine Karte setzen. Buchstäblich.
Und die eigentlich wichtige Frage — wird das Spiel in einem Jahr noch gespielt? — kann heute niemand beantworten. Die Voraussetzungen sind besser als bei fast jedem TCG-Launch der letzten Jahre. Aber am Ende entscheidet nicht der Kickstarter, ob das hier funktioniert. Es entscheidet, ob Leute im Herbst 2026 freitags in ihren LGS gehen und Cyberpunk TCG zocken wollen. Nicht aus Pflichtgefühl, weil sie gebackt haben. Sondern weil das Spiel gut ist.
Alles davor ist Spekulation. Und manchmal lohnt sich Spekulation. Und manchmal verbrennt man sich die Finger.
Wir bleiben dran.
Quellen
- Cyberpunk TCG Kickstarter
- Kicktraq: Funding Tracker
- Mantel News: Schnellster Kickstarter aller Zeiten zu $5M
- Pine Island Games: Spekulative TCG-Kickstarter
- ICv2: Altered TCG Kickstarter-Endergebnis
- Speculiction: Altered TCG Is Slipping
- Board Game Wire: Altered TCG Funding-Probleme
- WeirdCo: Gründerstory
- WeirdCo: Retail-Pläne
- CD Projekt RED: Pressemitteilung
- CD Projekt Aktie (CDR.WA)
- Yahoo Finance: TCG-Marktreport
- Mordor Intelligence: TCG Market
- Athlon Sports: One Piece TCG Investment Guide
Disclaimer: Kein Finanz- oder Anlageratschlag. TCG-Produkte sind Sammlerstücke mit spekulativem Charakter. Investiert nur, was ihr verlieren könnt.



