UPDATE – Problem gelöst
WeirdCo hat reagiert. Das $10-Millionen-Stretch-Goal wurde komplett überarbeitet: Alle freigeschalteten Legend-Karten kommen direkt in die Beta Box. Keine Zufallsziehung, keine Pool-Verdünnung. Wer die Beta Box bekommt, bekommt alle Legenden – garantiert.
| Szenario | Legenden im Pool | Chance auf bestimmte Karte | Boxes für alle Legenden |
|---|---|---|---|
| Vorher (Zufallsziehung) | 10 | 10 % | ~29 Boxes |
| Jetzt ($10M Goal) | 10 | 100 % | 1 Box |
Zusätzlich erhalten alle Backer, egal welches Tier, eine exklusive Nova Rare „Rebecca: Having a Moment“-Karte.
Die ursprüngliche Analyse bleibt unten stehen, weil sie zeigt, warum die Änderung nötig war. Direkt zum Update springen →

Mehr Legenden, weniger Chancen: Das Problem mit den Stretch Goals
Es gibt zwei Arten von Stretch Goals beim Cyberpunk TCG Kickstarter. Die eine Art legt dir was Greifbares in die Box. Die andere verdünnt, was schon drin ist. Und genau darüber reden wir heute.
Vorweg: Die Kampagne ist ein Phänomen. Über 7,6 Millionen Dollar in zwei Tagen, meistfinanziertes TCG auf Kickstarter ever, alle Rekorde gebrochen. Das steht außer Frage. Aber in den Kommentaren der Kampagne formiert sich Kritik, die WeirdCo nicht ignorieren sollte — weil sie mathematisch berechtigt ist.
Was die Community sagt
Ash Flynn bringt es in einem Kommentar auf den Punkt, der innerhalb von Stunden auf +20 Upvotes und 21 Antworten klettert:
„Adding cards to the overall pool as ‚rewards‘ is pretty shitty. TCGs are already a very expensive hobby these days and reducing the chances of cards instead of just adding them to the beta box feels like nickel and diming everyone to buy more boxes. Given the amount of money this KS has gotten it just feels ridiculous.“
Das ist keine Einzelmeinung. User thibaut schreibt kurz und knapp: „Adding more cards to card pool is not the way to do it.“
Am ausführlichsten analysiert humansuity das Problem in einem langen Kommentar, der im Grunde ein offener Brief an WeirdCo ist. Der Kern: „What is the real benefit for the backer if each new milestone like this does not add a new guaranteed card, but only expands the existing pool? With every such stretch goal the pull rate actually becomes worse, since the pool grows while the number of pulls stays the same.“
Das sind keine wütenden Trolle. Das sind Leute, die hunderte Dollar gebackt haben und sich fragen, warum ihr Geld gegen sie arbeitet.
Die Mathematik dahinter: Legend Pack Dilution
Fangen wir bei den Fakten an. Jede Beta Box enthält ein Legend Pack. Ein Legend Pack ist ein Einzelkarten-Pack — du ziehst eine zufällige Karte aus dem Pool aller verfügbaren Legenden. Nicht eine von jeder. Eine.
Am Anfang der Kampagne war die Sache einfach: Der Pool bestand aus einer einzigen Karte, V: Corporate Exile. Wer ein Legend Pack aufmachte, bekam V. Hundert Prozent Garantie. Dann kamen die Stretch Goals.
So sieht die Realität aus, wenn der Pool mit jedem freigeschalteten Legend Pack Upgrade wächst:
| Pool-Größe | Legenden im Pool | Chance auf eine bestimmte Karte |
|---|---|---|
| 1 (Start) | V: Corporate Exile | 100 % |
| 2 ($1,5M) | + Adam Smasher | 50 % |
| 3 ($2,5M) | + Alt Cunningham | 33,3 % |
| 4 ($3,5M) | + Goro Takemura | 25 % |
| 5 ($4,5M) | + Dum Dum | 20 % |
| 6 ($5,5M) | + Evelyn Parker | 16,7 % |
| 7 ($6,5M) | + Jackie Welles | 14,3 % |
| 8 ($7,5M) | + Hanako Arasaka | 12,5 % |
| 9 ($8,5M) | + Johnny Silverhand | 11,1 % |
| 10 ($9,5M) | + Saburo Arasaka | 10 % |
Lest die rechte Spalte nochmal. Die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Legende zu ziehen, fällt von hundert Prozent auf zehn Prozent. Der Backer zahlt denselben Preis. Bekommt dieselbe Anzahl an Packs. Aber seine Chance auf die Karte, die er will, sinkt mit jedem „Upgrade“ um weitere Prozentpunkte.
Aktueller Stand: Sechs Legenden im Pool, alle Stretch Goals bis 6 Millionen erreicht. Die Chance auf eine bestimmte Karte liegt bei 16,7 Prozent. Wenn alle offenen Goals fallen — und bei diesem Tempo werden sie das — sind es zehn Legenden und zehn Prozent.
Das 10-Millionen-Goal: WeirdCo lenkt ein
Update: Das $10-Millionen-Stretch-Goal wurde grundlegend überarbeitet. Statt eines zweiten zufälligen Legend Packs gilt jetzt: Alle freigeschalteten Legend-Karten aus dem Legend Pack wandern direkt in die Beta Box. Keine Zufallsziehung, keine Pool-Verdünnung. Wer die Beta Box bekommt, bekommt alle Legenden.
Damit löst sich die gesamte Pool-Dilution-Problematik, die weiter oben beschrieben wird, löst sich damit für die Beta Box in Luft auf. Zehn Legenden im Pool? Egal – du kriegst alle zehn. Das Sammlerparadoxon? Hinfällig. Die 29,3 Beta Boxes, die man statistisch bräuchte, um alle Legenden zufällig zu ziehen? Geschichte.
Zusätzlich bekommen alle Backer – von Common Cyberdecks ($35) bis Night City Legend ($7.999) – eine Kickstarter-exklusive Nova Rare „Rebecca: Having a Moment“-Karte. Die gilt für alle Tiers, nicht nur die oberen.
Ob WeirdCo von Anfang an vorhatte, bei $10M diese Karte auszuspielen, oder ob die Community-Kritik den Ausschlag gab, ist unklar. Was klar ist: Das Ergebnis stimmt. Wenn dieses Goal fällt – und bei aktuell knapp 8 Millionen Dollar ist das nur eine Frage der Zeit – bekommen die Backer genau das, was sie gefordert haben.
Box Toppers: Dasselbe Problem, andere Verpackung
Die Legend Packs sind nicht das einzige Pool-Problem. Box Toppers — einzelne Promokarten, die in jedem Booster Display liegen — funktionieren nach derselben Logik.
Bei 6 Millionen Dollar wurden Box Toppers eingeführt. Das war erstmal gut: Jedes Display bekommt eine zusätzliche Karte, die es vorher nicht gab. Bei 8 Millionen Dollar wird der Pool auf sechs Varianten erweitert. Und hier wird es hässlich.
Ein Booster Display enthält einen Box Topper. Einen. Zufällig aus dem Pool. Wer alle sechs Varianten will, braucht laut Wahrscheinlichkeitsrechnung im Schnitt 14,7 Displays. Die Wahrscheinlichkeit, mit genau sechs Displays alle sechs Varianten zu erwischen, liegt bei 1,5 Prozent.
Und hier trifft es die mittleren Tiers besonders hart, genau wie humansuity schreibt:
| Tier | Displays | Box-Topper-Ziehungen | Chance auf komplettes Set (6 Varianten) |
|---|---|---|---|
| Quickhacks ($169) | 1 | 1 | Unmöglich |
| Netrunner Starter Kit ($349) | 2 | 2 | Unmöglich |
| Afterlife ($2.799) | 18 | 18 | ~78 % |
| Night City Legend ($7.999) | 54 | 54 | ~99,97 % |
Die Mehrheit der Backer sitzt in den Tiers bis 349 Dollar. Für sie ist ein komplettes Box-Topper-Set mathematisch unmöglich — egal wie viele Stretch Goals die Community gemeinsam freischaltet. Selbst im Afterlife Tier für 2.799 Dollar liegt die Chance nur bei 78 Prozent. Die Stretch Goals werden von allen finanziert, aber nur von den Walen mit realistischer Aussicht auf Vollständigkeit genutzt.
Echte Belohnungen vs. Pool-Verwässerung: Die Bilanz
Nicht alle Stretch Goals sind problematisch. Tatsächlich gibt es eine klare Trennlinie zwischen Goals, die jedem Backer etwas Konkretes in die Box legen, und solchen, die nur den Zufallspool aufblähen.
Echte Belohnungen — Dinge, die du garantiert bekommst:
- Beta Box selbst ($100K)
- Beta-Marker für KS-Karten ($500K)
- Sicherheitsfolie für Displays ($1M)
- Extra Preem Starter Dice ($2M)
- Playmat in der Beta Box ($3M)
- Zweiter „Hit Slot“ für Booster Packs ($4M)
- Female V Metal Card in der Beta Box ($5M)
- Playmat-Varianten als Add-on ($7M)
- Dragon Shield Sleeves in der Beta Box ($9M)
- Rebecca Nova Rare für alle Backer ($10M)
- Alle Legend-Karten direkt in der Beta Box ($10M)
Pool-Verwässerung — mehr Karten im Zufallspool, keine zusätzlichen Ziehungen:
- Legend Pack Upgrade: Adam Smasher ($1,5M)
- Legend Pack Upgrade: Alt Cunningham ($2,5M)
- Legend Pack Upgrade: Goro Takemura ($3,5M)
- Legend Pack Upgrade: Dum Dum ($4,5M)
- Legend Pack Upgrade: Evelyn Parker ($5,5M)
- Legend Pack Upgrade: Jackie Welles ($6,5M)
- Legend Pack Upgrade: Hanako Arasaka ($7,5M)
- Zusätzliche Box Toppers ($8M)
- Legend Pack Upgrade: Johnny Silverhand ($8,5M)
- Legend Pack Upgrade: Saburo Arasaka ($9,5M)
Die ursprüngliche Bilanz sah düster aus: 11 echte Belohnungen gegen 10 Pool-Verwässerungen. Fast jedes zweite Stretch Goal verschlechterte die Odds, statt etwas Greifbares zu liefern. Mit dem überarbeiteten $10M-Goal verschiebt sich das Bild allerdings deutlich: Wenn alle Legenden direkt in die Beta Box wandern, sind die Legend-Pack-Upgrades keine Verwässerung mehr, sondern zusätzliche garantierte Karten. Was bleibt, ist die Box-Topper-Problematik bei $8M – die einzige echte Pool-Verwässerung, die nach dem Kurswechsel noch steht.
Warum das kein Zufall ist
WeirdCo ist kein Indie-Studio, das zum ersten Mal eine Kampagne fährt und nicht weiß, wie Wahrscheinlichkeiten funktionieren. CEO Luohan Wei kommt von Bain & Company und Activision Blizzard, das Team hat Leute mit Marvel Snap und Duel Masters im Lebenslauf. Die wissen genau, was Pool-Mechaniken bewirken.
Pool-Dilution erzeugt künstliche Knappheit. Wer eine bestimmte Legende will, muss entweder mehr Produkt kaufen (mehr Beta Boxes über höhere Tiers oder den Sekundärmarkt) oder auf dem Singles-Markt handeln. Beides treibt die Nachfrage. Beides ist gut fürs Geschäft.
Die Pool-Dilution ist Kalkül.
Und genau das macht die Backer wütend. Weil Stretch Goals sich anfühlen sollten wie ein Dankeschön an die Community, die das Projekt finanziert hat. Nicht wie ein Mechanismus, der Sammlern den Geldbeutel noch weiter aufhebelt.
Was bleibt: Die Box-Topper-Frage
Für die Legend Packs hat WeirdCo mit dem überarbeiteten $10M-Goal geliefert. Aber das Box-Topper-Problem bleibt bestehen. Sechs Varianten, eine Ziehung pro Display, dieselbe Verdünnungslogik. Wer in den unteren Tiers sitzt, hat weiterhin keine realistische Chance auf ein komplettes Set.
Ob WeirdCo hier nachzieht, bleibt abzuwarten. Die Community hat gezeigt, dass konstruktiver Druck funktioniert – vielleicht braucht es ein ähnliches Signal bei den Box Toppern.
Die größere Frage
Das Cyberpunk TCG hat in zwei Tagen über 7,6 Millionen Dollar eingesammelt. Die Kampagne ist ein historischer Erfolg. Und WeirdCo hat bewiesen, dass sie zuhören können.
Die Pool-Dilution bei den Legend Packs hat die Backer aus gutem Grund aufgeregt. Sie haben das Problem benannt, die Kommentare haben es hochgespült, und WeirdCo hat mit dem überarbeiteten $10M-Goal reagiert. Nicht mit einem PR-Statement, sondern mit einer konkreten Änderung.
Trotzdem bleibt die Frage, warum es überhaupt so weit kommen musste. Ein Team mit Marvel-Snap- und Activision-Erfahrung kennt Pool-Mechaniken. Die ursprüngliche Struktur war kein Versehen. Dass sie jetzt korrigiert wurde, zeigt, dass die Community-Stimme bei diesem Kickstarter Gewicht hat. Das ist eine gute Nachricht – nicht nur für das Legend-Pack-Problem, sondern für alles, was in den nächsten 30 Tagen Kampagne noch kommen mag.
Transparenz: Der Autor ist selbst Backer der Kampagne (Night City Legend Tier). Dieser Artikel ist keine neutrale Berichterstattung von der Seitenlinie — die Analyse betrifft uns direkt.
Quellen
- Offizielle Kickstarter-Kampagne
- Kickstarter-Kommentare
- Backer-Kommentare: Ash Flynn, thibaut, humansuity (Kickstarter, 18. März 2026)





Ein Kommentar