Cyberpunk TCG: Saul Bright bringt 14 Power aufs Feld
Ich hab gestern Abend die offizielle Kartendatenbank Eintrag für Eintrag durchgeklickt, weil mir aufgefallen war, dass da Karten drinstehen, über die nirgends jemand geschrieben hat. Bei Nummer 089 bin ich hängengeblieben.
Acht Eddies. Vierzehn Power. Vierzehn.
Die zweitgrößte grüne Einheit im ganzen Set kommt auf acht. Saul Bright: Stormrider legt also sechs drauf, ausgerechnet in der Farbe, die bisher über Breite und Tempo funktionierte und nicht über einzelne Brocken. Im gesamten enthüllten Set gibt es genau eine Einheit, die größer ist: Adam Smasher: Metal Over Meat mit fünfzehn Power. Der kostet aber neun Eddies und frisst sechs RAM.
Niemand hat ihn angekündigt
Kein Blogpost, kein Podcast-Segment, kein Creator mit Reveal-Slot. Saul ist einfach da. Der Dev Blog von WeirdCo schweigt seit dem 12. August, als die Cardmarket-Partnerschaft vermeldet wurde, und im Reveal-Kalender steht der nächste Termin erst für heute (Paweł Sasko und Sebastian Kalemba, je eine Karte, jeweils mittags US-Ostküste).
Ein Einzelfall ist er auch nicht. Beim Abgleich der Datenbank gegen unser eigenes Archiv sind neun Karten übriggeblieben, die enthüllt sind und über die hier noch nie ein Wort stand. Lizzy Wizzy: Delicate Weapon zum Beispiel. Oder Delamain als Rideshare-KI, der für drei Eddies zwei Karten zieht und wegen null Power keine Gigs klaut. Von offizieller Seite dazu: kein Wort, keine Grafik, nichts. Die Redaktion trägt einfach ab.
Stand jetzt hängen 117 der 140 Retail-Karten in der Datenbank. Dreiundzwanzig Nummern sind noch zu, darunter vier Legends. Bei den grünen Units fehlen nur noch 080, 081 und 090.
Zwei Zeilen Regeltext, eine davon zählt
Der Regeltext hat zwei Zeilen, und die zweite ist die gefährliche.
Zeile eins: Andere befreundete Units haben plus zwei Power, während sie angreifen. Beachtet das „andere“. Saul selbst kriegt nichts davon ab. Bei vierzehn Power braucht er es auch nicht.
Zeile zwei: Am Ende eures Zuges richtet ihr bis zu drei befreundete Units wieder auf. Und genau hier kippt die Karte vom großen Körper zum Motor. Wer angreift, verbraucht seine Einheiten. Verbrauchte Einheiten können nicht blocken. Saul dreht drei davon am Zugende zurück, also greift ihr mit dem ganzen Board an und steht danach trotzdem mit drei Blockern da. Grün spielt damit Offensive und Defensive im selben Zug, was normalerweise die teuerste Sache überhaupt ist.
Rechnet euch das mal mit drei kleinen Aldecaldos aus: drei Angreifer zu je plus zwei, macht sechs zusätzliche Power im Angriff, dazu ein 14er-Körper, und am Ende stehen drei davon wieder bereit. Für acht Eddies. Krass.
Der Haken sitzt woanders, nämlich beim Preis. Acht Eddies sind im aktuellen Set spätes Spiel, da liegen sonst nur Placide (zehn Power), Sandayu Oda und die dicken Legends. Wer bis dahin nicht am Leben ist, dem hilft auch kein Stormrider mehr.
Zwei RAM, und darum geht es
Die eigentliche Zahl auf der Karte ist nicht die vierzehn. Es ist die zwei beim RAM.
Adam Smasher zieht mit fünfzehn Power sechs RAM aus eurem Budget, das die drei Legends im Deck vorgeben. Saul liefert einen Punkt weniger Power für ein Drittel der RAM-Last. Panam Palmer: Strength Through Family, die letzte Secret Rare aus Episode 21, kostet bei sechs Power ganze vier RAM und zwingt euch damit tief ins Grüne. Saul nicht. Der passt fast überall rein, wo Grün überhaupt vorkommt.
Ich hätte erwartet, dass so ein Statblock als Epic oder Secret rauskommt. Ist er nicht. Rare, gezeichnet von Mooncolony, tags Aldecaldo und Nomad. In einem Beta-Display ist eine Rare deutlich häufiger als eine Epic, und das dürfte an den Beta-Wochenenden im September noch interessant werden.
Lorekundige wissen sowieso, wer da steht. Saul führt den Aldecaldos-Clan, zu dem Panam gehört, und ihn in den Badlands rauszuholen ist eine der Missionen, an denen in Cyberpunk 2077 die halbe Nomaden-Storyline hängt. Dass WeirdCo ihm im Set genau drei Aldecaldo-Karten zur Seite stellt (beide Panams und ihn selbst), passt zu einem Archetyp, der beim Start noch dünn besetzt ist. Set 2 wird den Stamm ausbauen müssen, und Saul steht jetzt schon als Zielkarte dafür bereit.
Was das für euch heißt
Praktisch: noch gar nichts, und das ist der Punkt. Die erste Fulfillment-Welle rollt ab etwa dem 1. September los, die Beta-Events in den Läden laufen vom 10. bis 17. September, Prerelease-Wochenende ist der 30. Oktober, Retail-Start der 6. November. Bis dahin ist Saul ein Bild in einer Datenbank.
Für den deutschsprachigen Raum kommt dazu, dass ihr die Karte erst mal physisch in die Finger kriegen müsst. Über Luminous Cards aus Gera läuft die Verteilung an den Handel, White Rabbit in Essen und Aachen sowie die Karten-Lounge Dortmund haben Beta-Events angekündigt. Spannender wird der Zweitmarkt: Cardmarket steigt nach der ersten Fulfillment-Welle im September mit voller Unterstützung ein, und eine Rare mit diesem Statblock ist genau die Sorte Karte, deren Preis in den ersten Wochen wild zuckt, bevor sich das einpendelt. Wer sie zum Retail-Start im November braucht, wartet besser auf die Nachdrucke aus dem regulären Sortiment, statt im September Sammlerpreise für Beta-Drucke zu zahlen.
Und die Frage, die ich mir seit gestern Abend stelle: Wenn eine 14-Power-Rare ohne jede Ankündigung durchrutscht, was liegt dann noch in den 23 offenen Nummern? Vier davon sind Legends. Reveal-Season endet laut Cree „Kawa“ Gunning Ende August, danach schneiden die ersten Backer ohnehin ihre Displays auf.
Quellen
Offizielle Kartendatenbank, Cyberpunk TCG
Welcome to Night City Community Card Reveal Schedule, WeirdCo Dev Blog
Cyberpunk TCG to be fully supported by Cardmarket in Europe, WeirdCo Dev Blog
Production Diary: Cyberpunk TCG ships to backers starting September 2026
Saul Bright, Cyberpunk Wiki
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