Creator Invitational: Lehren fürs Pre-release
Drittes Spiel, das Finale steht 1:1. Jordan hat die Wahl und entscheidet sich, zuerst zu spielen. Ein Mulligan, eine neue Hand, und dann läuft die Partie so, wie Jordans Deck den ganzen Tag gelaufen ist. Unspektakulär, Zug für Zug, bis der Moment kommt, der das Spiel kippt. Jordan callt Wakako, wählt die minus zwei, und die Psycho Squad auf der anderen Seite verliert zwei Power. Aus ihrer Sechs wird eine Vier. Das reicht. Jordans 6th Street Recruits greifen an und nehmen dem Gegner die Psycho Squad vom Tisch.
Die Caster beschrieben das im Stream fast beiläufig: „Wakaco flipping and Jordan choosing the minus two made the six become a four, which let Jordan use the six street recruits in order to attack and get rid of the psycho squad.“ Feuerwerk sieht anders aus, und eine Bombe aus dem Booster war auch nicht im Spiel. Ein Legend für einen Eddie, eine Common-Unit, zwei Punkte Power, die auf der falschen Seite fehlen. Mehr brauchte es am Ende des ersten Cyberpunk-TCG-Turniers, das WeirdCo live übertragen hat, nicht.
Am 20. Oktober 2026 haben sich 16 Content Creators im Hauptquartier von CD Projekt RED in Warschau zum Creator Invitational getroffen. Gespielt wurde Sealed, also genau das Format, das ab dem 30. Oktober in den Läden auf dem Pre-release läuft. Alle bekamen ein Kit, bauten daraus ein Deck und spielten vier Swiss-Runden, danach ging es im K.-o.-Modus durch die Top 8. Gewonnen hat Jordan, vielen als XOTCG bekannt, mit einem Deck aus drei Fixer-Legends und ohne einen einzigen Go-Solo-Legend. Im Finale saß Fresh Lobster gegenüber.
Fixer schlagen Go Solo, so könnte man das jetzt in eine Schlagzeile pressen. Stimmt aber nicht. Drei der vier Halbfinalisten hatten Adam Smasher als Legend, und viele große Momente des Tages gehörten ihm. Jordans Deck hatte die passende Antwort im Gepäck. Und wer am Wochenende mit einem frischen Kit am Tisch sitzt, kann sich aus diesem Turnier eine Menge abschauen.
Zu den fünf Karten, die WeirdCo vorab im Blog gezeigt hat, gibt es bei uns schon einen eigenen Artikel mit Kartentexten und Rulings: die fünf Blog-Karten im Detail. Hier geht es um das, was sie im Turnier angestellt haben.
Glossar für Einsteiger
Ein paar Begriffe tauchen im Rest des Artikels ständig auf, und wer das Spiel noch nie auf dem Tisch hatte, stolpert garantiert darüber. Deshalb hier einmal gesammelt. Im Fließtext erklären wir sie danach nicht mehr.
Gig: Die Siegpunkte des Spiels, dargestellt als Würfel von D4 bis D20. Wer zu Beginn des eigenen Zuges sieben Gigs hat, gewinnt. Greift eine Unit mit 10 Power oder mehr erfolgreich an, stiehlt sie zwei Gigs statt einem.
Eddies: Die Ressource, mit der Karten und Fähigkeiten bezahlt werden.
Sellable / verkaufen: Gear und Programme lassen sich entweder ausspielen oder verkaufen, um an Eddies zu kommen. Welche Karte man wann verkauft, gilt als eine der wichtigsten Entscheidungen im Spiel.
Legend callen: Jedes Deck hat drei Legends. Einen davon aufzudecken kostet einen Eddie, geht einmal pro Zug und auch als Reaktion, wenn man angegriffen wird.
Fixer: Spielerjargon, kein Regelbegriff. Gemeint sind Legends, deren Fähigkeit beim Callen wirkt, oft mit einer Auswahl zwischen zwei Effekten, meist Kampftrick, Gig-Manipulation oder Kartenziehen. Mit der Fixer-Area aus dem Regelwerk, der Ablage für Gig-Würfel, hat der Begriff nichts zu tun.
Go Solo: Legends, die gegen Bezahlung selbst als Unit aufs Feld gehen.
Quick: Effekte mit diesem Schlüsselwort lassen sich in der eigenen Main Phase nutzen und zusätzlich als Reaktion, wenn man selbst angegriffen wird. Dieses Reaktionsfenster hat nur der Verteidiger.
Blocker: Units, die sich einem Angriff in den Weg stellen können.
Overtime: Die Schlussphase einer Partie. Sie beginnt laut Regelwerk, sobald beide Spieler zwei Züge in Folge mit leerer Fixer-Area begonnen haben, meist nachdem beide Seiten je sieben Züge gespielt haben. Ab dann gewinnt man sofort, sobald man sieben Gigs hat, und deshalb zählt die Zugreihenfolge plötzlich besonders.
Mulligan: Einmal pro Partie darf man die komplette Starthand kostenlos zurückgeben und neu ziehen.
Gig-Würfel entscheiden in fast jeder der hier beschriebenen Partien, wer vorne liegt. Im Kit liegt ein kompletter Satz. Wer welche dabeihaben will, findet ein polyedrisches Würfelset von D4 bis D20.
Das Format: Ein Kit, mindestens 30 Karten, drei Legends
Das Creator Invitational lief mit genau den Kits, die auch im Handel zum Pre-release liegen. In jedem stecken sechs Retail-Booster, drei zufällige Legends aus einem Pool von zehn, alle drei in Cold Foil, dazu eine Promo-Version von Gorilla Arms mit Cold-Foil-Stempel und ein Satz Würfel. Welche zehn Legends in diesem Pool liegen, hat der Stream nur teilweise verraten. Genannt wurden Dexter DeShawn, Muamar Reyes und Wakako. Muamar Reyes ist dieselbe Karte, die im Stream meistens El Capitán heißt, ihr voller Name lautet Muamar Reyes: El Capitán.
Aus dem Pool entsteht ein Deck aus mindestens 30 Karten plus drei Legends, wobei die Legends laut Sealed Primer auch aus den Boostern stammen dürfen. Im Stream galten 30 Karten als „kind of the sweet spot“. Erlaubt sind höchstens drei Farben, und die müssen nicht zu den Legends passen. Die Caster haben das ausdrücklich betont: Man kann „three colors that do not match your legend“ spielen. Für Sealed ist das eine große Erleichterung, weil die drei Legends aus dem Kit ja zufällig kommen und selten zu dem passen, was die Booster an starken Karten hergeben. Eine RAM-Beschränkung gibt es im Sealed nicht.
Laut Stream dürfen die Spieler Karten aus den geöffneten Kits rein- und raustauschen. Bei den Legends ist es anders, die Caster formulierten es so: „your legends generally don’t change between games, especially in sealed“. Ob zwei gleichnamige Legends im selben Deck erlaubt sind, ließ der Stream offen. Wer beim Pre-release zwei Kopien desselben Legends aus dem Kit zieht, fragt am besten vor Ort beim Veranstalter nach.
Gespielt wurden vier Runden Swiss, jede 50 Minuten lang und im Best-of-three. Danach kamen die besten acht in ein Single-Elimination-Bracket. Bei 16 Teilnehmern heißt das: Die Hälfte des Feldes spielt nach der Vorrunde weiter, und eine ausgeglichene Bilanz kann durchaus reichen. Preise gab es gestaffelt für alle Plätze von eins bis 16, auch die Plätze neun bis 16 gingen mit drei Boostern nach Hause.
Das Ganze entspricht fast eins zu eins dem Pre-release. Ein Kit, ein Pool, drei zufällige Legends, Deckbau vor Ort: Wer am Wochenende im Laden sitzt, hat exakt dieselbe Aufgabe vor sich.
Ein Pool aus sechs Boostern plus Legends und Promo ist schnell ein dicker Stapel, und die Karten, die nicht ins Deck kommen, will man trotzdem heil nach Hause tragen. Auch Sleeves stehen im Sealed Primer auf der Liste der optionalen Mitbringsel. Klare Kartenhüllen in Standardgröße schützen den Pool auf dem Heimweg.
Vier Runden Swiss
Nicht jede Partie war im Stream zu sehen. Pro Swiss-Runde lief ein Feature-Match, kommentiert von Castern, die zwischendurch auch mit Lead Game Designer David McDarby von WeirdCo und mit den Spielern selbst gesprochen haben. Schon an diesen vier Matches sieht man ziemlich gut, wie Sealed in diesem Spiel tickt.
Runde 1: Ibo gegen Silvin
Ibo, bekannt von AIBO Academy, eröffnete den Tag gegen Silvin, und das Match ging über die volle Distanz. Spiel eins zeigte gleich das Muster, das sich durch den ganzen Tag ziehen sollte. Silvins MaxTac AV, eine grüne 5/8 mit Gorilla Arms, greift Ibos Pepe an. Pepe verliert den Kampf, doch Ibo deckt El Capitán auf, und so wird Pepe nicht besiegt. Hinterher kommt Safety Override, und das Programm zerstört die MaxTac AV. Der Blog von WeirdCo erklärt den Trick: Die Unit überlebt, hat den Kampf aber technisch trotzdem verloren, und genau darauf reagiert Safety Override. Ein Eddie für den Legend, zwei fürs Programm, weg ist eine der stärksten Units in Silvins Deck.
Silvin kam in Spiel zwei zurück, mit einer Kombination, die man am Pre-release-Wochenende oft sehen wird: Rockn‘ Rockerboy auf dem Feld, Gorilla Arms dran, und plötzlich wandern drei Gigs in einem einzigen Zug auf Silvins Seite. Die gelbe 5/8 Rockn‘ Rockerboy ist ein Common, und die Caster hielten große Stücke auf sie. In den K.-o.-Runden fielen über die Karte Sätze wie „great vanilla card“, und als Jordan sie im Finale spielte, hieß sie „one of the best in the game right now“. Und weil Gorilla Arms als Promo in jedem Kit liegt, kann praktisch jeder diese Paarung bauen, der den Rockerboy aus den Boostern zieht.
Spiel drei holte sich Ibo. Sketchy Ripper, der laut Kartendatenbank die obersten drei Karten nach Gear durchsucht, sorgte für Nachschub, El Sombrerón kam aufs Feld, und am Ende stand Adam Smasher. Ibo nannte als Schlüssel die Kombination aus Ripper und Valentino Street Racer. Die Caster beschrieben das Finish mit „ending that legendary solo“. Im Interview sagte Ibo über den Ripper: „I drew three cards off the ripper.“ Für eine 2/0 nicht übel.
Beim Deckbau vor laufender Kamera hatte der Feature-Tisch schon mit der Farbwahl gerungen. „Do I want green or do I want yellow?“, fragte dort ein Spieler und schob gleich hinterher: „Or uh green or blue, I can’t remember“. Aus der Runde kam dann der eigentlich wichtige Gedanke: Schwierig sei im Sealed weniger die Frage, welche Farben man spielt, sondern welche man weglässt. „Which color you cut“, meinte ein Spieler dazu. Vier Farben gibt es (Rot, Gelb, Grün, Blau), höchstens drei dürfen ins Deck, eine fliegt also raus. Bei manchen Pools tut das richtig weh, weil auch die gestrichene Farbe ein, zwei starke Karten hergegeben hätte.
Runde 2: Ash Lizzle gegen Sunny
In Runde zwei setzte sich Ash Lizzle mit 2:0 gegen Sunny durch. Ash hatte drei Fixer als Legends, Dum Dum: Maelstrom Triggerman, El Capitán und Wakako. Die Caster warnten im Kommentar: „watch out for the dum dum. Watch out for the el capitan. Watch out for Wakaco.“ Kurz darauf hieß es noch: „Some real big fixer energy from Ash“. Sunny hatte zwei Fixer und einen Go-Solo-Legend. Spiel eins ging an Ash.
Als die Kampftricks ausgepackt wurden, kamen gleich zwei Legends zum Zug: „Both Dexter Desawn and Morar Reyes coming in clutch with the battle combat tricks.“ Gemeint sind Sunnys Dexter und Ashs El Capitán. Und dafür sind Fixer in diesem Format da: Sie sitzen neben dem Deck, kosten keinen Kartenslot, und wird ein Kampf knapp, entscheidet ein Eddie für den Legend.
Auf Sunnys Seite kam Jackie Welles: Mama’s Favorite per Go Solo ins Spiel, griff an, wurde dabei besiegt und rettete so einen Heywood Ripperdoc. Gereicht hat es nicht. Irgendwann in Spiel zwei scoopte Sunny, wie man im TCG-Sprech sagt, packte also die Karten zusammen, bevor die Partie formell vorbei war.
Sunnys Legends lassen sich aus dem Match gut zusammensetzen: Padre, Dexter DeShawn und Jackie Welles: Mama’s Favorite. Das MaxTac Suppression Team auf Sunnys Seite lobten die Caster in dieser Runde als „MVP“. Sunny kam trotz der Niederlage ebenfalls in die Top 8.
Runde 3: Spessie gegen Scott Mines
Das vielleicht lehrreichste Match der Vorrunde spielte Spessie, mit bürgerlichem Namen Joe Curley und auch als Specimen bekannt, gegen Scott Mines. Spessie war mit zwei Siegen gestartet und erzählte später, Sealed in Cyberpunk sei Neuland: „it’s my first time playing it in Cyberpunk“. Anzumerken war das nicht.
Spiel eins ging trotzdem verloren, und zwar auf die Art, vor der sich im Sealed alle fürchten. Nach dem Mulligan hatte Spessie eine Hand voller Karten zum Verkaufen und keine einzige Unit. Die Caster dazu: „all sellables in his hand. That is not great.“ Eddies waren also genug da, nur nichts, wofür Spessie sie ausgeben konnte. Scott Mines nutzte das und holte sich das Spiel.
In Spiel zwei drehte Spessie den Spieß um, bewusst mit dem zweiten Zug, mit Adam Smasher in der Hinterhand und defensiv. Scott Mines hatte mit Towerfall eine Antwort, die Caster nannten die blaue Epic-Karte „the onesided board wipe“. Ein Board Wipe, der nur die Seite des Gegners räumt, ist in jedem Kartenspiel eine Wucht. Dazu legte Scott Mines Placide: Voodoo Sentinel gegen Spessies Animals Wrecker. Auf Spessies Seite kam dafür Hanako Arasaka: In a Gilded Cage ins Spiel, eine gelbe 4/1 und Rare, die vor dem Turnier kaum jemand auf dem Zettel hatte. Die Caster tauften den Effekt „The full draw four experience“. Spessie gewann und glich aus.
Spiel drei zog sich, und es war das spannendste der drei. Scott Mines hatte in diesem Match mit Judy Álvarez: Braindance Maestro und Dum Dum zwei Legends auf dem Tisch und mit der Zetatech Faceplate eine Gear, die die Caster „a really solid draw engine“ nannten. Wieder kam Hanako, und diesmal fand Spessie damit genau die billigen Blocker, die es brauchte, um das Spiel zu halten. Danach war die Partie entschieden, das Match ging 2:1 an Spessie.
Hanako nannten die Caster „a bit of a sleeper“, also eine Karte, die unter dem Radar fliegt. Laut Kartendatenbank deckt Hanako Karten auf, deren Kosten einem der eigenen Gig-Werte entsprechen. Spessie erklärte die Lesart so: „if I have all my gigs dice at six, one to six, I will draw everything every time.“ Gesucht sind also Gig-Werte, die die Kostenstufen von eins bis sechs abdecken, und dazu passt ein Deck, in dem kaum etwas teuer ist. „I don’t think I play anything in my deck which costs more than seven“, sagte Spessie dazu. Auf so eine Bauweise kommt man in den ersten Partien eher nicht.
Nach drei Runden stand Spessie damit bei drei Siegen, im Interview hieß es: „you clinched your entry in the top eight“. Vor dem Halbfinale fiel über Spessie noch der Satz „only taking one draw today“.
Runde 4: Maxildan gegen Lionheart
In der letzten Swiss-Runde trafen Maxildan und Lionheart aufeinander. Lionheart hatte Units wie Sandayu Oda: Hanako’s Guardian und Saul Bright: Stormrider im Deck, dazu Padre und El Capitán unter den Legends. Wozu Fixer taugen, sah man an einer Szene ziemlich deutlich. Auf Maxildans Seite drohte eine Jackie Welles, und Lionheart setzte El Capitán ein, „which will allow Jackie to steal one less gig“. Ein Fixer, der den Schaden des Gegners um einen Gig drückt, ist in einem Spiel bis sieben eine Menge wert.
Durchgesetzt hat sich trotzdem Maxildan, mit 2:0. Die Caster sprachen hinterher von einem „critical difference between game one and game two“. Maxildans Deck verteilte sich nach den gezeigten Karten auf mindestens Grün, Gelb und Blau: Maelstrom Zealots, Wild in the Streets, Mandibular Upgrade, Jackie Welles: Ride or Die Choom und NetWatch Netdriver. Als Legends spielte Maxildan Royce, River Ward und El Capitán.
Maxildan hatte Sealed nach eigener Aussage von einem Freund gelernt und erzählte von „so many boosters at home“. Ein Profi-Limited-Feld war das hier also nicht. Gut möglich, dass die Partien auch deshalb so offen liefen.
Bei einem Feld von 16 Leuten und acht Plätzen in der K.-o.-Runde kann auch eine Bilanz von zwei Siegen und zwei Niederlagen für den Cut reichen. Ab dem Viertelfinale wurde es dann ernst.
| Runde | Feature-Match | Ergebnis | Entscheidender Moment |
|---|---|---|---|
| 1 | Ibo – Silvin | 2:1 | Sketchy Ripper, El Sombrerón, Adam Smasher in Spiel 3 |
| 2 | Ash Lizzle – Sunny | 2:0 | Dexter DeShawn und El Capitán als Kampftricks, Sunny scoopt |
| 3 | Spessie – Scott Mines | 2:1 | Hanako zieht vier in Spiel 2 und findet Blocker in Spiel 3 |
| 4 | Maxildan – Lionheart | 2:0 | El Capitán nimmt Jackie einen Gig, reicht aber nicht |
Top 8 und Halbfinale
Jetzt hieß es: zwei Spiele gewinnen oder heimfahren. Der Stream blieb vor allem an Jordan dran, im Rückblick die richtige Wahl.
Viertelfinale: Jordan gegen Maxildan
Das beste Match der K.-o.-Runde, über drei Spiele, und keins davon lief wie das andere.
Spiel eins ging an Maxildan, und der Motor dahinter hieß NetWatch Netdriver. Maxildan zog damit Karte um Karte und legte Units nach, die doppelte Gigs holen. Auf beiden Seiten fiel ein Live with the Aftermath, bei der jeder Spieler eine eigene Unit besiegen muss. Maxildan deckte in diesem Spiel El Capitán auf, Jordans dritter Legend blieb dagegen verdeckt, eine Karte, „which no one has seen“, wie die Caster rätselten. Der Wendepunkt kam an anderer Stelle: Jordans Animals Wrecker wurde geblockt, und danach spielte Maxildan Wild in the Streets. Die Caster nannten die Karte „one of the best ways to deal with that“. Nach diesem Zug lief das Spiel in Maxildans Richtung.
In Spiel zwei merkte man, wie schnell die Leute an diesem Tag kapiert hatten, worauf es ankommt. Jordan ging zuerst, und kaum lag der NetWatch Netdriver wieder auf dem Tisch, sprengte Jordan ihn mit Detonate. Kein Abwarten, keine zweite Runde Kartenvorteil für den Gegner. Später nahm Memory Relapse Maxildans Secondhand Bombus aus dem Weg, damit Jordans Animals Wrecker das MaxTac Suppression Team auf Maxildans Seite abräumen konnte. Jordan glich aus.
Wer Jordans Deck verstehen will, schaut sich Spiel drei an. Diesmal begann Maxildan, die Caster stellten fest: „Players are choosing to go first in this game“. Auch hier lag auf Maxildans Seite ein MaxTac Suppression Team, und Jordan hielt den Riding Nomad deshalb lange zurück. Hinterher erklärte Jordan im Interview: „I knew I had to remove his Max-Tac so I could attack.“ Der entscheidende Schlag bestand aus zwei billigen Bausteinen. Im eigenen Zug wurde Carnage at the Colosseum verkauft, und Jordan passte mit drei offenen Eddies. In Maxildans Zug kamen dann die Reaktionen: Jordan callte Dexter DeShawn für plus zwei Power, aus der eigenen Unit wurde eine Neun, und Maxildans MaxTac AV war vom Feld. Dazu kam Safety Override. Das Programm wirkt, wenn eine eigene Unit einen Kampf verliert, und zerstört dann die gegnerische Unit aus diesem Kampf. Es traf Maxildans Jackie Welles: Ride or Die Choom. Die Caster: „double got cleared both of his rival’s units on the same turn“.
Später zerstörte Jordan per Detonate noch Maxildans Sandevistan, und am Ende fehlte Maxildan genau eine Sache: eine Karte zum Verkaufen und damit die Eddies für eine Antwort. „No sellable. That’s what it was“, fassten die Caster zusammen. Maxildan kam im letzten eigenen Zug nicht mehr zurück, in den letzten Zügen schlug der lange zurückgehaltene Riding Nomad zu, und Jordan stand im Halbfinale.
Zählt man in diesem Match mit, kommt einiges an billigen Antworten zusammen: zweimal Detonate, Memory Relapse, Safety Override, Dexter als Kampftrick und ein verkauftes Programm als Treibstoff. Von solchen Karten hatte Jordan jede Menge im Deck.
Die anderen Viertelfinals
Fresh Lobster setzte sich mit 2:1 gegen Ash Lizzle durch. Spessie gewann 2:0 gegen David Tisc aus Polen, früher unter dem Namen Aison für Gwent aktiv. Ibo kam gegen Sunny ebenfalls weiter.
Halbfinale: Fresh Lobster gegen Spessie
Zwei Adam-Smasher-Decks im ersten Halbfinale, und am Ende eine klare Sache: Fresh Lobster gewann 2:0.
Spessie hatte über die Sitzordnung die Wahl und ließ Lobster in Spiel eins beginnen. In Spiel zwei dasselbe: Spessie „opted to go second again“. So hatte Spessie es den ganzen Tag gehalten, in Runde drei mit Erfolg. Gegen Lobster ging das schief. Lobsters Deck war nach Einschätzung der Caster „very much a deck that wants to go first“, gebaut auf Tempo, und Spessie überließ ihm genau diesen Vorteil.
Aus Spiel eins bleiben zwei Szenen hängen. Erst trafen Spessies Mantis Blades auf Lobsters Bonnie and Clyde. Dann kam der Moment, den die Caster als „Smasher to Smasher“ beschrieben: zwei Adam Smasher auf dem Feld, einer auf jeder Seite. Lobster hatte außerdem Safety Override auf der Hand, die Caster spekulierten, ob die Karte als Falle zurückgehalten würde. Dieses Lauern gab es in allen Top-Matches. Wer offene Eddies sieht, rechnet mit einem Trick, und manchmal ist der Trick tatsächlich da.
In Spiel zwei kam Lobsters Smasher wieder ins Spiel, und im Kommentar fiel irgendwann der Satz „It steals four“. Spessie hatte zwar Animals Wrecker im Deck, sogar zwei Kopien, aber Lobster hatte mit Placide: Voodoo Sentinel eine Antwort darauf: Placide schickte den Wrecker unter das Deck. Danach war das Halbfinale entschieden.
Im Interview danach verriet Lobster eine Gewohnheit, die ihr euch fürs Pre-release merken solltet: „I want that fail safe of keeping the last pitchable program in hand.“ Ein Programm, das sich notfalls verkaufen lässt, bleibt immer als Reserve auf der Hand. Kommt der entscheidende Moment, hat man dann entweder den Trick oder die Eddies für etwas anderes.
Halbfinale: Jordan gegen Ibo
Das zweite Halbfinale gewann Jordan gegen Ibo mit 2:1, vor dem dritten Spiel hieß es im Kommentar „1-1 … against Ibo“. Damit stand das Finale: das Fixer-Deck ohne Go Solo gegen das dritte Smasher-Deck des Tages.
| Runde | Match | Ergebnis |
|---|---|---|
| Viertelfinale | Jordan – Maxildan | 2:1 |
| Viertelfinale | Fresh Lobster – Ash Lizzle | 2:1 |
| Viertelfinale | Spessie – David Tisc | 2:0 |
| Viertelfinale | Ibo – Sunny | Sieg Ibo |
| Halbfinale | Fresh Lobster – Spessie | 2:0 |
| Halbfinale | Jordan – Ibo | 2:1 |
| Finale | Jordan – Fresh Lobster | 2:1 |
Das Finale, Spiel für Spiel
Jordan gegen Fresh Lobster, das hieß drei Fixer-Legends gegen Wakako, Padre und Adam Smasher. Wakako hatten beide. Einen Go-Solo-Legend, der als 9/9 aufs Feld kommen kann, hatte nur Lobster, und genau dafür hatte Jordan vorgesorgt.
Spiel 1: Die Suppression als Versicherung
Jordan begann, und Riding Nomad war eine der Units, die Jordan in Spiel eins auf den Tisch brachte. Lobster dagegen kam kaum in die Partie, die Caster stellten fest: „They haven’t really established any units“. Jordan spielte trotzdem vorsorglich ein MaxTac Suppression Team. Die gelbe 5/7 hat einen Satz Kartentext: „Rival Units can’t attack the turn they’re played.“ Die Caster erklärten, das Team liege dort, „to deny the Atom Smasher from utilizing the go solo ability“. Wäre Smasher gekommen, hätte er erst mal einen Zug lang zuschauen müssen. Laut Regelwerk gibt es da auch kein Schlupfloch: Das Angriffsverbot geht sogar Effekten vor, die einer Unit das sofortige Angreifen erlauben.
Ein Zug klingt nach wenig. In einem Spiel, das nach Designer David McDarby „basically seven turns“ dauert, ist er ein Siebtel der Partie. In Runde vier und im Halbfinale hatten die Caster die Karte als „one of the best hard counters to that sort of game plan“ gelobt, weil sie „stops any go solo legends from attacking when it becomes a unit“. Der ganze Witz an Go-Solo-Legends ist, dass sie sofort zuschlagen. Genau den nimmt die Suppression ihnen.
In diesem Spiel kam Smasher allerdings gar nicht aufs Feld. Jordans Suppression Team griff stattdessen selbst an, und zwar Lobsters eigenes Suppression Team. Auch sonst lief für Lobster wenig zusammen. „That face plate didn’t draw Lobster a card once“, stellten die Caster fest. Die Zetatech Faceplate lag an Lobsters Smasher-Legend und blieb wirkungslos. Jordan brachte noch Sandayu Oda: Hanako’s Guardian ins Spiel, Lobsters Board war leer, und das erste Spiel ging an Jordan.
Spiel 2: Neun Gigs
Im zweiten Spiel zeigte Lobster, warum Adam Smasher an diesem Tag die gefürchtetste Karte war. Smasher kam ins Spiel, Gorilla Arms dran, und dann ging es schnell. Die Caster: „taking three dice in one smack“. Drei Gig-Würfel in einem Schlag, danach lag Lobster bei neun Gigs.
Jordan hielt dagegen, so gut es ging. Jordans 6th Street Recruits holten mit Gorilla Arms drei Gigs zurück („Oh, recruits. It’s a recruits.“). Lobster konterte mit Chrome Reverie auf Jordans MaxTac AV, dazu stand Lizzy Wizzy: Delicate Weapon auf dem Feld. Das entschied das Spiel. Spiel zwei ging an Lobster, 1:1.
Hier sieht man, was Smasher von einem gewöhnlichen großen Brocken unterscheidet. Eine 9/9 mit einer starken Gear stiehlt so viele Gigs, dass ein normales Rennen um sieben Gigs nach einem einzigen ungestörten Angriff fast vorbei ist. Wer keine Antwort hat, kann nur hoffen, dass der Smasher nie zum Zug kommt.
Spiel 3: Zuerst
Damit sind wir wieder am Anfang. Jordan hatte im dritten Spiel die Wahl, und „Jordan is actually choosing to go first here“, hieß es im Kommentar. Viele Spieler hatten an diesem Tag lieber als zweiter begonnen, um später in der Overtime im Vorteil zu sein. Jordan nicht. Schon im zweiten Viertelfinalspiel und im ersten Finalspiel war Jordan zuerst dran gewesen. Dann ein Mulligan, und mit der neuen Hand ging es los.
Der Plan ging auf. Der Wakako-Call mit minus zwei machte aus der Sechs der Psycho Squad eine Vier, Jordans 6th Street Recruits griffen an und räumten sie ab. Die Psycho Squad, eine blaue 4/6, hatten die Caster schon in Spiel zwei als „vanilla card, but very very good“ beschrieben. Danach spielte Jordan Memory Relapse, und der Heywood Ripperdoc, eine gelbe 6/8, konnte nicht mehr angreifen. Placide: Voodoo Sentinel blieb bei Lobster auf der Hand.
Jordan gewann Spiel drei und damit das Finale mit 2:1. Über den ganzen Tag gerechnet hatte Jordan sieben Matches gespielt und alle sieben gewonnen. Die Caster nannten das „technically 7-0“, und das „technically“ hat seinen Grund: Je ein Spiel ging im Viertelfinale, im Halbfinale und im Finale verloren.
Hinterher gab sich Jordan bescheiden. „I know the card pool quite well“, hieß es im Interview, und dann: „I’m not normally good at limited, so I was glad I got it got a good pull.“ Im Caster-Team kannte man Jordan schon: Auf der GenCon hatte Jordan zwei aus dem Team geschlagen.
Die Decks der Spitze
Decklisten hat WeirdCo vom Creator Invitational nicht veröffentlicht. Die Porträts beruhen auf dem, was im Stream zu sehen und zu hören war: Kartenfarben auf dem Tisch, aufgedeckte Legends, Interviews und Kommentar.
Jordan (XOTCG): Kurve, Antworten, drei Fixer
Jordans Deck war im Kern das, was die Caster „in most people’s opinion a very solid sealed deck“ nannten, und sie schoben die Begründung gleich hinterher: „You play the big vanilla units.“ Der Plan bestand darin, „curve out“ zu spielen, also in jedem Zug die Eddies voll auszunutzen und eine Unit nach der anderen auf den Tisch zu bringen, die für ihre Kosten mehr Power mitbringt als üblich. Animals Wrecker, 6th Street Recruits, Rockn‘ Rockerboy, MaxTac Suppression Team. Meist wenig Text, vor allem Brocken, die dastehen und angreifen.
Eine Karte, die Jordan ausdrücklich lobte, fällt aus diesem Bild. Riding Nomad ist laut Kartendatenbank eine grüne 5/4 mit Adrenaline, liegt also bei der Power deutlich unter der Kurve. Ihr Wert ist das Tempo, denn mit Adrenaline greift sie sofort an. Nach dem Viertelfinale sagte Jordan über die Karte: „Really underrated. I recommend giving it a go.“
Bei den Legends ging Jordan einen Weg, den sonst niemand im Halbfinale ging. Im Kommentar hieß es im Finale: „he is not playing any Merc Legends“. Die drei Legends waren Wakako, Dexter DeShawn und El Capitán, das Finale belegt alle drei. Laut Kartendatenbank ist Wakako blau, Dexter rot und El Capitán gelb.
Das Hauptdeck spielte Jordan, nach den Kartenfarben auf dem Tisch, in Rot, Gelb und Grün. Die Caster schwankten zwischen „yellow, green, red or yellow green blue“. Spannend ist das trotzdem, denn man sieht daran, wie unabhängig Legends vom Deck sind. Ein blauer Legend in einem Deck ohne Blau ist im Sealed völlig legitim, und Wakako hat im Finale geliefert.
Dazu kam die Antwortdichte. Im Transkript tauchen bei Jordan Safety Override, Detonate, Memory Relapse und Live with the Aftermath auf, dazu Carnage at the Colosseum, auch wenn Jordan sie im entscheidenden Viertelfinalzug verkaufte. Lobster zeigte mit Bonnie and Clyde, Chrome Reverie, Placide und Safety Override ebenfalls einiges, im Stream kamen Jordans billige Antworten aber am häufigsten zum Einsatz. Für den Sieg war das wohl wichtiger als die Wahl der Legends. Gegen ein Feld voller Go-Solo-Pläne ist ein Deck mit vielen billigen Antworten plus MaxTac Suppression Team einfach gut aufgestellt.
Bleiben die Fixer. Was er mit diesen Karten vorhatte, erklärte Designer David McDarby so: „I wanted them to communicate. They helped you with gigs.“ Ein Fixer greift in den Kampf ein oder verschiebt Gig-Würfel, und das für einen Eddie, ohne dass dafür eine Karte im Deck fehlt. Gewinnt ein Deck sowieso über Board-Stärke, kippen solche Kleinigkeiten die knappen Kämpfe. Im Viertelfinale war es Dexter, der aus Jordans Unit eine Neun machte, im Finale Wakako, die der Psycho Squad zwei Power nahm.
„I wanted them to communicate. They helped you with gigs.“
Fresh Lobster: Erst breit, dann Smasher
Lobsters Deck lief auf Rot, Gelb und Blau, „We know he’s playing red, yellow, blue“, stellten die Caster im Finale fest. Die Legends waren Wakako, Padre und Adam Smasher. Beide Finalisten hatten also Wakako.
Laut Kommentar lief der Plan in zwei Stufen. Erst mit mehreren Units breit aufs Feld und den Gegner unter Druck setzen, danach die großen Karten: Placide: Voodoo Sentinel und Adam Smasher. Das Deck wollte zuerst spielen, Tempo war sein Treibstoff. Die Wunschhand beschrieb Lobster so: „Zeta Tech face plate… curve, ramp, sellables“. Übersetzt: Draw-Engine, Kurve, etwas, das schneller an die teuren Karten heranführt, und genug Material zum Verkaufen.
Lobster spielte auch anders als viele andere: Programme blieben gern als Notreserve auf der Hand. „I want that fail safe of keeping the last pitchable program in hand“, so Lobsters eigene Worte. Im Finale hat das nicht gereicht, Placide kam im dritten Spiel nicht mehr auf den Tisch.
Spessie: Zwölf Units und zwei Wrecker
Nach allem, was erzählt wurde, war Spessies Deck am klarsten durchgerechnet. „I’ve gone for a 12 unit to 18 sellable“, sagte Spessie beim Deckbau. Ein Caster rechnete es später nach: „So that gives you 18 non-unit cards which are all sellable.“ Zwölf Units bei 30 Karten liegen am unteren Rand dessen, was die Caster empfahlen, und Spessie bekam das in Runde drei zu spüren, als nach dem Mulligan keine einzige Unit auf der Hand lag.
Dafür steckten in diesen zwölf Units einige der besten Karten des Formats. Spessie spielte zwei Kopien Animals Wrecker, also zweimal die Karte, die beim Deckbau am Spielertisch als „the best card right now“ galt. Dazu Hanako Arasaka: In a Gilded Cage als Draw-Engine.
Bei den Legends wird’s unübersichtlich. Beim Deckbau sagte Spessie „I got Roy who is a go solo“, gemeint ist Royce. In den Matches tauchten dann Goro Takemura: Vengeful Bodyguard, El Capitán und Adam Smasher auf. Goro ist in dieser Version kein Go Solo, sondern ein Legend mit Quick-Effekt, der Units zu Blockern machen kann. Im Interview brachte der Fragesteller Smasher und die Spielreihenfolge zusammen: „especially going second really helps you clinch up that victory on the draw.“ Spessie wählte tatsächlich meist den zweiten Zug, und mit Smasher in der Hinterhand ergab das Sinn.
Zum ersten Mal Cyberpunk-Sealed (nach eigener Aussage) und dann gleich Halbfinale: starkes Ergebnis. Gestoppt hat Spessie erst Lobsters Tempo-Deck, das den ersten Zug wollte und ihn auch bekam.
Ibo: Zwei Go Solos und der Ripper
Ibo spielte mit Royce, Adam Smasher und El Capitán als Legends. Damit hatten mit Ibo, Spessie und Lobster drei der vier Halbfinal-Decks Smasher dabei. Der Motor des Decks war Sketchy Ripper, eine gelbe 2/0, die laut Kartendatenbank die obersten drei Karten nach Gear durchsucht. Schon beim Deckbau am Feature-Tisch von Spessie und Silvin bekam die Karte Lob, ein Spieler sagte: „I never had a case where he missed.“ Im Turnier kamen Ibo nach eigener Aussage drei Karten über den Ripper zusammen, über mehrere Angriffe, denn pro Angriff holt er höchstens eine Gear, als Schlüssel nannte Ibo die Kombination mit Valentino Street Racer. El Sombrerón gehörte ebenfalls zu den Units.
Royce plus Smasher, das sind zwei Go-Solo-Legends in einem Deck. Ein Spieler merkte beim Deckbau zu diesem Typ Legend an, dass er wie „basically de-ramping“ wirken kann, weil man Eddies in den Legend steckt statt in Karten aus der Hand. Die Caster empfahlen trotzdem: „Your deck generally wants at least one in a pre-release environment.“ Ibo hatte zwei, und es reichte bis ins Halbfinale.
Der Rest der Top 8 und zwei Feature-Matches
Maxildan spielte nach den gezeigten Karten mindestens Grün, Gelb und Blau, mit Royce, River Ward und El Capitán als Legends. Die stärksten Karten im Stream waren Maelstrom Zealots, Mandibular Upgrade und NetWatch Netdriver. Mit dem Netdriver gewann Maxildan im Viertelfinale das erste Spiel gegen Jordan. Dass Jordan ihn in Spiel zwei sofort sprengte, sagt eigentlich alles darüber, wie gefährlich die Karte ist. Raus war Maxildan, als im dritten Spiel das Verkaufsmaterial ausging.
Ash Lizzle spielte die reinste Fixer-Variante des Tages: Dum Dum: Maelstrom Triggerman, El Capitán und Wakako, drei Fixer ohne Go Solo, genau wie Jordan. Ash schlug Sunny in der Vorrunde mit 2:0 und verlor erst im Viertelfinale knapp mit 1:2 gegen Lobster.
Sunny spielte Padre, Dexter DeShawn und Jackie Welles: Mama’s Favorite, also zwei Fixer und einen Go-Solo-Legend. Im Viertelfinale war gegen Ibo Schluss.
Scott Mines hatte mit Judy Álvarez: Braindance Maestro und Dum Dum als Legends, Towerfall, Placide und Zetatech Faceplate ein Deck, das Spessie in Runde drei über drei Spiele zwang. Lionheart hatte Sandayu Oda: Hanako’s Guardian und Saul Bright: Stormrider unter den Units und Padre und El Capitán unter den Legends.
| Name | Legends (laut Stream) | Auffällige Karten | Unsicherheit |
|---|---|---|---|
| Jordan | Wakako, Dexter DeShawn, El Capitán | Riding Nomad, MaxTac Suppression Team, Animals Wrecker, Safety Override, Detonate | Deckfarben nur aus dem Bild |
| Fresh Lobster | Wakako, Padre, Adam Smasher | Placide: Voodoo Sentinel, Zetatech Faceplate, Chrome Reverie, Gorilla Arms | keine |
| Spessie | Goro Takemura: Vengeful Bodyguard, El Capitán, Adam Smasher | 2x Animals Wrecker, Hanako Arasaka: In a Gilded Cage | keine |
| Ibo | Royce, Adam Smasher, El Capitán | Sketchy Ripper, El Sombrerón, Valentino Street Racer | Deckfarben |
| Maxildan | Royce, River Ward, El Capitán | NetWatch Netdriver, Maelstrom Zealots, Mandibular Upgrade, Wild in the Streets | Deckfarben |
| Ash Lizzle | Dum Dum: Maelstrom Triggerman, El Capitán, Wakako | Sandayu Oda, Zetatech Faceplate, Meredith Stout, Mandibular Upgrade | keine |
Was das fürs Pre-release heißt
16 Leute machen noch kein Meta. Jede Person am Tisch hatte genau einen Pool, Decklisten gibt es keine. Und welche zehn Legends im Pool der Retail-Kits liegen, ist nur zu einem kleinen Teil bekannt. Ob Adam Smasher dazugehört, ob Royce, Goro oder Padre dabei sind, hat der Stream nicht gesagt. Alles, was hier über Legends steht, gilt für dieses Event, nicht zwingend für das Kit, das ihr am Wochenende öffnet. Ein paar Muster tauchen aber in so vielen Partien und Caster-Aussagen wieder auf, dass ihr sie beim Deckbau im Hinterkopf haben solltet.
Packt eine Antwort auf Smasher ein
Adam Smasher: Ender of Legends ist laut Kartendatenbank rot, Epic und als Unit eine 9/9. Die Caster beschrieben die Karte als „some of the best what we would call unconditional removal“, und sie kostet 9 Eddies, um als Unit ins Spiel zu kommen. Ihr Rat für Smasher-Decks war, den Legend früh aufzudecken: „Flipping it up early just ensures that as soon as we have the required resources to go solo“. Wer gegen ein Smasher-Deck sitzt, muss also davon ausgehen, dass der Brocken genau in dem Zug kommt, in dem der Gegner 9 Eddies zusammen hat.
Drei von vier Halbfinalisten hatten ihn, und er hat Spiele entschieden: in Runde eins bei Ibo, im zweiten Finalspiel mit neun Gigs, und im Halbfinale kam er bei Lobster in beiden Spielen aufs Feld. Kein anderes Muster zog sich so deutlich durch den Stream.
Die beste Antwort darauf liegt mit etwas Glück in euren Boostern. MaxTac Suppression Team ist ein Common, und viele Pools werden es haben. Die gelbe 5/7 legt einen Go-Solo-Legend einen Zug lang an die Kette. Jordan hatte sie im Finale genau dafür auf dem Tisch. Wenn ihr sie im Pool habt, gehört sie ins Deck. Umgekehrt gilt: Spielt ihr selbst Go Solo, rechnet damit, dass der Gegner eine Suppression hat, und plant einen Weg, sie loszuwerden. Jordan hat im Viertelfinale vorgemacht, wie das aussieht.
Fixer sind eine echte Option
Aus Jordans Sieg kann man leicht das Falsche lernen. Ein Deck ohne Go Solo gewinnt, und schon liegt der Schluss nahe, Fixer seien die bessere Wahl. So einfach ist es nicht. Im Halbfinale standen ein Deck ohne Go Solo und drei mit, und der Sieg ist ein einzelner Datenpunkt. Beim Deckbau warnte zwar ein Spieler, Go-Solo-Legends wirkten wie „basically de-ramping“, die Caster rieten aber trotzdem: „Your deck generally wants at least one in a pre-release environment.“
Die eigentliche Lehre ist kleiner, aber brauchbar. Wer im Kit drei Fixer zieht, hat kein schlechtes Los gezogen, Jordan und Ash Lizzle kamen damit beide in die Top 8. Fixer kosten einen Eddie, belegen keinen Platz im Deck und greifen genau dann ein, wenn ein Kampf knapp wird und einer Unit genau zwei Power fehlen oder fehlen sollen. In einem Deck mit solider Kurve und vielen Antworten sind sie die kleinen Hebel, die einen Vorsprung festhalten. Wer dagegen einen Go-Solo-Legend hat, spielt ihn, wie die Caster empfehlen, und rechnet mit einer Suppression auf der anderen Seite.
Baut eine Kurve aus großen Units
Von den Castern kam eine Faustregel, die ihr euch auf einen Zettel schreiben könnt: „at four cost is six power… At five… eights… at six, the gold standard is your animals wrecker with 10 power.“ Für vier Eddies sucht ihr also Units mit 6 Power, für fünf Eddies Units mit 8, für sechs Eddies den Animals Wrecker mit 10.
Die 10 hat ihren Grund: Ab 10 Power stiehlt eine Unit zwei Gigs statt einem. Animals Wrecker erreicht diesen Wert ohne jede Ausrüstung, als 6-Drop und als Common. Die Caster nannten ihn „one of the highest performing sealed deck cards that we’ve seen so far“. Designer David McDarby sagte übers Spieltempo, eine Partie dauere „basically seven turns“. Bei sieben Zügen zählt jeder einzelne, und ein Loch in der Kurve tut viel mehr weh als eine fehlende Bombe.
| Kosten | Richtwert Power | Beispiele aus dem Stream (laut Kartendatenbank) |
|---|---|---|
| 4 | 6 | 6th Street Recruits (rot, 4/6), Psycho Squad (blau, 4/6) |
| 5 | 8 | Rockn‘ Rockerboy (gelb, 5/8), MaxTac AV (grün, 5/8) |
| 6 | 10 | Animals Wrecker (rot, 6/10) |
Die Caster betonten: „strong vanilla units can can shine in general, but certainly in a limited environment like pre-release“. Designer McDarby ergänzte, im Sealed zählten Gigs vermutlich etwas weniger und mehr „that number in the bottom right corner“, also die Power. Wenn ihr beim Sortieren des Pools hängt, zählt zuerst Power pro Eddie. Eine Unit wie Riding Nomad, die unter dieser Kurve liegt, braucht dann einen guten Grund, bei Jordan war es das Tempo durch Adrenaline.
Nehmt billige Antworten mit
Einer der Caster-Sätze trifft den Tag ziemlich genau: „All of the biggest swingiest turns that have happened in this whole tournament… safety override has been a common element“. Safety Override ist ein gelbes Programm für 2 Eddies mit Quick. Daneben tauchten Detonate gegen Gear, Memory Relapse, Live with the Aftermath, Wild in the Streets und Towerfall. Live with the Aftermath, bei der jeder Spieler eine eigene Unit besiegen muss, nannten die Caster im Viertelfinale „just a fantastic one“. Bomben gab es auch. Gekippt sind die Partien aber, wenn im richtigen Moment eine billige Antwort kam.
Dahinter steckt ein Regeldetail. Quick-Effekte lassen sich in der eigenen Main Phase nutzen, das zusätzliche Reaktionsfenster gibt es aber nur, „when you are being attacked by your rival“, wie die Caster erklärten. Wer verteidigt, kann also mitten im Angriff mit einem Trick antworten, wer angreift, muss das einkalkulieren. Am Tisch wurde deshalb ständig auf die offenen Eddies des Gegners geschaut, „respecting your opponent’s open eddies“, wie die Caster es nannten. Hinter einem offenen Eddie kann ein Trick stecken oder bloß ein Bluff. Gerade deshalb sind ein, zwei billige Programme auf der Hand so viel wert.
Beim Deckbau gilt deshalb: Programme und Gear für 1 bis 2 Eddies, die einen Kampf drehen oder eine Unit beseitigen, sind im Sealed Gold. Auch ein Fixer-Call gehört in diese Rechnung, denn er kostet nur einen Eddie. Jordans Deck war voll davon, und es hat gewonnen.
Zwölf bis 15 Units, und das letzte Programm bleibt in der Hand
Über die richtige Zahl an Units wurde im Stream viel geredet. Spessie spielte 12, und ein Caster sagte dazu: „I would be pretty close as well.“ Beim Deckbau nannten Spieler am Tisch „12 or 13 units“, und einer stellte klar: „You really can’t play 30 units“. Im Constructed spielt man nach Caster-Aussage 16 bis 17 Units, im Sealed eher „closer to that 15 cuz you can’t win a game without playing units“. WeirdCos eigener Sealed Primer empfiehlt 14 Units zu 16 Sellables. Die Spanne liegt also zwischen 12 und 15 Units bei 30 Karten.
Dass es eher wenige sind, liegt am Verkaufen: Gear und Programme werden notfalls zu Geld. Eine Karte, die man nicht ausspielen kann, wird zu Eddies. „I want to play virtually every single bit of gear“, sagte ein Spieler beim Deckbau, und das Verkaufen nannten die Caster „one of the most skill expressing decision points in this game“. Im Turnier gab es beide Extreme zu sehen. Spessie verlor in Runde drei ein Spiel mit nur Sellables auf der Hand. Maxildan verlor das Viertelfinale, weil am Ende genau ein Sellable fehlte. Wer zwischen diesen Polen landen will, hält es wie Lobster und behält das letzte verkaufbare Programm als Reserve in der Hand. Jordan hat im Viertelfinale die andere Seite gezeigt: Carnage at the Colosseum wanderte nicht aufs Feld, sondern wurde zu den Eddies, mit denen Jordan im gegnerischen Zug reagieren konnte.
Am schwersten fällt beim Deckbau oft die Farbe, die rausmuss. Von den vier Farben dürfen drei ins Deck, unabhängig von den Legends. Legt also zuerst eure Legends beiseite, sortiert den Pool nach Farben und schaut, in welcher Farbe die Kurve am dünnsten ist. Die fliegt raus. Die Legends passen sich danach an, nicht umgekehrt.
Erster oder zweiter: Das Deck entscheidet
Laut Kommentar gilt: „Going first gives you a strong advantage early in the game.“ Und umgekehrt: „Going second with the way that overtime works… is a significant advantage late on“. Viele Spieler wählten an diesem Tag den zweiten Platz, wegen „more of that kind of even curve with the four eddies“. Wer dagegen Tempo-Units hat und aggressiv spielt, „you want to go first“.
Spessie und Jordan stehen für die beiden Seiten. Spessie wählte im Halbfinale in beiden Spielen bewusst den zweiten Zug, gegen ein Deck, das zuerst spielen wollte, und verlor 0:2. Jordan ging im Viertelfinale und im Finale mehrfach zuerst und gewann. Belastbar ist das bei so wenigen Spielen nicht, als Denkanstoß taugt es trotzdem: Schaut auf eure Kurve, bevor ihr wählt, und nicht auf die Gewohnheit der anderen.
Steht die Niederlage kurz bevor, hatten die Caster noch einen praktischen Tipp. Billige Blocker sind dann „extremely valuable at this point“. Genannt wurden an dieser Stelle Corpo Security, eine grüne 2/2, und Secondhand Bombus, eine gelbe 2/0 mit Blocker.
Spielt eure Draw-Engines
Wenn beide Seiten viele billige Antworten haben, gewinnt am Ende, wer mehr Karten sieht. Hanako Arasaka: In a Gilded Cage hat Spessie ein Spiel gerettet, Sketchy Ripper hat Ibo drei Karten gebracht, die Zetatech Faceplate galt bei Scott Mines als „a really solid draw engine“, und NetWatch Netdriver hat Maxildan ein Viertelfinalspiel gewonnen. Am Tisch nahm man das ernst, Jordan sprengte den Netdriver im nächsten Spiel sofort.
Draw-Engines sind keine Garantie. Im ersten Finalspiel zog Lobsters Faceplate keine einzige Karte. In fast allen Decks der Spitze steckten sie trotzdem.
Rechnet mit Gorilla Arms
Eine Karte steckt in jedem Kit. „every one of these pre-release kits has a promo gorilla arms in it“, erklärten die Caster, und nannten das Event „the tournament of Guerilla Arms“. Silvin holte damit in Runde eins drei Gigs in einem Zug, Lobster schlug im Finale mit Smasher und Gorilla Arms drei Würfel auf einmal ab. Die Empfehlung im Stream war eindeutig: „this card should be auto include“.
Gorilla Arms gehört also in euer Deck, und jeder Gegner hat sie auch. Eine Unit, die auf dem Papier keine Gefahr darstellt, kann mit dieser Gear plötzlich mehrere Gigs stehlen. Kartentext und Rulings zu Gorilla Arms stehen in unserem Artikel zu den fünf Blog-Karten.
Wie es weitergeht
Die Pre-release-Events starten am 30. Oktober, geplant sind rund 3.000 Events. Eine Woche danach erscheint das Spiel regulär im Handel. In der Woche nach dem weltweiten Launch folgen die Night City Brawls und Showdowns, beim Showdown gibt es Adam Smasher: Metal Over Meat als Promo im Anime-Stil von Edgerunners und eine Sandevistan-Promo.
Die nächste große Turnierstufe sind die Regionals. Chicago macht vom 11. bis 13. Dezember 2026 den Anfang, mit 1.984 Tickets für das Main Event, die zweite Verkaufswelle startet am 4. November um 19 Uhr Ostküstenzeit. Vor dem letzten Finalspiel hieß es von den Castern: „I know Jordan is extremely excited to compete in Chicago“. Warschau folgt am 30. und 31. Januar 2027 mit 1.536 Tickets. Nach einer ersten Welle für Backer öffnet am 11. November um 18:00 Uhr MEZ die Welle 1.
Für das Frühjahr 2027 ist das zweite Set angekündigt, Edgerunners: Burn Bright, mit einer neuen Seltenheitsstufe. Dazu kommt eine chinesische Ausgabe des Spiels. Und Hanako Arasaka: In a Gilded Cage, die Karte, die Spessie in Runde drei ein Spiel gerettet hat, hatte als Retail-Iconic-Variante am Turniertag im Stream ihre Weltpremiere. Die Caster rechneten damit, dass sie „going to be a chase“ wird.
Wer den Pool vom Pre-release samt Legends und Promo sicher transportieren will, braucht dafür etwas Platz. Eine Deckbox für 100 Karten fasst Deck und Reste.
Das erste Pre-release-Wochenende des Cyberpunk TCG beginnt am 30. Oktober 2026, gespielt wird mit denselben Kits wie beim Creator Invitational in Warschau.
Quellen
- Creator Invitational, Livestream-Aufzeichnung: YouTube
- WeirdCo-Blog, Creator Invitational Recap: cyberpunktcg.com/blog/ci-recap
- WeirdCo-Blog, Sealed Primer: cyberpunktcg.com/blog/sealed-primer
- WeirdCo-Blog, Event-Ankündigungen: cyberpunktcg.com/blog/eo-announcements
- ICv2, Cyberpunk TCG Retail Edition Incoming: icv2.com
- Comprehensive Rules: api.netdeck.gg
- Kartendatenbank: api.netdeck.gg/api/cards/cyberpunk
- cyberpunk-tcg-news.de: Die fünf Blog-Karten zum Creator Invitational
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