Cyberpunk TCG: 270 Antworten, Quick kontert kein Quick
Seit der Nacht zum Samstag hängen 270 offizielle Regelantworten in der Karten-Datenbank von WeirdCo. Kommentarlos hochgeladen, Zeitstempel 4. September, 22:57 UTC. Angekündigt wurde das Ganze erst heute früh über den offiziellen X-Kanal: „Got rules questions about a specific card? We’ve got answers!“ Dazu der Hinweis, man solle sich damit auf sein lokales Beta-Event vorbereiten.
Das Beta-Event ist am Donnerstag. Vier Tage.
Die Aufteilung: 25 Antworten gelten spielweit, 245 hängen an einzelnen Karten. 140 der 151 Karten im Pool haben mindestens einen Eintrag, 31 Karten haben drei oder mehr. 134 Antworten bestehen aus dem Wort „Yes“, 63 aus dem Wort „No“, der Rest erklärt etwas ausführlicher. Wer das für Kleinkram hält: ein paar dieser Ein-Wort-Antworten kippen komplette Züge.
Drei Sätze, die im Sealed richtig weh tun
Am meisten überrascht hat mich beim Durchlesen diese hier. Frage: „My Rival plays a [QUICK] am I allowed to respond with a [QUICK]?“ Antwort: No.
Kein Konter-Krieg also. Wer in anderen Spielen gelernt hat, dass man auf einen Trick mit einem Gegentrick antwortet, verlernt das hier am ersten Abend. Gleichzeitig dürft ihr während eines gegnerischen Angriffs mehrere eigene QUICKs hintereinander abfeuern, solange der Gegner nicht dazwischen agiert hat. Die Reihenfolge entscheidet, nicht die Menge.
Bei BLOCKER wird es dann richtig fies. Eine eigene bereite Unit mit BLOCKER, die selbst angegriffen wird, darf ihr BLOCKER nicht benutzen. Sie kann sich nicht selbst aus der Schusslinie ziehen. Andere Units dagegen schon: Wenn ihr einen Angriff mit BLOCKER umgeleitet habt, darf eine dritte Unit denselben Angriff nochmal umleiten. Und eine Unit, die gerade erst gespielt wurde, darf BLOCKER sofort einsetzen, obwohl sie mit Lag ins Feld kommt.
Genau diese Asymmetrie wird am Tisch für Diskussionen sorgen: BLOCKER geht sofort, das Spend-Symbol nicht. Eine Unit darf in dem Zug, in dem sie gespielt wird, ihren Spend-Effekt nicht aktivieren. Eine Legend, die gerufen wurde, darf es sehr wohl. Wird dieselbe Legend stattdessen für ihre Kosten ins Feld gespielt (also ohne GO SOLO), kommt sie mit Lag an und darf nicht.
Die härteste Antwort im ganzen Dokument steht bei Goro Takemura, Vengeful Bodyguard. Frage: „If I have no cards in deck may I still discard 1?“ Antwort: „Yes, but you must draw 1 after, so you will lose the game.“ Ihr dürft also freiwillig eine Aktion auslösen, die euch das Spiel kostet. Das steht da so, mit trockenem Punkt am Ende.
Die meistgeklärte Karte des Sets ist ein Common
Nicht Adam Smasher, nicht V. Chrome Fang, Common, rot, Kosten 5, Power 6, RAM 1, illustriert von Bernard Kowalczuk. Fünf Einträge, mehr als jede andere Karte. Der Text klingt harmlos: Bis zu eurem nächsten Zug können gegnerische Units keine befreundeten Gigs stehlen, deren Wert höher ist als ihre Power.
„Höher“ ist das Wort, an dem alles hängt. Eine gegnerische Unit mit Power 6 klaut euch einen Gig mit Wert 6 trotzdem, weil 6 nicht höher als 6 ist. Der Effekt gilt außerdem für alle gegnerischen Units, auch für die, die erst nach Chrome Fang aufs Feld kommen. Er läuft weiter, selbst wenn Chrome Fang zwischendurch das Feld verlässt. Und wenn eine gegnerische Unit den Gig-Bereich angreift, aber wegen des Effekts nichts klauen darf, findet der Angriff trotzdem statt.
Merkt euch das letzte Detail. Der Angriff passiert, der Diebstahl nicht.
Johnny gewinnt und tötet trotzdem niemanden
Johnny Silverhand, Never Stop Fighting, gewinnt laut Kartentext jeden Kampf gegen CORPO-Units. Die FAQ ergänzt: bei Power 0 gewinnt er den Kampf zwar weiterhin, kann die gegnerische Unit aber nicht besiegen, weil Units mit Power 0 im Kampf grundsätzlich niemanden besiegen. Beide bleiben stehen. Ein gewonnener Kampf ohne Leiche.
Ähnlich verdreht bei Jackie Welles: Wenn ihr Jackie anstelle einer befreundeten Unit besiegen lasst, löst deren DEFEATED-Effekt nicht aus. Und die spielweite Regel dazu ist noch strenger: Wird eine Niederlage durch einen Effekt verhindert, gibt es überhaupt keinen DEFEATED-Trigger. Kein Ersatzauslöser, nichts.
Die Ausrüstungskarten haben eine eigene kleine Timing-Fibel bekommen. Zetatech Faceplate und NetWatch Netdriver kriegen je vier Antworten, die alle dieselbe Frage in Varianten stellen: vorher oder nachher? Bei einem erklärten Angriff vorher, beim aktivierten Spend-Effekt nachher, beim Bezahlen von Kartenkosten nachher, und bei einem ATTACK-Effekt auf derselben Unit dürft ihr die Reihenfolge selbst wählen. Wer sowas im Turnier falsch macht, verliert keinen Kampf, sondern einen Gig-Würfel.
Schnell zusammengetippt, das sieht man
„ADRENALIINE“. „Silvlerhand“. „COPRO Unit“. „mulitple ATTACK effects“. „If I choose both effetcs“. Ich habe nicht systematisch gesucht, aber im Vorbeilesen sind mir sieben Tippfehler untergekommen, teils in Schlüsselwörtern. Das riecht nach einem Dokument, das am Freitagabend noch schnell fertig werden musste, bevor am Donnerstag die ersten Läden aufmachen.
Inhaltlich stört das nicht, die Antworten sind eindeutig. Es sagt aber etwas über den Zeitdruck. Eine Woche vorher kamen die Comprehensive Rules mit 660 nummerierten Regeln, jetzt 270 FAQs, und in der Karten-Datenbank kamen vergangene Woche zuletzt drei Einträge dazu. WeirdCo baut das Regelfundament gerade parallel zum Auslieferungsstart.
Elf Karten stehen übrigens ganz ohne FAQ da. Darunter beide Promos, Mantis Blades aus dem Beta Event Kit und Rebecca: Having a Moment von der Gen Con. Also ausgerechnet die zwei Karten, die viele Leute nächste Woche zum ersten Mal in der Hand halten. Vielleicht sind sie einfach eindeutig genug. Vielleicht kam auch niemand dazu.
Für den Tisch in Essen oder Dortmund: alles Englisch
Jetzt der Teil, der euch in Deutschland direkt betrifft. Die 270 Antworten gibt es ausschließlich auf Englisch, genau wie die Comprehensive Rules und den Gameplay Guide. Eine deutschsprachige Fassung hat WeirdCo bis heute nicht angekündigt.
Beim Beta-Event heißt das konkret: Wenn am Nachbartisch eine BLOCKER-Frage hochkommt und das Ladenpersonal nachschlagen muss, wird auf Englisch nachgeschlagen. Die Karten-Datenbank auf cyberpunktcg.com läuft technisch über Netdeck.gg (steht im Footer der Seite), und genau von dort kommt der FAQ-Datenbestand. Einen Sprachumschalter gibt es nicht. Wer in Essen beim White Rabbit oder in der Karten-Lounge Dortmund spielt, sollte sich die Handvoll spielweiter Regeln vorher einmal durchlesen, statt sie mitten in Runde drei zu übersetzen.
Mein Tipp für Donnerstag: Die 25 spielweiten Antworten sind in zehn Minuten durch, und drei davon (QUICK-Konter, BLOCKER am eigenen Angriff, Spend-Timing) entscheiden real Partien. Der Rest ist Nachschlagewerk. Was denkt ihr, welche Karte kriegt als nächstes fünf Klarstellungen?
Quellen
Offizielle Karten-Datenbank, cyberpunktcg.com
FAQ-Datensatz der Karten-Datenbank (Netdeck.gg API)
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