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SONNTAG · 20.09.2026
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WeirdCo: Wer steckt hinter dem Cyberpunk-TCG?

Cyberpunk TCG - REDstream Ankuendigung mit WeirdCo Team (Quelle: CDPR/REDstreams)

Kickstarter-Geld ist geflossen, Backer-Tiers werden diskutiert, und der Name WeirdCo spuckt einem aus jedem TCG-Forum entgegen. Die eigentliche Frage ist allerdings eine andere: Wer steckt hinter dieser Firma, und warum sieht die gesamte Kampagne genau so aus, wie sie aussieht?

Das Gründerteam

Hinter WeirdCo stehen keine Hobby-Nerds, die irgendwann entschieden haben, ihr Lieblings-Franchise auf Karten zu drucken. Die Leute da kommen aus Digital Gaming und Investmentbanking. Klingt erstmal weird, passt aber zusammen.

CEO Luohan Wei hat an der McGill University studiert, danach bei Bain & Company gearbeitet und anschließend bei Activision Blizzard Business Operations & Strategy gemacht (Candy Crush und Call of Duty unter anderem). Danach wurde er Principal & Co-Founder bei Juno Capital, einer Gaming-fokussierten Boutique-Merchant-Bank. Das Portfolio liest sich wie die Hall of Fame der letzten Dekade: Gearbox, Niantic, Supercell, Bloober Team, Embracer Group, Haven Studios, Turtle Rock, Illfonic, Dignitas. Wei kennt also Spieleentwicklung, aber auch Deals, Kapitaltische und Exit-Strategien. Laut eigener Aussage ist er außerdem Top-25-Spieler in Hearthstone in den USA, was ihn von reinen Finance-Leuten abhebt.

Elliot Cook, President & Co-Founder, bringt was anderes mit. Als VP Growth & Marketing bei Concept Art House hat er an einigen der meistgespielten Titel überhaupt gearbeitet: Call of Duty Mobile, Fortnite, Hearthstone, Magic: The Gathering, League of Legends. Über tausend Spieletitel. Später ging’s zu Players‘ Lounge und Reforge, beides Gaming-Plattformen. Cooks Stärke liegt im Marketing und in der Wachstumsstrategie, nicht im Game Design.

Wie die zwei sich kennengelernt haben, hat Cook mal so erklärt:

„WeirdCo was formed when Luohan and I met each other through our mutual mentor, Bill Mooney: a true legend in the digital gaming space.“

Bill Mooney

Bill Mooney ist der dritte große Name bei WeirdCo. Sein Lebenslauf fängt mit Philosophie und einem Law Degree an, geht dann in die Spielebranche: Shaba Games, LucasArts, bei Zynga als erster Studio VP als FarmVille auf über 31 Millionen Daily Active Users anwuchs. GDC Canada 2010, Opening Keynote. Danach: Chief Product Officer bei Roblox, VP & Group GM bei EA (Capital Games, Star Wars: Galaxy of Heroes), CPO bei Skillz, VP Creative bei King, zuletzt CEO von Proteus Games. Dazu 12 Patente.

Mooney und Wei teilen McGill. Über Mooney kam auch die Connection zu Cook zustande. Was Mooney bei WeirdCo operativ genau macht, hat das Unternehmen bisher nicht öffentlich gemacht.

Das Team hinter den Karten

Wenn Wei und Cook keine Game Designer sind, wer hat dann das Spiel wirklich gebaut?

Jonny Erner ist Founding Creative Director. Er kommt von Second Dinner, dem Studio hinter Marvel Snap, und war zuvor bei Blizzard. Auf dem Lebenslauf steht außerdem eine Station bei Morgan Stanley. Richard Zapp ist Head of Game Design: Ex-Wizards of the Coast, verantwortlich für eine Fünf-Jahres-Roadmap. Chris Solis, Lead Game Designer, hatte vorher ein eigenes Studio.

Wenn in der WeirdCo-Kommunikation Referenzen auf Marvel Snap, Duel Masters oder UniVersus fallen, beschreiben die die Erfahrung des Design-Teams, nicht die von Cook oder Wei. In TCG-Communities vermischt man das gelegentlich.

WeirdCo hat laut RocketReach 23 Mitarbeiter. Auf der Website steht explizit: „No A.I.“ – ein Statement in der aktuellen Debatte um KI-generierte Karten-Illustrationen.

Kickstarter als Dateninstrument

23 Leute kosten Geld. Bei einem Gaming-Studio in Nordamerika bist du grob gerechnet bei weit über einer Million Dollar Jahresgehalt allein, und da fehlen schon Büro, Lizenzen und Produktionskosten. Eine Kickstarter-Kampagne mit $100.000 Ziel, die in fünf Minuten durchknallt, ergibt als reines Finanzierungsinstrument keinen Sinn. Das Unternehmen muss anderswo kapitalisiert sein.

Was Kickstarter liefert, sind Daten. WeirdCo hat das selbst in einer Fallstudie zur Kampagne so formuliert:

„If there’s 500 backers in Seattle, you can bet WeirdCo will be investing heavily in the market and local game scene… Regionals, anyone?“

Wer aus welcher Stadt kauft, in welchem Tier und mit welchem Volumen, ergibt für WeirdCo eine geografische Heatmap der US-Nachfrage. Die fließt in Entscheidungen darüber, wohin Turnierressourcen gehen, wo Organized Play aufgebaut wird und welche Händler Priorität bekommen.

Vor dem Kickstarter-Start hatte WeirdCo schon 48.000 Pre-Launch-Follower auf der Kampagnen-Seite. Am ersten Tag kamen $8,3 Millionen von über 10.000 Backern zusammen. Die Kampagne hält damit den Rekord als meistfinanziertes TCG auf Kickstarter (zuvor Altered mit $6,7 Millionen) und als meistfinanziertes Kartenspiel überhaupt (zuvor Exploding Kittens mit $8,78 Millionen).

Die Tier-Struktur

Booster Display: $119,90. Beta Display: $180. Starter Deck: $29,99. Verglichen damit liegt Pokémon im Display-Bereich bei etwa $144, Magic: The Gathering zwischen $130 und $160, One Piece TCG bei rund $96, Flesh and Blood bei $80 bis $110.

WeirdCo sitzt damit preislich im oberen Mittelfeld. Sechs Backer-Stufen zu je $7.999 (je 100 Stück) wurden angeboten, vier davon waren am ersten Tag weg. Ein einzelner Backer in so einem Tier leistet das, was bei anderen Kampagnen Dutzende Mid-Tier-Backer stemmen. Der durchschnittliche Erlös pro Backer liegt bei rund $824, im Vergleich dazu machte Altered: The Card Game bei seinem Kickstarter $90 bis $120 pro Backer.

Das ändert die ganze Dynamik. WeirdCo braucht keine Masse für die Zahlen, sondern eine relativ kleine Gruppe mit hoher Zahlungsbereitschaft, die gleichzeitig als Signal für Händler und Distributoren dient.

GTS, GAMA und der US-First-Ansatz

Noch vor dem Kickstarter-Start hatte WeirdCo mit GTS Distribution geredet, einem der größten Distributoren für Tabletop- und TCG-Produkte in den USA. GTS ist exklusiver US-Partner. Dazu kommt eine Präsenz auf der GAMA Expo (1.–5. März, Kentucky, Booth #247), einer Fachmesse für den Hobby-Einzelhandel. Organized Play soll laut WeirdCo bis zum 1. Mai einen konkreten Rahmen bekommen. Retail-Launch steht für Q3 2026.

Cook sagt dazu:

„Our Organized Play system is going to blow folks away.“

Was genau dahintersteckt, hat WeirdCo noch nicht im Detail erzählt. Der Zeitplan ist eng: Vom Kickstarter-Ende am 17. April bis zum OP-Stichtag am 1. Mai bleibt nicht viel Luft.

Die erste Fremdsprache nach Englisch, in der WeirdCo kommuniziert, ist Französisch. Wei hat an der McGill University in Montreal studiert, einer der wenigen englischsprachigen Unis in einer französischsprachigen Stadt. Montreal hat außerdem eines der dichtesten Videospiel-Cluster Nordamerikas: Ubisoft, Eidos, WB Games, EA. Eine Affinität zum frankophonen Markt, inklusive Kanada und Frankreich, liegt da nahe.

Europa: Netzwerk vorhanden, Strategie unklar

Juno Capital, Weis alter Arbeitgeber, hatte ein Büro in London. Teile des Netzwerks, das WeirdCo umgibt, sind also auch im europäischen Markt verankert. Öffentliche Ankündigungen für europäische Events, Händler oder Distributionspartner gibt es bislang keine. GTS operiert exklusiv im US-Markt.

Wie WeirdCo Europa angehen will, ob über bestehende Kontakte, über einen separaten Distributor oder irgendwann später, gehört zu den offenen Fragen.

Das Spiel selbst

Zur Spielmechanik hat Wei die Grundprämisse umrissen:

„I can’t wait for players to see how we’ve adapted the themes of Cyberpunk, like taking on gigs or building a crew, to a trading card game format.“

Mechaniken, die Gigs, also Aufträge aus der Cyberpunk-Lore, und Crew-Building ins Gameplay übersetzen, deuten auf einen Ansatz hin, der die Thematik nicht nur als Kulisse benutzt. Wie tief die mechanische Umsetzung wirklich geht, wird man vor dem Release nicht beurteilen können. Das Design-Team bringt durch Erner und Zapp Erfahrung mit digitalen Kartenspielen (Marvel Snap, Hearthstone) und physischen CCGs (WotC) mit. Wie gut sich digitale Designprinzipien auf ein physisches Produkt übertragen lassen, bleibt bis zum Launch abzuwarten.

WeirdCo im Vergleich

Wer die aktuellen TCG-Neugründungen nebeneinanderstellt, sieht ein Muster: Bei Flesh and Blood ist James White gleichzeitig Designer und Gründer. Bei Lorcana kommt Ryan Miller mit TCG-spezifischer Erfahrung und ist mit Ravensburger einem etablierten Spieleverlag angegliedert. Bei Altered: The Card Game kommen die Gründer aus der Brettspielszene, sind aber selbst Designer und inhaltlich tief drin.

WeirdCo ist anders strukturiert: Ein CEO mit M&A- und Investment-Background, ein President mit Wachstums- und Vermarktungskompetenz, ein Mentor aus dem digitalen Games-Sektor, und ein separates Design-Team, das die eigentliche Spielentwicklung macht. Das erinnert an ein Studio-Modell aus der Videospielentwicklung: ein Executive-Team, das Strategie, Kapital und Vertrieb steuert, und ein Entwicklerteam, das das Produkt baut.

Offene Fragen

Einige Punkte lassen sich mit dem bisherigen Informationsstand nicht beantworten. Wer finanziert WeirdCo, und in welchem Umfang? Juno Capital wäre ein naheliegender Kandidat, aber öffentlich dazu wurde nichts kommuniziert. Welche Rolle Mooney operativ spielt, bleibt unklar. Die Verbindung zu POW! Interactive und Jasco Games, die in Branchenkreisen diskutiert wird, ist ebenfalls nicht offiziell bestätigt.

Und dann ist da die Demografie der Backer. Wer kauft ein $7.999-Tier an einem einzigen Tag? Das sind keine Gelegenheitsspieler. Das sind entweder Händler, Investoren oder eine sehr spezifische Gruppe von TCG-Enthusiasten mit hoher Zahlungsbereitschaft. Wer diese Gruppe ist und wie WeirdCo sie erreicht hat, sagt einiges über die Reichweite des Netzwerks aus, das hinter der Firma steht.


Quellen:
ContactOut: Luohan Wei ·
Juno Capital Partners ·
ZoomInfo: Elliot Cook ·
OmegaUltra: WeirdCo Exclusive ·
Temple of Geek: Interview ·
LA Games Conference: Bill Mooney ·
NY Games Conference: Bill Mooney ·
TechCrunch: Mooney zu Skillz ·
ICv2: Cyberpunk TCG $10M ·
ICv2: GAMA Expo / GTS ·
GameSpot: KS Launch ·
Kickstarter Case Study ·
Wargamer: 5-Jahres-Roadmap ·
CDPR: Kampagnen-Ankündigung ·
WeirdCo Blog: Retail Plans

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Kenearos
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Kenearos

Said Benadjemia – online als „Kenearos". Cyberpunk-Fan seit dem ersten Trailer 2012, Night-City-Legend-Backer der Cyberpunk-TCG-Kickstarter-Kampagne 2026. Schreibt hier auf Deutsch alles rund ums Cyberpunk Trading Card Game von WeirdCo und CD Projekt Red – Kickstarter-News, Deep Dives zu Mechanik und Lore, Charakterguides, Strategieartikel.

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  • Cyberpunk TCG AMA: Was WeirdCo alles verraten hat - Cyberpunk TCG News 19.04.2026 ANTWORTEN

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