Die wichtigsten News kommen selten mit Fanfare. Manchmal landen sie einfach still auf einer Unterseite, die kaum jemand aufruft. Genau das ist gerade passiert: WeirdCo hat die Kickstarter-FAQ auf cyberpunktcg.com um einen kompletten Block zu Versand, Steuern und Zoll erweitert. Kein Blogpost, kein Newsletter, keine Ankündigung.
Und da drin steht der Satz, auf den viele von uns seit Monaten warten.
Der Zoll-Satz, der 50.000 Backer betrifft
Wörtlich fragt die FAQ: „Will EU backers pay customs?“ Die Antwort ist ein klares Nein. EU-Bestellungen werden lokal versendet, die Mehrwertsteuer wird vorab im Pledge Manager eingesammelt. Für UK gilt dasselbe Prinzip, dort wird ebenfalls lokal erfüllt, damit keine Zollgebühren anfallen. Kanada und der Rest der Welt kommen dagegen ausdrücklich schlechter weg: „Duties may apply depending on local regulations.“
Dahinter steckt eine Logistik-Entscheidung, die WeirdCo jetzt zum ersten Mal so deutlich benennt. Sie fahren regionale Hubs in den USA, der EU und UK plus weitere globale Partner. Übersetzt: Deine Karten kommen nicht per Luftfracht aus Kalifornien, sondern aus einem Lager innerhalb der Zollunion.
Bevor jetzt aber jemand die Eddies zusammenzählt, die er angeblich spart, halt kurz. Die Mehrwertsteuer sparst du nicht. Die zahlst du, nur eben transparent im Pledge Manager statt später an der Haustür. Bei deutschen 19 Prozent auf einen 300-Euro-Pledge sind das immer noch 57 Euro, egal welchen Weg das Paket nimmt.
Was du sparst, ist der ganze Rattenschwanz drumherum. Die Auslagepauschale, die DHL und UPS für die Zollabfertigung berechnen (je nach Zusteller ein einstelliger bis knapp zweistelliger Betrag pro Sendung). Die Fahrt zum Zollamt, wenn die Sendung nicht sauber deklariert war. Und vor allem die Wartezeit. Wer schon mal ein US-Kickstarter-Paket drei Wochen im Zolllager liegen hatte, während die halbe Community auf Discord längst Decks baut, weiß genau, wovon ich rede.
Ich find das ehrlich gesagt den am meisten unterschätzten Teil der ganzen Sache. Nicht das gesparte Geld. Die gesparten Nerven.
Die Ratenzahlungs-Falle
Dann steht da noch etwas, das deutlich weniger nach guter Nachricht klingt.
Wer „Pledge Over Time“ nutzt, seinen Beitrag also in Raten zahlt, kommt erst in den Pledge Manager, wenn alle Zahlungen durch sind. Das kann laut FAQ die Express-Sendung verzögern, und die Express-Sendung ist ausgerechnet die interessante: Starter Decks und Beta Booster Displays, also das Zeug, mit dem man tatsächlich spielt.
An der Stelle wird WeirdCo ungewöhnlich direkt. Bei den Accessoires gibt es limitierte Stückzahlen (die Sleeves werden namentlich genannt), und die Empfehlung lautet unmissverständlich: Finger weg von der Ratenzahlung, wenn du bei den Accessoires noch echte Auswahl haben willst. Wer später in den Pledge Manager kommt, greift bei manchen Designs womöglich ins Leere.
Das ist eine ziemlich unangenehme Wahl, die da jemandem aufgemacht wird. Cashflow schonen oder das Playmat kriegen, das man eigentlich wollte?
Sechs Displays, oder es wird kein Case
Der Sammler-Teil der Community dürfte sich an einer anderen Zeile aufhängen. Ab sechs Displays wird als versiegelter Case geliefert, alles darunter kommt lose. Klingt banal, ist es aber nicht: Ein versiegelter Case ist auf dem Sekundärmarkt schlicht mehr wert als sechs einzelne Displays im selben Karton.
Der Haken steckt im Kleingedruckten. Wer erst über Optional Buys auf die sechs Displays aufstockt, hat keine Garantie, da steht ausdrücklich „there is a chance they won’t be shipped in a sealed case“. Wer also gezielt auf einen Sealed Case spekuliert hat, indem er nachträglich Displays dazugebucht hat, sollte seine Erwartungen jetzt lieber nach unten korrigieren.
Ansonsten bestätigt die FAQ die bekannte Zwei-Wellen-Struktur noch einmal im Detail. Welle eins ab Q3 2026 per Express: Starter Decks und Beta Booster Displays. Welle zwei ab Q4 2026 per Standardversand: Accessoires, Beta Box, die Nova-Rare-Karten von Rebecca, Lucy und David sowie die Starter-Decks der günstigeren Pledge-Stufen. Versandkosten fallen dabei nur einmal an, auch wenn dein Pledge auf zwei Sendungen aufgeteilt wird. Tracking gibt es für alles. Postfächer nehmen sie nicht.
Was das für den Herbst bedeutet
Für uns in Deutschland fügt sich das ins Bild, das sich seit Wochen abzeichnet. Der Handel läuft über Luminous Cards aus Gera, der Retail-Start steht auf dem 6. November, und die ersten Shops listen Welcome to Night City schon für Mitte Oktober. Backer bekommen ihre Sendung also mit ordentlich Vorlauf vor dem Ladenregal. Vorausgesetzt, sie hängen nicht in der Ratenzahlung fest.
Die zeitliche Nähe zur Spiel in Essen (22. bis 25. Oktober, WeirdCo ist mit eigenem Stand da) ist vermutlich kein Zufall. Wenn Welle eins bis dahin bei den europäischen Backern angekommen ist, läuft man dort durch die Hallen und sieht die ersten Decks in freier Wildbahn statt nur Demo-Tische.
Bleibt die Frage, warum diese Antworten überhaupt nur in der FAQ stehen und nicht in einem Update. 50.773 Backer haben zusammen 28.353.088 Dollar reingesteckt, ein Teil davon hätte gern gewusst, dass die Ratenzahlung den Express-Versand ausbremsen kann, bevor er sie ausgewählt hat.
Ab Donnerstag ist WeirdCo auf der Gen Con in Indianapolis (30. Juli bis 2. August), und sie haben weitere Ankündigungen in Aussicht gestellt. Meine Theorie dazu: Da kommt eher Kartenmaterial als Logistik. Die unangenehmen Wahrheiten wandern offenbar in die FAQ.
Wie habt ihr gepledged, chooms, auf einen Schlag oder in Raten? Und wer von euch hat gezielt auf sechs Displays aufgestockt?
Quellen
Cyberpunk TCG — Kickstarter FAQ (WeirdCo)
The Official Cyberpunk Trading Card Game — Kickstarter
Cyberpunk TCG — Upcoming Convention and Event Appearances
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Said Benadjemia – online als „Kenearos“. Cyberpunk-Fan seit dem ersten Trailer 2012, Night-City-Legend-Backer der Cyberpunk-TCG-Kickstarter-Kampagne 2026. Schreibt hier auf Deutsch alles rund ums Cyberpunk Trading Card Game von WeirdCo und CD Projekt Red – Kickstarter-News, Deep Dives zu Mechanik und Lore, Charakterguides, Strategieartikel.





