Cyberpunk TCG: Das sind die sechs Box-Topper-Karten
Seit dem Kickstarter im Frühjahr geistert der Begriff Box Topper durch jede zweite Diskussion, ohne dass irgendwer sagen konnte, was da nun eigentlich obendrauf liegt. Freigeschaltet haben die Dinger zwei Stretch Goals, 6 Millionen und 8 Millionen Dollar. Danach kam: nichts. Seit dieser Woche stehen sie in der offiziellen Kartendatenbank, samt Nummern, Regeltext und Illustrator. Sechs Karten sind es. Und die Liste dürfte einigen Leuten quer runtergehen.
WeirdCo selbst beschreibt die Sache in der FAQ ziemlich nüchtern:
„In the TCG industry, a box topper is a single random promotional card included inside of a booster display as a special bonus.“
Eine zufällige Karte pro Display also. Bei sechs möglichen Karten bedeutet das etwas anderes, als die meisten gerade im Kopf ausrechnen. Dazu gleich die Zahlen.
Die sechs Karten, die in der Kiste liegen
Die Datenbank führt zwei parallele Serien: „Box Toppers Beta“ mit den Nummern β001 bis β006 und „Box Toppers Retail“ mit 001 bis 006. Gleiche Karten, unterschiedliche Kennzeichnung.
Auf Arasaka-Seite sind es drei Legenden aus dem Starter Deck Embracing Power. Yorinobu Arasaka: Embracing Destruction steht auf Nummer 001 und zieht euch beim ersten Angriff einer befreundeten ARASAKA-Einheit pro Zug eine Karte, wobei ihr unter 20 Street Cred dafür eine abwerfen müsst. Nummer 003 ist Goro Takemura: Hands Unclean mit 5 Eddies Kosten, 7 Power, Go Solo und Blocker. Und auf 004 sitzt Saburo Arasaka: Stubborn Patriarch, der befreundeten ARASAKA-Einheiten im Angriff pauschal +1 Power gibt.
Die andere Hälfte kommt aus The Heist. Viktor Vektor: Sit Down and Relax (002) durchsucht per Call die obersten fünf Karten und holt bis zu zwei Gears mit Kosten 2 oder weniger heraus. Jackie Welles: Pour One Out For Me (005) senkt beim ersten blauen Unit oder Gear pro Zug einen eigenen Gig um bis zu 2 und zieht nach, falls der Gig dadurch auf Minimum fällt. Den Abschluss macht V: Corporate Exile (006), 5 Eddies, 8 Power, Go Solo.
Fällt euch was auf? Alle sechs sind Legenden. Alle sechs haben Rarity Epic. Und alle sechs stecken bereits in den beiden Starter Decks.
Alles schon gesehen, nur neu gemalt
Genau daran werden sich die Geister scheiden. Mechanisch ist an keiner dieser Karten irgendetwas neu. Wer die Starter Decks kauft, hat sie alle. Was den Box Topper ausmacht, ist einzig die Illustration, und die stammt jeweils von anderen Künstlern als das Original.
Die Aufteilung läuft sauber an der Fraktion entlang. Die drei Arasaka-Legenden hat Vincenzo Riccardi neu gezeichnet, im Starter Deck stammen sie von ADIA und Bad Moon Studio. Das Merc-Trio ging an ITO von Kirby’s Comic Art, dort war ursprünglich Envar am Zeichenbrett. Zwei Handschriften, zwei Fraktionen, kein Zufall.
Ich finde das ehrlich gesagt die bessere Lösung. Ein Box Topper mit exklusiver Mechanik hätte den Zwang erzeugt, Kisten zu kaufen, nur um konkurrenzfähig zu bleiben, und daran sind schon ganz andere TCGs verglüht. So bleibt es das, was Alt-Art sein sollte: schön, sammelbar, spielerisch irrelevant. Wer die Karte will, kauft sie später einzeln oder tauscht. Wer sie nicht will, verpasst am Tisch exakt gar nichts.
Was die Vollsammlung wirklich kostet
Jetzt zur Rechnung, bei der sich fast alle verschätzen. Comic Planet listet das 36er Beta Booster Display aktuell für 159,99 Euro (statt 179,99 UVP), das haben wir gestern im Detail durchgerechnet. Sechs Karten, eine pro Kiste, macht sechs Kisten für 959,94 Euro? Schön wär’s, Choom.
Die Karte ist zufällig. Wer sechs Displays kauft, zieht mit hoher Wahrscheinlichkeit Doppelte und Dreifache. Das Ding hat sogar einen Namen in der Wahrscheinlichkeitsrechnung, Sammelbilderproblem, und die Formel dazu ist unangenehm eindeutig. Der Erwartungswert liegt bei 6 mal (1 + 1/2 + 1/3 + 1/4 + 1/5 + 1/6), also bei glatt 14,7 Displays. In Euro: rund 2.351 Euro, bevor ihr statistisch alle sechs beisammen habt.
Und zum Vergleich beide Starter Decks: 26,99 Euro das Stück im deutschen Handel. 53,98 Euro für dieselben sechs Karten, garantiert, ohne jedes Ziehungsglück, nur eben in der Standard-Illustration. Der Aufpreis für die hübschere Version liegt damit ungefähr beim Vierundvierzigfachen. Mal ehrlich, ob euch das eine Nummer zu groß ist, müsst ihr selbst entscheiden. Wenigstens kennt ihr die Zahl jetzt vorher.
Vernünftiger dürfte der Sekundärmarkt sein. Sechs Epics, die in jeder Kiste mit gleicher Wahrscheinlichkeit auftauchen, sind alles andere als selten. Wer geduldig ist, kauft sie nach dem Retail-Start einzeln und zahlt einen Bruchteil.
Die Retail-Zeile, über die noch keiner redet
Ein Detail in der Datenbank ist mir hängen geblieben. Die FAQ verspricht Box Topper ausdrücklich für die Beta Booster Displays, also für die Kickstarter-Ware. In der Datenbank steht aber eben nicht nur die β-Serie, sondern eine komplette Retail-Serie mit denselben sechs Karten und ohne β vor der Nummer.
Übersetzt heißt das vermutlich: Auch die normalen 24er-Displays ab dem 6. November bekommen einen Topper. Bestätigt hat WeirdCo das bisher nirgends, und diese Zurückhaltung habe ich im Hinterkopf, während ich das tippe. Aber Nummernkreise legt man nicht aus Langeweile an. Für den deutschen Handel wäre das durchaus relevant, weil das Retail-Display bei TobisToys für 89,99 Euro und bei Comic Planet für 99,99 Euro steht, also deutlich unter der Beta-Kiste. Wer den Topper will und auf das β-Symbol pfeift, wartet dann einfach bis November.
Für Komplettisten wird es dagegen unangenehm. Zwölf Karten statt sechs, jede in zwei Varianten, und die Beta-Version kommt nur aus einer Kiste, die nach dem 31. August im Handel eine begrenzte Auflage bleibt. Meine Prognose: Die β-Yorinobu wird die erste Karte aus diesem Set, bei der jemand einen dreistelligen Betrag aufruft.
Bleibt die Frage, die die Datenbank offen lässt. Sind die sechs gleich häufig, oder gibt es innerhalb der Topper nochmal eine Abstufung? Falls WeirdCo da noch eine Seltenheitsstufe einzieht, sieht die Rechnung oben plötzlich richtig freundlich aus.
Quellen
Offizielle Kartendatenbank, cyberpunktcg.com
Kickstarter-FAQ von WeirdCo
Unsere Preisrecherche zum deutschen Handel
Die Starter Decks im Überblick
// KOMMENTARE (0)