Während die meisten von euch noch ihren Late Pledge feintunen (Reminder: 1. Mai ist Deadline!), hat WeirdCo im Hintergrund eine ziemlich beeindruckende Logistik-Maschinerie hochgezogen. Und die betrifft vor allem uns hier in Europa.
Ich hab mir die offizielle Retailer-Seite mal genauer angeschaut — und was da steht, ist für ein TCG, das noch nicht mal erschienen ist, ziemlich ambitioniert.
Acht Distributoren für ganz Europa
WeirdCo macht nicht den klassischen US-first-Move, bei dem Europa dann irgendwann sechs Monate später ein paar Restkisten abkriegt. Stattdessen haben sie ein Netzwerk aus acht regionalen Distributoren aufgebaut, das praktisch den ganzen Kontinent abdeckt.
Für uns in der DACH-Region — also Deutschland, Österreich und Schweiz — ist Luminous Cards aus dem thüringischen Gera der offizielle Großhändler. Die decken nebenbei auch die Benelux-Staaten, Ungarn, Tschechien und die Slowakei ab. Kein kleiner Fisch also.
Der Rest liest sich wie ein Europa-Puzzle: Bliss Distribution für UK und Irland, Neoludis für den französischsprachigen Raum, TCG Factory für Spanien und Portugal, Rebel für Polen (die kennt man von Brettspiel-Lokalisierungen), Spilbræt für ganz Skandinavien und das Baltikum, und Zvezdar für Südosteuropa von Slowenien bis Rumänien. Selbst die Kanalinseln und Gibraltar haben über Bliss eine Anlaufstelle — ob die da viele Cyberpunk-Fans haben, sei mal dahingestellt.
Meine ehrliche Einschätzung? Das ist für einen Publisher dieser Größe extrem solide aufgestellt. Viele etablierte TCGs haben Jahre gebraucht, um so eine Abdeckung hinzukriegen.
Euer Laden hat noch vier Tage
Jetzt wird’s konkret — und ein bisschen dringend. WeirdCo hat eine klare Deadline für Stores gesetzt: Bis zum 1. Mai 2026 müssen Händler mit eigenem Spielbereich ihre Bestellung über den jeweiligen Distributor aufgegeben haben, um garantierte Allocation zu bekommen. Heißt im Klartext: Wer bis Donnerstag bestellt, kriegt seine Ware sicher. Wer zu spät dran ist, muss hoffen.
Bis zum 31. Mai teilt WeirdCo den Stores dann die finalen Produktmengen mit. Und hier kommt der Clou: Stores, die Organized-Play-Events veranstalten, bekommen eine garantierte 20-Prozent-Restock-Option. Das ist ein cleverer Anreiz — wer Turniere hostet, wird bevorzugt beliefert.
Dazu kommen Demo-Kits, die vor dem eigentlichen Retail-Launch bei den Händlern eintrudeln sollen. Also ja, ihr könntet das Spiel in eurem Local Game Store antesten, bevor es offiziell im Regal steht. Vorausgesetzt, euer Store macht mit.
Falls ihr einen Laden kennt, der noch nicht auf dem Schirm hat, dass es dieses Programm gibt — jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, dem Besitzer den Link zur Händler-Bewerbung in die Hand zu drücken. Ernsthaft. Vier Tage.
Und was ist mit deutscher Lokalisierung?
Hier muss ich kurz den Hype bremsen. WeirdCo hat Französisch als erste Lokalisierungssprache nach Englisch bestätigt — über Neoludis als Distributions-Partner. Deutsch? Noch kein Wort. Keine Ankündigung, kein Zeitplan, nichts.
Klar, mit Luminous Cards als DACH-Distributor ist die Infrastruktur da. Und bei der Größe des deutschen TCG-Markts (One Piece TCG und Pokémon laufen hier wie verrückt) wäre es fast fahrlässig, auf eine deutsche Version zu verzichten. Aber bestätigt ist Stand heute nur Englisch für den europäischen Launch im Oktober.
Meine Theorie dazu: Die französische Lokalisierung kommt, weil Neoludis als Distributor vermutlich aktiv darauf gedrängt hat. Wenn Luminous Cards ähnlich pusht — und das sollten sie bei dem Marktvolumen — könnte eine deutsche Version zum zweiten oder dritten Set kommen. Set 2 ist für Q1 2027 angekündigt, also wäre das ein realistisches Fenster.
Wer sich jetzt fragt, ob das schlimm ist: Die meisten TCG-Spieler in Deutschland spielen ohnehin auf Englisch, gerade im kompetitiven Bereich. Und die englischen Karten kommen im Oktober. Also kein Grund zur Panik — aber nachfragen bei WeirdCo darf man trotzdem.
Was das für die Szene bedeutet
Die Geschichte hinter den Kulissen ist eigentlich die spannendere: WeirdCo baut hier nicht einfach ein Kartenspiel, sondern eine komplette Retail-Infrastruktur. Acht Distributoren, ein Händler-Portal mit Bewerbungsprozess, Demo-Kits, Restock-Garantien, Convention-Präsenz auf der SPIEL Essen im Oktober. Das ist das Playbook eines Publishers, der langfristig plant — nicht eines Kickstarter-Projekts, das nach der Auslieferung verstummt.
Zusammen mit dem bereits angekündigten Turniersystem (vom Night City Brawl bis zur Weltmeisterschaft) und der Fünf-Jahres-Roadmap für neue Sets ergibt sich ein Bild, das Choom, ich sag’s wie’s ist — ziemlich preem aussieht.
Was mich persönlich am meisten freut: Europa wird hier nicht als Afterthought behandelt. Luminous Cards sitzt in Gera, nicht in irgendeinem Logistikzentrum in den Niederlanden. Das ist deutsch, das ist nah, und das dürfte die Lieferzeiten und den Support für hiesige Stores deutlich verbessern.
Jetzt bleibt die Frage: Hat euer Local Game Store schon bestellt? Und falls nicht — worauf wartet der noch? Die Deadline tickt.
Quellen: Cyberpunk TCG Retailer-Seite, WeirdCo Retail Plans, WeirdCo Reddit AMA
Said Benadjemia – online als „Kenearos“. Cyberpunk-Fan seit dem ersten Trailer 2012, Night-City-Legend-Backer der Cyberpunk-TCG-Kickstarter-Kampagne 2026. Schreibt hier auf Deutsch alles rund ums Cyberpunk Trading Card Game von WeirdCo und CD Projekt Red – Kickstarter-News, Deep Dives zu Mechanik und Lore, Charakterguides, Strategieartikel.




