Die Kampagne ist vorbei — aber die Eddies fließen weiter. Eine Woche nach dem offiziellen Ende des Cyberpunk TCG Kickstarters zeigt der Zähler mittlerweile $27,7 Millionen bei über 49.400 Backern. Zum Vergleich: Am 17. April, dem letzten Kampagnentag, standen da noch $26,95 Millionen und 47.676 Unterstützer. Die Late-Pledge-Phase hat also in sieben Tagen rund 750.000 Dollar und 1.700 neue Backer reingeholt.
Nicht schlecht für ein Projekt, das eigentlich schon fertig funded ist.
Die Late-Pledge-Uhr tickt
Wer noch einsteigen will, hat bis zum 1. Mai 2026 Zeit. Danach schließt die Kickstarter-Seite endgültig und WeirdCo wechselt zu BackerKit — dem Pledge Manager, über den bestehende Backer ihre Adressen bestätigen, Versand und Mehrwertsteuer zahlen und optionale Add-Ons hinzufügen können. Ein erster „Smoke Test“ mit 5% der Backer lief bereits erfolgreich durch.
Kleiner Haken: Die Late-Pledge-Tiers kosten etwas mehr als während der Live-Kampagne. WeirdCo will damit sicherstellen, dass die Early Birds den besten Deal bekommen haben. Fair genug, würde ich sagen — wer früh Vertrauen zeigt, sollte belohnt werden.
Für deutsche und österreichische Backer heißt das konkret: Wer den Netrunner-Tier ($120 regulär, vermutlich $125-130 als Late Pledge) ins Auge fasst, sollte mit ca. 130-145 Euro rechnen — inklusive Versand und EU-Mehrwertsteuer. Zoll fällt bei Sendungen aus den USA unter 150 Euro Warenwert nicht an, aber je nach Tier kann das knapp werden. Mein Tipp: Lieber jetzt als später, denn nach dem 1. Mai gibt’s nur noch den Sekundärmarkt.
Fünf Jahre Roadmap, null Atempause
Was mich richtig hellhörig gemacht hat: Richard Zapp, Head of Game Design bei WeirdCo, hat in einem Interview mit Wargamer bestätigt, dass das Team bereits über fünf Jahre an neuen Gameplay-Mechaniken und Themen durchgeplant hat. Fünf Jahre. WeirdCo meint es verdammt ernst mit diesem Spiel.
Set 1 — „Welcome to Night City“ — bringt die Hauptcharaktere aus Cyberpunk 2077: V, Johnny Silverhand, Jackie Welles, Judy Álvarez. Set 2 wird dann die Edgerunners-Crew einführen (David Martinez, Lucy, Rebecca — ihr wisst schon). Elliot Cook, Co-Founder von WeirdCo, hat angedeutet, dass jede Erweiterung nicht nur neue Karten, sondern tatsächlich neue Mechaniken mitbringt. Kein aufgewärmter Einheitsbrei.
Und das Würfelsystem? Bleibt spannend. Alle klassischen RPG-Würfel kommen zum Einsatz — vom D4 bis zum D20. Eine Hommage an die Pen-and-Paper-Wurzeln von Cyberpunk. Dazu das Eddie-System, bei dem ihr Handkarten für Währung verkauft, um teurere Karten zu spielen. Thematisch genial: Du opferst Optionen für Macht. Das IST Cyberpunk.
Night City wird größer als gedacht
Was viele noch gar nicht auf dem Schirm haben: Das TCG ist nicht das einzige Cyberpunk-Spiel in der Pipeline. Parallel entwickelt sich ein ganzes Gaming-Universum rund um die IP. „Cyberpunk 2077: Chrome Rush“ soll ein Arcade-Racer werden, und mit „Cyberpunk: Edgerunners — Haunted“ kommt ein Brettspiel basierend auf dem Anime.
CD Projekt RED fährt hier offensichtlich eine Multifront-Strategie. Das TCG als Flaggschiff, drumherum weitere Formate für verschiedene Spielertypen. Ob das alles gleichzeitig auf den Markt kommt? Unwahrscheinlich. Aber es zeigt, dass die Lizenz langfristig bespielt wird — und nicht nur ein Quick-Cash-Grab auf dem Rücken des Kickstarter-Hypes.
Apropos Hype: Auf Reddit gibt’s durchaus kritische Stimmen. Manche fragen sich, ob ein Großteil der Backer eigentlich Spekulanten sind, die das TCG als Investment sehen statt als Spiel. Ehrlich gesagt — bei einem Durchschnitts-Pledge von $561 ist das eine berechtigte Frage. Zum Vergleich: Bei Brandon Sandersons Rekord-Kickstarter ($41,7 Mio) lag der Schnitt bei $225. Hier steckt deutlich mehr Geld pro Kopf drin.
Meine Einschätzung? Ein Teil ist sicher Spekulation. Aber $561 ist auch einfach das, was passiert, wenn du Booster Displays und Beta Boxes in den Warenkorb legst. Die Tiers waren von Anfang an auf Sammler und Spieler zugeschnitten — nicht auf Einsteiger, die mal ein Starterdeck mitnehmen wollen. Das ändert sich erst mit dem Retail-Launch in Q3/Q4 2026.
Was jetzt passiert
Die Zeitleiste bis zum Launch sieht so aus: Late Pledges laufen bis 1. Mai, BackerKit öffnet danach. Express-Shipping-Backer ($375+) bekommen ihre Ware in Q3 2026, alle anderen in Q4 2026. Der Retail-Launch — also wenn ihr einfach beim Händler eures Vertrauens bestellen könnt — ist ebenfalls für Q4 geplant.
Für den deutschen Markt wird Luminous Cards GmbH aus Gera als Distributor fungieren. Wer sich als Store registrieren will: Die Deadline dafür ist ebenfalls der 1. Mai (ja, gleicher Tag wie Late Pledges). Details dazu stehen in unserem Artikel zum Turniersystem.
Der Kickstarter hat mit fast $28 Millionen und 49.000+ Backern ein Statement gesetzt. Platz 3 aller Zeiten bei Kickstarter — hinter einem UV-Drucker ($46,7 Mio) und Sandersons Romanpaket ($41,7 Mio). Das meistfinanzierte Tabletop-Projekt in der Geschichte der Plattform, und zwar mit Abstand — über 10 Millionen Dollar vor dem bisherigen Rekordhalter Cosmere RPG.
Ob WeirdCo diesen Vertrauensvorschuss einlösen kann, entscheidet sich in den nächsten Monaten. Die 5-Jahres-Roadmap klingt ambitioniert. Das Turniersystem klingt durchdacht. Und Elliot Cook hat’s im Kickstarter-Blog selbst gesagt: Die Arbeit fängt jetzt erst richtig an.
Bleibt dran, Chooms. Es wird wild.
Quellen: BackerTracker, Wargamer Interview, ICv2, Inven Global, Kickstarter Blog
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Said Benadjemia – online als „Kenearos“. Cyberpunk-Fan seit dem ersten Trailer 2012, Night-City-Legend-Backer der Cyberpunk-TCG-Kickstarter-Kampagne 2026. Schreibt hier auf Deutsch alles rund ums Cyberpunk Trading Card Game von WeirdCo und CD Projekt Red – Kickstarter-News, Deep Dives zu Mechanik und Lore, Charakterguides, Strategieartikel.




