Seit dieser Woche ist ein Werkzeug draußen, auf das ein Haufen Leute seit Monaten gewartet hat: der Cyberpunk TCG Store Locator. Ihr tippt auf cyberpunktcg.com/stores eure Gegend ein und seht, welcher Laden in der Nähe demnächst Cyberpunk TCG führt und offizielle Organized-Play-Events fährt. Über 3.000 Locations weltweit sind laut WeirdCo schon als OP-Stores angemeldet. Klingt nach viel. Und für einen Titel, der bis vor Kurzem nur als Kickstarter-Nummer existierte, ist es das auch.
Bloß: Was heißt hier „live“? Da sitzt der Haken, den Update #54 auflöst, und den solltet ihr kennen, bevor ihr mit dem Locator losstürmt. Online ist das Verzeichnis, nicht das Produkt. Ihr findet mit dem Tool die Läden, in denen ihr das Spiel „later this year“ kaufen und spielen könnt. Das Wörtchen „later“ ist die eigentliche Nachricht, und inzwischen hat es ein Datum: Der volle Retail-Release des Sets Welcome to Night City läuft am 6. November 2026 an. Bis dahin bleiben die Regale leer, egal wie viele Nadeln auf der Karte stecken.
Falls ihr euch fragt, warum überhaupt so ein Bohei um ein Kartenspiel: Cyberpunk TCG kommt von WeirdCo in Zusammenarbeit mit CD PROJEKT RED, und die Kickstarter-Kampagne dazu hat 28,35 Millionen US-Dollar von 50.773 Backern eingesammelt. Damit ist sie der teuerste Tabletop-Kickstarter der Geschichte und obendrein das drittmeistfinanzierte Kickstarter-Projekt überhaupt, quer über alle Kategorien. Ein Spiel, das mit so viel Geld und einer der größten Gaming-Lizenzen der Welt im Rücken startet, hat naturgemäß eine ordentliche Fallhöhe. Und Update #54 ist der Moment, in dem aus der Rekordzahl ein Ladenprodukt mit Terminplan wird: Store-Verzeichnis, gestaffelter Turnierbetrieb, europäisches Vertriebsnetz, harte Backer-Deadline und der erste konkrete Fahrplan bis in den Handel.
Der Reihe nach — und zwar bei dem, was neu ist: der Turnier-Fahrplan, das europäische Vertriebsnetz und die Backerkit-Deadline. Die Karten-Reveals der Woche (Hanako Arasaka voran) liefen schon im Deep-Dive zum Cyberdeck-Podcast Ep. 17; die fasse ich hier nur kurz an.
Organized Play kommt in vier Stufen — und das mit System
Kurz noch zur 3.000er-Zahl, denn die will mit Augenmaß gelesen werden. Ein Store Locator, der vor dem eigentlichen Verkaufsstart online geht, ist im TCG-Geschäft völlig normal. Pokémon, Lorcana und One Piece führen alle solche Verzeichnisse für ihren Organized Play, oft schon bevor ein neues Set im Regal steht. Als Startwert für ein Spiel, das noch keine einzige Packung verkauft hat, sind 3.000 registrierte Läden respektabel. Nur relativiert sich das gegen ein etabliertes Netz ziemlich schnell: Pokémon dürfte weltweit im fünfstelligen Bereich an teilnehmenden Stores liegen. Cyberpunk TCG startet also solide, aber nicht auf Augenhöhe mit den Platzhirschen. Und weil WeirdCo keine Aufschlüsselung nach Ländern veröffentlicht hat, weiß niemand, wie viele dieser 3.000 überhaupt in Europa liegen. Ein guter Anfang, kein Triumph.
Der interessanteste Teil am Store Locator ist ohnehin nicht die Zahl, sondern das, was WeirdCo im begleitenden Developer-Blog dazu geschrieben hat. (Nebenbei, damit niemand nach einer zweiten Ankündigung sucht, die es nicht gibt: Der im Update erwähnte „this week’s developer blog post“ und der Store-Locator-Blogpost sind dasselbe Ding, keine zwei getrennten Quellen.) Dort steht der komplette Fahrplan für den organisierten Spielbetrieb, und der ist für einen Erstlauf erstaunlich durchdacht. Vier Stufen, gestaffelt über drei Monate, von „einfach mal reinschnuppern“ bis „hier wird um Promos gekämpft“.
Beta Events: die Aufwärmrunde im September
Los geht es Mitte September 2026 mit den Beta Events (die Termine liegen rund um den 10. bis 17. September). Format: Sealed. Wer schon mal ein Prerelease bei Magic oder Pokémon mitgemacht hat, weiß, worum es geht — jeder macht frische Booster auf und baut aus dem, was drin ist, spontan ein Deck. Keiner bringt eine optimierte Constructed-Liste mit, alle starten bei null. Fairere und entspanntere Einstiegssituation gibt’s nicht: Man lernt die Karten kennen, ohne dass einem ein Netdeck-Veteran über den Tisch fährt.
Der Haken: Für die Beta Events braucht es laut Blogpost ein Beta Event Kit. Sie finden also nur dort statt, wo der Laden als OP-Location registriert ist und mitmacht. Orderberechtigt waren sowieso nur stationäre Stores, die sich rechtzeitig eingetragen haben. Bevor ihr Mitte September vor verschlossener Tür steht, werft vorher einen Blick in den Locator und fragt kurz beim Laden nach.
Das Pre-Release-Wochenende Ende Oktober
Am Wochenende des 30. Oktober 2026 folgt der Pre-Release zu Welcome to Night City. Wieder Sealed, diesmal aber mit echten Retail-Boostern, also dem Produkt, das kurz darauf im Handel steht. Der klassische Community-Termin kurz vor Verkaufsstart, den jedes große TCG so oder so ähnlich fährt. Ihr bekommt das fertige Set eine gute Woche vor allen anderen in die Finger, spielt es locker im Sealed-Format an und geht danach mit einem Gefühl dafür nach Hause, was ihr am 6. November tatsächlich kaufen wollt.
Für WeirdCo ist so ein Pre-Release-Wochenende Gold wert. Es erzeugt Bilder von vollen Ladentischen, bringt Leute physisch in die Stores und baut genau in der Woche vor Release Hype auf, wenn er am meisten zählt. Pokémon macht das seit Jahren mit den Build-&-Battle-Boxen und zieht damit auch Gelegenheitsspieler in die Läden. Dass Cyberpunk TCG diesen Schritt von Anfang an einbaut, statt ihn irgendwann später nachzurüsten, spricht dafür, dass hier Leute am Werk sind, die schon mal einen TCG-Launch aus der Nähe gesehen haben.
Night City Brawls: ab hier wird es ernst
Ab dem 6. November 2026, also ab dem Tag, an dem das Set regulär im Handel steht, starten die Night City Brawls. Wöchentliche Constructed-Events. Das ist der Umschaltpunkt: keine spontanen Sealed-Decks mehr, sondern selbst gebaute Listen, die man mitbringt und optimiert. Die erste echte kompetitive Stufe, die dauerhaft läuft. Wer bis dahin seine Starter Decks und Booster gesammelt und an seinem Netrunner- oder Corpo-Deck gefeilt hat, hat hier das erste offene Ziel.
Wöchentlich ist das entscheidende Wort. Ein wöchentlicher Termin ist das Rückgrat jeder lokalen TCG-Szene. Er gibt Leuten einen Grund, immer wieder in denselben Laden zu kommen, denselben Gegnern zu begegnen, ein Metagame entstehen zu lassen. Ohne diesen Dauerbetrieb bleibt ein Kartenspiel eine Sammlung schöner Pappe; erst mit ihm wird daraus ein Hobby, das man tatsächlich ausübt.
Wer aus der Magic- oder Pokémon-Welt kommt, kennt das Prinzip unter anderen Namen: Friday Night Magic, League Challenges, die wöchentlichen Locals. Niedrigste kompetitive Schwelle, die es überhaupt gibt: kein Reisen, kein Anmelde-Marathon, einfach hingehen und spielen. Und genau an dieser Einstiegsstufe entscheidet sich, ob eine Szene wächst oder eingeht. Ein Spiel kann die glänzendste Weltmeisterschaft der Welt ausrichten — sitzt dienstags im Laden niemand am Tisch, ist es trotzdem tot. Dass Cyberpunk TCG die Brawls direkt zum Release scharfstellt, statt sie als vage Zukunftsmusik anzukündigen, wiegt deshalb schwerer als jede große Turnierankündigung.
Der Unterschied zwischen den Sealed-Formaten davor und dem Constructed-Format hier ist übrigens keine Formalie. Das sind zwei verschiedene Hobbys unter einem Dach. Sealed belohnt, wer aus zufälligem Material das Beste macht: Kartenbewertung, Bauchgefühl, Flexibilität. Beim Constructed zählt, wer zu Hause tüftelt, Listen optimiert und mit einem Plan an den Tisch kommt. Die meisten Leute finden über Sealed rein, weil es billiger und verzeihender ist, und bleiben über Constructed hängen, weil das der Teil ist, in dem man richtig gut werden kann. Dass der Rollout beide Welten in genau dieser Reihenfolge anbietet, ist kein Zufall. Das ist die Landkarte, auf der aus einem Neugierigen ein Stammspieler wird.
Night City Showdowns: der Saison-Höhepunkt
Oben drauf sitzen die Night City Showdowns. Ein Turnier pro Store pro Set, der große Termin, auf den die wöchentlichen Brawls hinauslaufen. Wer bei den Showdowns gewinnt, holt sich exklusive Champion-Promos, also Karten, die es nur hier gibt und die man nicht kaufen kann. Das ist der Bindungsanreiz, der eine Szene über eine ganze Set-Saison zusammenhält: Man spielt die Brawls Woche für Woche nicht nur zum Spaß, sondern weil am Ende ein Turnier steht, bei dem es etwas zu holen gibt, das kein Geld der Welt im Regal kaufen kann.
Die Taktung „ein Turnier pro Store pro Set“ ist clever gewählt. Sie macht den Showdown zu einem seltenen Ereignis, ohne ihn unerreichbar zu machen: Es gibt ihn in jedem teilnehmenden Laden, aber eben nur einmal je Set. Verpasst man ihn, wartet man auf das nächste Set. Und genau diese Knappheit macht aus einem gewonnenen Promo ein Statussymbol, das man am Spieltisch herzeigt. Chase-Karten, die an eine sportliche Leistung geknüpft sind statt an einen glücklichen Boosterzug, haben in der TCG-Welt einen ganz eigenen Wert. Sie zeigen nicht, dass man Geld hatte, sondern dass man an einem bestimmten Wochenende der oder die Beste im Laden war. Ob WeirdCo die Promos knapp und begehrt hält oder sie im Lauf der Zeit verwässert, wird ein Gradmesser dafür sein, wie ernst es dem Studio mit dem kompetitiven Unterbau ist.
Von oben betrachtet ergibt sich eine saubere Kurve: Sealed zum Kennenlernen im September, Sealed als Community-Fest kurz vor Release Ende Oktober, wöchentliches Constructed als Dauerbetrieb ab November, obendrauf das Turnier mit Exklusiv-Promos als Höhepunkt. Das ist die Onboarding-Kurve, die Magic und Pokémon über Jahrzehnte verfeinert haben, nur eben von Tag eins an fertig durchdefiniert. Magic und Pokémon haben nach wie vor die mit Abstand tiefste kompetitive Infrastruktur der Branche; Lorcana baut sein Play-Hub-System bei Ravensburger gerade erst aus und hat eine kleinere Szene. Cyberpunk TCG geht mit einem kompletten Vierstufen-Modell an den Start. Ambitioniert, keine Frage. Ob Teilnahme und Ladenabdeckung das Gerüst am Ende füllen, muss der Betrieb ab September erst zeigen. Ein Plan auf dem Papier ist noch keine volle Turnierhalle.
Europa: wo das Zeug eigentlich herkommt
Jetzt zu der Frage, die auf dieser Seite am meisten zählt: Was hat ein Spieler in Berlin, Wien oder Zürich davon? Denn die 3.000-Läden-Zahl klingt gut, sagt aber niemandem in Europa, ob auch nur einer davon in seiner S-Bahn-Reichweite liegt. Der Locator ist ein JavaScript-Tool ohne Regionszähler. Wie viele dieser Stores in Europa oder speziell in Deutschland liegen, hat WeirdCo nicht veröffentlicht. Wer also mit der 3.000er-Zahl beweisen will, dass der Laden nebenan dabei ist, hat nichts in der Hand außer der Nadel im Locator selbst.
Die belastbare Nachricht für den DACH-Raum steckt woanders, nämlich in der offiziellen Retailer-Struktur. Cyberpunk TCG wird in Europa nicht wild importiert, sondern über ein festes Netz regionaler Exklusiv-Distributoren vertrieben, ein Vertrieb pro Land beziehungsweise Region. Und für Deutschland, Österreich und die Schweiz, plus Niederlande, Luxemburg, Belgien, Ungarn, Tschechien und die Slowakei, heißt dieser Distributor: Luminous Cards.
Luminous Cards ist die Luminous Cards GmbH mit Sitz in Gera, ein B2B-Großhändler, der die Produkte in den stationären Handel bringt, darunter die Starter Decks auch auf Deutsch. Dieses Detail ist wichtiger, als es klingt. Deutschsprachige Starter Decks bedeuten, dass hier lokalisiert wird und nicht bloß die US-Ware mit einem Aufkleber weitergereicht. Für ein Einsteigerprodukt, das gezielt neue Leute an den Tisch holen soll, ist eine deutsche Sprachversion ein echter Unterschied. Wer schon mal versucht hat, einem Neuling englischen Kartentext zu erklären, während drei andere ungeduldig warten, weiß das zu schätzen.
Für die Vollständigkeitsfans hier das restliche Europa-Netz, so wie es die offizielle Retailer-Seite listet:
- Luminous Cards — DE, AT, CH sowie NL, LU, BE, HU, CZ, SK
- Neoludis — Frankreich (inkl. der französischsprachigen Teile Belgiens, Luxemburgs und der Schweiz)
- Bliss Distribution — UK, Irland, Südafrika, Channel Islands, Gibraltar
- Manicomix — Italien, Türkei, Griechenland, Zypern, Malta
- TCG Factory — Spanien, Portugal
- Rebel — Polen
- Zvezdar — Balkan (Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien, Bulgarien, Rumänien)
- Spilbræt — Nordics und Baltics (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island, Lettland, Estland, Litauen)
Dieses Ein-Vertrieb-pro-Region-Modell ist der Standard, mit dem etablierte Sammelkartenspiele den europäischen Handel bedienen. Unspektakulär, und genau das ist das gute Zeichen: Cyberpunk TCG klinkt sich hier in die Struktur ein, die im Hobby seit Jahren funktioniert, ganz ohne Sonderweg. Für einen Laden bedeutet ein benannter Regional-Distributor Planbarkeit. Er weiß, bei wem er bestellt, wer nachliefert, wer bei Reklamationen zuständig ist. Für euch als Spieler heißt es, dass die Verfügbarkeit nicht am Zoll oder an Grauimporten hängt.
Dass ausgerechnet die Starter Decks auf Deutsch kommen, ist die vielleicht wichtigste Randnotiz für den DACH-Raum. Ein Starter Deck ist das Produkt, mit dem ein Spiel neue Leute fängt: das, was man dem Kumpel in die Hand drückt, der noch nie gewürfelt hat, und was auf dem Ladentisch neben der Kasse liegt, um Laufkundschaft zu ködern. Liegt dieses Einstiegsprodukt in der Muttersprache vor, sinkt die Hürde für genau die Zielgruppe, die man am dringendsten braucht: Gelegenheitsspieler, jüngere Einsteiger, Leute, die das Cyberpunk-Franchise aus dem Spiel oder der Serie kennen, aber noch nie ein TCG angefasst haben. Englischer Regeltext schreckt diese Gruppe messbar ab; eine deutsche Starterbox nimmt genau diese Reibung raus. Ob auch die Booster und die kompetitiven Produkte lokalisiert werden, sagt das Update nicht. Für den ersten Kontakt zählt aber vor allem der Starter, und der stimmt.
Wer bekommt überhaupt Ware — und wer nicht
Interessant wird es bei der Allokations-Logik, denn die erklärt, warum nicht jeder Laden zum Start dabei sein wird. Orderberechtigt waren vor dem 1. Mai 2026 nur stationäre Läden mit eigener Spielfläche. Kein reiner Online-Shop, keine Bude ohne Tische. Wer bis zum 1. Mai bestellt hat, bekam eine garantierte Allokation zugesichert; die finalen Mengen wurden bis zum 31. Mai kommuniziert. Dazu gibt es einen Restock von 20 Prozent, der an erfolgreiche OP-Events geknüpft ist: Läden, die tatsächlich Events fahren und ihre Community bewegen, kommen leichter an Nachschub.
Das ist eine bewusste Steuerung. WeirdCo bevorzugt Läden, die das Spiel spielbar machen, nicht nur verkaufen. Man kann drüber streiten, ob so ein Modell die kleinen Neueinsteiger benachteiligt, die zum 1. Mai noch gar nicht auf dem Schirm hatten, dass sie bestellen müssten. Aber die Grundidee, Ware dorthin zu lenken, wo gespielt wird, ist für die langfristige Gesundheit einer Szene vermutlich das Klügere. Ein Kartenspiel, das nur im Schrank liegt, verkauft sich genau einmal.
Die ehrliche Grenze: Preise gibt es noch keine
Und jetzt der Teil, den ich nicht schönrede: Konkrete Euro-Preise gibt es nicht. Nirgends. Was kursiert, sind US-Richtwerte von amerikanischen Händlern: eine Booster Box liegt dort im niedrigen dreistelligen Dollar-Bereich, ein einzelnes Starter Deck bei um die dreißig US-Dollar. Das sind US-Listungen, unumgerechnet. Ich schreibe hier absichtlich keinen Euro-Betrag hin, den ich mir aus einem Wechselkurs zusammenrechne, denn das wäre eine erfundene Zahl, und erfundene Preise sind genau das, was man einem Leser nicht antun sollte. Was Luminous Cards und die anderen EU-Distributoren am Ende an den Handel geben und was auf dem Preisschild im Laden steht, ist schlicht noch nicht öffentlich.
Realistisch heißt das: Zum 6. November werdet ihr in Deutschland Euro-Preise sehen, die von den US-Werten abweichen, mal ein bisschen nach oben durch Vertriebsmarge und Mehrwertsteuer, vielleicht mal überraschend nah dran. Sobald Luminous oder die ersten Händler konkrete Zahlen nennen, tragen wir sie hier nach. Bis dahin ist alles andere Kaffeesatz.
Wer die Wartezeit produktiv nutzen will: Egal, was das Set am Ende kostet, ein paar Grundausstattungs-Sachen braucht ohnehin jeder, der ernsthaft einsteigen will. Kartenhüllen in Standardgröße und eine anständige Deckbox zum Beispiel. Die frisch gekauften oder frisch gelieferten Starter Decks wollen geschützt sein, bevor sie durch die erste Brawl-Runde gehen. Sowas gibt es system-unabhängig, etwa als Standard-Sleeves und Deckboxen für TCGs, und altert nicht.
Backer, aufgepasst: die Backerkit-Tür ist zu
Für alle, die die Kampagne unterstützt haben, steckt in Update #54 die dringlichste praktische Nachricht überhaupt, und die will ich klar herausstellen, weil sie eine Frist mit sich bringt, an der man nichts mehr drehen kann. WeirdCo schreibt im Update, dass alle Backerkit-Surveys gesperrt sind: Offene Beträge werden „soon“ eingezogen, Adress- und Order-Änderungen gehen nicht mehr, Refunds gibt es keine mehr. Ab jetzt ist die Bestellung, wie sie ist, in Stein.
Diese Detailangaben zur Sperre stammen ausschließlich aus der Kickstarter-Update-Mail und sind extern nicht gegengeprüft. Sie stehen so im Update, ich gebe sie als das wieder, was sie sind: WeirdCos eigene Ansage an die Backer. Die Konsequenz daraus ist knallhart: Wer seine Survey vor der Sperre nicht abgeschlossen hatte, verliert den Express-Versand der ersten Welle. Im Original: „forfeit express wave one shipping.“ Die komplette Order rutscht dann in die zweite Fulfillment-Welle, vorausgesetzt, die Survey wird vor der Deadline für Welle zwei noch abgeschlossen. Wer bis heute überhaupt keine Survey erhalten oder abgeschlossen hat, soll sich laut Update über Kickstarter melden. (Die zugrundeliegende Zwei-Wellen-Struktur ist zusätzlich über die offizielle FAQ belegt; die konkrete Survey-Sperre und der Verlust des Express-Versands stehen so im Update selbst.)
Ein wichtiger Warnhinweis, damit hier niemand in eine Falle läuft: Das genaue Datum dieser Wave-Two-Deadline nennt das Update nicht. Es steht nur als Bedingung im Raum („solange die Survey vorher fertig ist“), aber ohne konkretes Kalenderdatum. Ich erfinde hier keins. Wer betroffen ist, sollte sich also nicht auf ein Datum verlassen, das irgendwo im Forum kursiert, sondern die Survey schlicht so schnell wie möglich abschließen und im Zweifel direkt bei WeirdCo nachhaken.
Wie das Fulfillment überhaupt aufgebaut ist
Damit die Wellen-Logik Sinn ergibt, hier der Rahmen, so wie ihn die FAQ und das Production-Update beschreiben. Das Fulfillment läuft in zwei Wellen. Welle eins fällt ins dritte Quartal 2026 und geht per Express-Versand raus; drin sind die Starter Decks, die Beta-Booster-Displays sowie die entsprechenden Add-ons (Add-on-Starter-Decks und Add-on-Beta-Booster-Displays). Welle zwei fällt ins vierte Quartal 2026 und läuft per Standard-Versand; drin sind die Accessoires ab dem Netrunner-Starter-Kit-Tier aufwärts, die Beta Box, die Add-on-Accessoires sowie die Lucy-Karten in Non-Foil und Foil.
Der Versand an die Backer beginnt ab September 2026. Und ein Punkt, der immer wieder für Verwirrung sorgt, aber entwarnend ist: Die Versandgebühr, die man beim Pledge bezahlt hat, deckt beide Wellen ab. Es kommt also keine zweite Rechnung, nur weil die eigene Bestellung auf Q3 und Q4 aufgeteilt wird. Man zahlt einmal, bekommt zweimal geliefert.
Fällt euch auf, dass sich hier einiges zeitlich überlappt? Backer-Versand ab September, Beta Events ab September, Retail ab November: Das läuft alles im selben Herbst zusammen. Ob das eine bewusst getaktete Choreografie ist, in der ein Baustein den nächsten auslöst, sagt keine der Quellen. Ich führe den Gleichlauf deshalb als das, was er ist: eine Beobachtung, kein nachgewiesener Masterplan. Aber es ist eine Beobachtung, die einem als Backer die Nervosität nimmt. Die Maschine läuft in allen drei Kanälen zur selben Zeit an.
Und die neue Karte? Hanako Arasaka, kurz

Update #54 legt zusätzlich einen Karten-Reveal obendrauf: Hanako Arasaka „Daughter of the Emperor“, eine Legend mit den Tags ARASAKA · CORPO · NETRUNNER und PWR 0. Ihr Kniff, wie ihn das Reveal-Bild zeigt: Sie tauscht einen eigenen Gig gegen einen gegnerischen und zieht zu Rundenbeginn eine Karte pro eigenem value-pair, also je zwei Würfeln mit gleichem Wert. Eine Engine-Karte, die über Kontrolle und Kartenvorteil gewinnt statt über Kampf, und die laut Lead Designer David McDarby mit wachsendem Kartenpool stärker werden soll.
Den kompletten Reveal — die Gigs-Würfelmechanik von Grund auf, den Deckbau rund um Sandayu Oda und Goro Takemura und die Abgrenzung zur älteren „In a Gilded Cage“-Hanako — haben wir schon im Deep-Dive zum Cyberdeck-Podcast Ep. 17 auseinandergenommen, wo dieselbe Karte diese Woche zum ersten Mal lief. Wer Hanako spielen will, findet dort die lange Version. Hier bleibt der Fokus auf dem, was Update #54 für den Handel und die Backer bedeutet.
Wo WeirdCo redet — und wo die Community
Zum Schluss noch kurz die Kanäle, über die das alles läuft, falls jemand tiefer graben will. Offiziell begleitet WeirdCo den Store-Locator-Launch über den Cyberdeck Podcast, dessen Episode 17 „Local Game Store Locator“ Mitte Juli 2026 auf YouTube Premiere hatte. Hosts sind Cree „Kawa“ Gunning von WeirdCo und Paweł, besser bekannt als Burza. Thema der Folge: der neue Store Locator plus die Card Reveals der Woche. Das ist der Kanal, über den die Studioseite ihre Updates einordnet. Wer die offizielle Perspektive aus erster Hand will, ist dort richtig.
Auf der Community-Seite gibt es echte, auffindbare Formate — etwa „Cardrunners: A Cyberpunk TCG Podcast“, der in Folge 06 unter dem Titel „How to ANALYZE Cyberpunk Cards“ genau das tut, was der Name verspricht, und für Leute, die tiefer in die Kartenbewertung einsteigen wollen, ein guter Startpunkt ist.
Das Update nennt darüber hinaus als Community-Spotlight zwei Namen: Speci und Fresh Lobster vom „Braindance Cyberpunk TCG Podcast“ mit einem Video „RATING CYBERPUNK CARDS!“. Ich lege hier bewusst eine Bremse ein: Dieser Podcast war extern nicht auffindbar. Er wird im Update genannt, existiert aber möglicherweise unter anderem Titel oder auf einem anderen Kanal. Ich führe ihn deshalb als „im Update erwähnt“, nicht als geprüfte Empfehlung. Wer neugierig ist, sucht am besten selbst und bildet sich ein eigenes Bild.
Was von Update #54 hängen bleibt
Nach 54 Updates ist der Punkt erreicht, an dem aus einem Kickstarter-Rekord ein Ladenprodukt wird. Der Store Locator ist online, das Vertriebsnetz steht, der Turnierbetrieb hat einen Vierstufen-Plan von September bis in den Winter, und die Backer wissen jetzt, dass ihre Bestellungen final sind und ab Herbst rausgehen. Für den 6. November 2026 gibt es ein Datum, an das man sich halten kann.
Was offen bleibt, verschweige ich nicht, denn diese Lücken sind real. Die Euro-Preise fehlen komplett. Bis Luminous Cards und die Händler Zahlen nennen, ist jede Preisangabe geraten. Wie viele der 3.000 registrierten Läden in Europa oder in Deutschland liegen, sagt niemand, weil der Locator keinen Regionszähler hat. Und ob diese Läden am 6. November wirklich mit Ware und laufenden Events gefüllt sind, muss der Betrieb ab September erst zeigen. Wer diese Dinge im Kopf behält, liest das Update richtig.
Für einen Titel, der als teuerstes Tabletop-Kickstarter der Geschichte gestartet ist, ging es nie ernsthaft darum, ob genug Geld zusammenkommt; das war offensichtlich. Die offene Frage war immer, ob daraus ein Spiel wird, das man im Laden um die Ecke kaufen und Woche für Woche spielen kann. Update #54 ist der erste Beweis, dass WeirdCo diese zweite, schwerere Frage ernst nimmt. Der Rest entscheidet sich ab September an echten Tischen.
Quellen
- Cyberpunk TCG Store Locator (cyberpunktcg.com/stores) — inkl. Developer-Blogpost mit OP-Rollout und Retail-Datum 6. November 2026
- Cyberpunk TCG Card Database (cyberpunktcg.com/cards) — Hanako Arasaka „Daughter of the Emperor“ und „In a Gilded Cage“
- Kickstarter-Update #54 (WeirdCo) — Store Locator, Backerkit-Sperre, Hanako-Reveal, Designer-Kommentar von David McDarby
- Cyberdeck Podcast Ep. 17 „Local Game Store Locator“ — Cree „Kawa“ Gunning & Paweł „Burza“
- Cardrunners: A Cyberpunk TCG Podcast, Ep. 06 „How to ANALYZE Cyberpunk Cards“
- Offizielle Retailer-/Distributoren-Seite — Regional-Vertriebsnetz (DACH: Luminous Cards GmbH, Gera)
Said Benadjemia – online als „Kenearos“. Cyberpunk-Fan seit dem ersten Trailer 2012, Night-City-Legend-Backer der Cyberpunk-TCG-Kickstarter-Kampagne 2026. Schreibt hier auf Deutsch alles rund ums Cyberpunk Trading Card Game von WeirdCo und CD Projekt Red – Kickstarter-News, Deep Dives zu Mechanik und Lore, Charakterguides, Strategieartikel.





