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Cyberpunk TCG: 9 Fan-Tools, ein Jahr vor Retail

Collage der wichtigsten Community-Tools für das Cyberpunk TCG
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Als Tobias am 15. April sein Tool im WeirdCo-Discord dropte — „Vibed together a deckbuilder where you can export a PDF with cutting guidance to print proxies“ — hätte man denken können, das ist halt ein Einzelprojekt. Ein Fan, ein Nachmittag, ein Link. Maxmegapix schrieb zurück: „Wow! This this looks cool!“ und dann war es erstmal Feierabend im Channel.

War es nicht.

Einen Tag später knipste Lovecore auf Choom.gg die Direkt-Integration mit dem Online-Simulator cyberpunk-tcg-sim.online frei. Kurze, sachliche Ankündigung: „Recently updated the looking for game function on Choom.gg to support direct play support with cyberpunk-TCG-sim.online. This should make it easier for players to sync up and find games. I’m also in touch with the Pixelborn team about a direct integration.“ Max reagierte im gleichen Moment: „Thank you so much for your commitment and precious time, that you spend on this project!“ Zwei Stunden später dropte seikiro den Link zu tcgcyberpunk.com — einem Full-Stack-Community-Tool mit Marktplatz, Trade Binder und expliziter Permission von CD PROJEKT RED und WeirdCo im Footer. „Ich bin neu hier, sagt Hi!“ Drei Entwickler, ein Discord-Channel, ein Mittwochabend — und man sitzt da und merkt: Die Szene hat bereits angefangen. Das Spiel ist noch nicht mal im Handel, der erste Retail-Booster liegt irgendwann später 2026 auf dem Tisch, und die Fans haben schon die halbe Infrastruktur gebaut, die man normalerweise Jahre nach Release sieht.

Maxmegapix hatte damals beim dritten Tool an diesem Tag einen interessanten Satz: „And yet another one useful tool for the community!“ Das „yet another one“ steckt in diesem Artikel. Die Frage ist nicht, ob dieses Ökosystem funktioniert. Die Frage ist, was es alles schon geschafft hat, während man gerade weggeschaut hat.

Ich habe neun aktive Tools getestet, eines für tot erklärt, zwei in die Ehrenerwähnungen geschickt, drei Fact-Check-Offenpunkte notiert, und vierzig-plus Screenshots gemacht. Alle getesteten Tools sind kostenlos, alle sind von Fans gebaut, alle kann man heute Abend benutzen. Wer reinlesen will, welche Funktion welches Tool am besten macht, scrollt direkt zu den Reviews. Wer verstehen will, wie dieses Ökosystem in so kurzer Zeit entstehen konnte, bleibt hier.

Das „offizielle Vakuum“ ist kein Vakuum

Der erste Reflex in jedem Fan-Ökosystem-Artikel ist, zu schreiben: Der Hersteller liefert nicht, die Community füllt die Lücke. Bei Magic war das so (Wizards ignoriert das Web bis 2015, Scryfall räumt ab). Bei Netrunner war das so (Fantasy Flight lässt das Spiel fallen, jinteki.net lebt weiter). Bei Pokémon war das so (die Pokémon Company hat bis heute keine akzeptable eigene Karten-DB, Limitless TCG übernimmt). Beim Cyberpunk TCG stimmt die Geschichte aber nicht. Die liegt etwas komplizierter.

Die offizielle Seite cyberpunktcg.com hat eine funktionierende Karten-Datenbank. Mit Smart-Filtern nach Farbe, Typ, Classification, Keyword, Cost, Power, RAM und Set. Mit Kartendetails und hochaufgelösten Renders. Stand 17. April stehen dort 48 Karten drin. Die Rules sind da, die FAQ ist da, der Retailer-Locator ist da, der Discord ist verlinkt. Als offizieller Start-Hub ist das absolut solide.

Nur — und das ist die Wendung, die ich beim Test am meisten mochte — im Footer der Karten-DB steht ein Satz: „Card database powered by Netdeck.gg.“ Netdeck ist nicht WeirdCo. Netdeck ist eine Multi-TCG-Community-Plattform, die neben dem Cyberpunk TCG auch Magic, Pokémon, Yu-Gi-Oh!, One Piece, Lorcana, Flesh and Blood, Grand Archive, Cataclysm Arcade, Vibes und „+many more“ unterstützt. Netdeck selbst trägt einen eigenen Disclaimer: „NetDeck.gg is not an official WeirdCo product and is not affiliated with or endorsed by CD PROJEKT.“ Also: Die offizielle Karten-DB läuft auf Fan-Infrastruktur, und diese Fan-Infrastruktur ist juristisch explizit nicht affiliiert.

Das ist keine Schwäche, das ist eine Arbeitsteilung. WeirdCo hat offenbar die Entscheidung getroffen, das Backbone der Karten-DB nicht selbst zu bauen, sondern einem Spezialisten zu überlassen. Ein Team, das seit Jahren Karten-DBs baut, baut die nächste für ein neues TCG — und zwar besser, als WeirdCo sie in-house bauen könnte. Das Modell ist elegant. Scryfall war bei Magic dreizehn Jahre lang inoffiziell. Netdeck wird bei Cyberpunk TCG ab Tag eins mit Segen des Herstellers integriert. Das ist ein Sprung, der für die Fan-Szene bedeutet: Wer an der offiziellen DB mitarbeiten will, kann direkt auf einer offenen, dokumentierten API aufsetzen. Keine jahrelange Existenz in der Grauzone, bevor der Hersteller mitspielt.

Parallel dazu gibt es die Fan-Tools, die komplett außerhalb dieser Partnerschaft operieren. Jedes einzelne getestete Tool trägt einen „not affiliated“-Disclaimer. Eines — tcgcyberpunk.com — hat trotzdem explizite Permission im Footer: „Used with permission from CD PROJEKT RED & WeirdCo“. Das ist, soweit ich in der Szene schauen konnte, einzigartig. Kein anderes Fan-Tool für irgendein modernes TCG, das mir einfällt, hat so offenes Erlauben vom IP-Holder als Stempel im Footer. Ein anderes Community-Projekt — Gniih’s Tabletop-Simulator-Mod — wurde am 9. April von Steam entfernt, wegen Verletzung der Steam Community Guidelines. 278 Subscriber, 516 unique visitors, seit Ende März aktiv gepflegt — und weg. Also: WeirdCo prüft Fall für Fall. Web-basierte Deckbuilder ohne geschützte Assets? Toleriert, manchmal sogar autorisiert. Tabletop-Simulator-Bündel mit kompletten Kartenbildern? Takedown. Das ist nicht willkürlich, das ist differenzierte IP-Politik — und aus Community-Sicht vergleichsweise freundlich. Disneys Lorcana hat Pavel Kolevs Pixelborn-Client 2024 komplett abgeschossen. WeirdCo hat dagegen seikiro eingeladen.

Nicht offiziell liefert WeirdCo (Stand Mitte April): einen Deckbuilder, einen Online-Sim, einen LFG-Service, eine Trade-/Market-Plattform, einen Meta-Tracker, einen Pack-Simulator, eine Mobile-App und detaillierte Archetyp-Guides. Alles davon gibt es in der Fan-Szene. Meistens mehrfach. Die folgenden Reviews erklären, wer was wie gut macht.

Die Tools

tcgcyberpunk.com — NIGHT CITY NET

tcgcyberpunk.com — Night City Net Homepage

Dies ist das Flaggschiff der Szene, und das sage ich ohne Zögern. seikiro [RIFT] — der Entwickler, der sich am 16. April im Discord als „Ich bin neu hier, sagt Hi!“ vorstellte — hat nicht einfach einen Deckbuilder gebaut. Die Seite trägt das Sub-Branding „NIGHT CITY NET // V2.0.77″ und umfasst Card Gallery, Deck Builder, My Decks, Public Decks, Collection, Trade Binder, AFTERLIFE (ein Marktplatz-Feature) und Meta. Eine vollständige Ökosystem-Plattform, aufgebaut in Next.js mit Turbopack. Der Footer-Hinweis „Used with permission from CD PROJEKT RED & WeirdCo“ ist, soweit ich beim Testen sehen konnte, der einzige in der gesamten Szene.

Schon die Homepage-Stats sind eine Ansage: 46 Total Cards, 3 Sets, 6 Factions, 10K+ Decks Built. Das „10K+ Decks Built“ ist Social Proof, den keine andere Fan-Seite liefert. Wer hier landet, sieht sofort: Das Ding wird benutzt, nicht nur angeboten.

Für den Test habe ich ein Deck begonnen: V, Alt Cunningham und Jackie Welles ins Deck gezogen. Die Rule-Validation meldete sofort sachlich: „Needs exactly 3 Legends (Has: 2)“ — V und Alt sind Legends (rot und blau), Jackie in dieser Variante ist eine Unit (gelb). Der Versuch, eine zweite Kopie von V hinzuzufügen, scheiterte elegant: Der „Add copy“-Button wurde disabled, die Karte im Gallery-Grid ebenfalls. Keine Fehlermeldung, kein Popup, einfach nur: geht nicht. So soll UX funktionieren. Kein Tool im Test löst das ähnlich elegant — die meisten werfen entweder Error-Dialoge oder lassen die Aktion zu und melden nachträglich „Deck ist illegal“. seikiro hat die strengere Variante gewählt: Was nicht erlaubt ist, ist nicht anklickbar.

tcgcyberpunk.com — Deck Builder mit 3 Karten und Live-Validation

Das Deck-Panel zeigt im Live-Betrieb Cost Curve (0 bis 7+, mit Balken pro Kostenstufe), Types-Breakdown (Legend: 2, Unit: 1), Colors-Breakdown (Red 1, Yellow 1, Blue 1). Wer die Balance zwischen Low-Cost-Curve und Big-Finisher im Blick behalten will, hat das Feedback während des Bauens. Dazu ein „DRAW 7″-Button — direkt neben Import und Export — der die Starting-Hand simuliert. Ein Feature, das sonst nur in Simulatoren zu finden ist. Der Export kennt drei Formate: Copy to Clipboard, Download .TXT, Download .CSV. Damit kommt man in jeden anderen Builder, jede Tracker-App und sogar Excel.

Lighthouse liefert 96 Accessibility, 96 Best Practices, 100 SEO auf Desktop, und 96/100/100 auf Mobile. Die Karten-Buttons sind mit separaten Preview- und Add-Labels versehen — Screen-Reader-User bekommen die Information, ob eine Karte eine Legend ist, direkt in den a11y-Tree. Das ist professionelles Niveau. Beim Network-Check fallen keine Drittanbieter-Requests auf außer res.cloudinary.com für die Kartenbilder. Kein Google Analytics, keine Ads, kein Facebook Pixel. Der Auth-Endpoint pollt regelmäßig (NextAuth-Standard), aber nichts, was den User tracking-mäßig verfolgen würde. Für ein Community-Tool mit dieser Feature-Breite ist das die saubere Konfiguration.

Die Trade-Binder- und AFTERLIFE-Features sind das, was tcgcyberpunk.com einzigartig macht. Andere Tools haben Collection-Tracker, hier kannst du Karten explizit als „für Tausch“ markieren, und das AFTERLIFE-Menü ist die Marktplatz-Oberfläche. Mit Set 1 noch vor Retail ist dort wenig Aktion, aber die Infrastruktur für den Sekundärmarkt steht bereits. Wenn im Herbst die Boxen aufgehen, ist seikiros Tool der Ort, an den die ersten Singles-Preise geklebt werden. Und das AFTERLIFE-Naming ist schönes Lore-Callback: Im Cyberpunk-Universum ist das Afterlife die Merc-Bar, wo Gigs laufen. Cards gegen Eddies tauschen, Deals machen, Ruf aufbauen — das passt.

Was fehlt: Auf der Seite selbst gibt es keine Entwickler-Attribution und keinen GitHub-Link. Wer mitmachen will, hat keinen sichtbaren Einstiegspunkt außerhalb des Discords. Im Screenshot-Grid tauchen drei verschiedene Goro-Takemura-Karten ohne Untertitel nebeneinander auf, was auf den ersten Blick verwirrt — das sind Iconic-Rare-Varianten, aber ein Tooltip wäre schön. Das ist Meckern auf hohem Niveau. Wenn man eine Sache an diesem Tool aussetzen kann, ist es: Das Nicht-Zeigen-Wollen des Menschen, der dahinter steht.

Als Max auf dem Discord fragte „Do you think of going mobile in the stores? App wise…“ antwortete seikiro knapp „can be done yeah“. Eine App-Store-Portierung ist also nicht ausgeschlossen, aber auch nicht auf der Roadmap. Der aktuelle Zustand reicht, zumindest für den Browser. Wenn du ein einziges Community-Tool dir merken willst, ist es dieses.

Update vor Redaktionsschluss: Zoilo [CTCG] meldet sich aus dem tcgcyberpunk.com-Team direkt und stellt klar: Die Plattform hat inzwischen einen Match-Simulator im Beta-Test unter /playtest — direkt angebunden an die Decks, die im Tool gebaut werden. Aktuell Discord-Login-gated, noch nicht voll auf allen Devices optimiert, einige Mechaniken und Automatisierungen fehlen noch, aber: man kann bereits Matches spielen. Damit zieht das tcgcyberpunk-Team in die Sim-Kategorie ein und rangiert neben cyberpunk-tcg-sim.online und V4MPs kommendem phase9_simulator. Die Sim-Race hat offiziell drei Teilnehmer. Danke für das direkte Feedback, Zoilo — und für den Hinweis, dass unsere Review die Trade- und Market-Seiten gefeiert hat, aber das Playtest-Feature unter dem Radar flog.

choom.gg — Your Night City Companion

CHOOM.GG — Night City Companion Homepage

Lovecore [RIFT] ist kein Neuling. Der Tip-Top-Jar-Link im Choom-Footer führt zu einer Seite mit dem Titel „Support Lovecore on Tip Top Jar“ — URL: tiptopjar.com/comboforge. Lovecore hat auch comboforge.gg (Fighting-Games-Combo-DB für Street Fighter 6, Tekken 8, 2XKO, Guilty Gear Strive) und riftboundrules.lol (Projektname: „Riftbound Oracle“, Riftbound TCG von Riot) gebaut. Das ist ein Multi-TCG-Veteran, der genau weiß, was ein Fan-Ökosystem braucht. Choom.gg ist sein Cyberpunk-Beitrag, und er hat dort die meisten Seiten seiner Tool-Erfahrung eingebracht.

Das Feature-Portfolio ist breit: Card Database (42 Karten sichtbar, mit Filter nach Farbe/Typ/Attribut), Deck Builder mit QR-Code-Share (!), Collection Binder mit Variant-Tracking für standard/foil/kickstarter, Wishlist, Gig Board (LFG), Analytics unter /meta, Draft-Mode unter /draft. Dazu ein eigenes Blog mit Content wie „Breaking Down the Debut Set: Welcome to Night City“ (10. April, mit Rarity-Breakdown und Pull-Rate-Analyse), „Official How To Play Trailer!“ (17. März), „A summary of the pre-kickoff stream“ (16. März) und „Quick Hacks are here!“ (16. März, Guide-Kategorie: „New to the game? Here is everything you need to know about card types, colors, Gigs, and Street Cred before your first match“). Die Posting-Kadenz reicht zurück bis zum Kickstarter-Start und hat seitdem nicht nachgelassen. Das ist kein Tool-Pflichtübung — das ist redaktionelles Engagement.

Die Seite ist eine PWA. Service Worker (`/sw.js`) registriert, `manifest.json` vorhanden, `icons/icon-192.png` definiert. Wer sie auf dem Smartphone besucht, kann sie mit einem Tap installieren — ohne App-Store-Umweg, ohne Tracking durch Apple oder Google Play Services. Das ist die Antwort auf seikiros Discord-Frage „going mobile in the stores? App wise…“ von einer anderen Seite: Choom ist bereits installierbar als App, und das seit Anfang.

CHOOM.GG — Gig Board / LFG-Feature

Der Gig Board, also das LFG-Feature, ist die Kategorie, in der Choom komplett allein steht. „Find opponents. Post a game. Get matched.“ Filter-Chips für Casual Game / Ranked Practice / Teaching Game / Draft / Sealed, plus Online/Local-Toggle. Beim Test um 17:00 MESZ war das Board leer — „No open gigs right now. Be the first fixer to post one.“ — aber die Infrastruktur steht vollständig. Im Netzwerk-Tab sieht man, wie Posts live aus einer Supabase-Tabelle geladen werden, mit exakter Query-Struktur (`status=eq.open&expires_at=gt.&order=created_at.desc`) und Pagination. Postgres-Backend für Live-Daten, klassisches Supabase-Setup. Wenn im Herbst nach Retail die ersten Spieler suchen, ist das der Ort. Und dank der direkten Integration mit cyberpunk-tcg-sim.online (live seit 16. April) bringen LFG-Matches direkt in einen Sim-Room, ohne Plattformwechsel. Lovecores Discord-Statement war sehr nüchtern: „This should make it easier for players to sync up and find games.“ Das ist englisches Understatement für „ich habe gerade zwei Tools zu einem zusammengefügt.“

Der Blog ist der Bonus, den andere Tools nicht haben. Lovecore schreibt redaktionell — über Pull Rates, Card-Reveals, Stream-Summaries. Das bindet die Choom-Community über das reine Tool hinaus. Und es macht Choom.gg zu einem Ort, an den man auch dann zurückkommt, wenn man gerade kein Deck bauen will.

Lighthouse Desktop: 95 A11y, 100 Best Practices, 100 SEO. Mobile genauso. Der Tracker-Stack ist erwähnenswert — Google AdSense (`ca-pub-1575110123156971`) plus Google Funding Choices (das GDPR-Consent-Modul) laufen mit, plus Vercel Analytics und Vercel Speed Insights als first-party-proxied Telemetrie. Choom finanziert sich über Ads, und das ist legitim. Der DSGVO-Consent-Dialog ist implementiert. Wer eine Community-Plattform auf diesem Niveau betreibt, muss sie irgendwie refinanzieren, und Ads sind der saubere Weg — sauberer als Krypto-Grift oder Premium-Wall. Wer es störungsfrei will, kann die Site auch als PWA installieren und dann mit einem ad-blockenden Browser nutzen.

Die Choom-Sim-Integration vom 16. April ist mehr als ein Feature-Update — sie ist das erste dokumentierte Beispiel für bewusste Cross-Tool-Kooperation in dieser Szene. Und die Pixelborn-Andeutung („I’m also in touch with the Pixelborn team about a direct integration“) hat Implikationen, die weit über Choom hinausgehen. Wenn Pixelborn tatsächlich einen vollwertigen digitalen Client mit animierten Battles baut und Choom als Matchmaking-Layer davor setzt, entsteht über Nacht ein Digital-TCG-Ökosystem, wie es Magic Arena zehn Jahre gebraucht hat. Das ist vielleicht der am weitesten gedacht Plan der gesamten Szene.

cyberpunk-tcg-sim.online — der stille Held

cyberpunk-tcg-sim.online — Match Setup mit Hot Seat und Rooms

Manchmal testet man ein Tool, und Lighthouse spuckt Zahlen raus, die man zweimal lesen muss. Accessibility 100. Best Practices 100. SEO 100. Desktop und Mobile. Keine Fehler, keine Warnungen, alle 51 Audits bestanden. Und das auf einer Seite, die lange Zeit der einzige echte Online-Simulator der Szene war — bis tcgcyberpunk.com Mitte April mit einem eigenen Playtest-Modus unter /playtest in die Kategorie einzog (siehe Update-Box im tcgcyberpunk-Kapitel). Null Tracker, null Ads, null externe Requests außer dem eigenen Hosting. Ein Tool, das ein Lehrbuch-Beispiel dafür ist, wie Fan-Infrastruktur minimalistisch gebaut sein kann — und trotzdem funktionieren.

Das Match-Setup zeigt die Kernphilosophie: Drei Buttons — „Hot Seat“ für lokales Zwei-Spieler (ein Laptop, zwei Freunde, ein physisches Deck jeweils einfach runtergetippt), „Create Room“ für eine private Lobby mit 6-Zeichen-Join-Code (den man per WhatsApp verschickt), „Public Lobbies“ für Matchmaking. Der Callsign wird automatisch generiert („Runner13325″), der Deck-Builder ist direkt verlinkt, und der Footer sagt: „Have any issues, suggestions, or want to find others to play with? Join the Discord community!“ Dazu ein Ko-fi-Link für Unterstützung. Das ist es. Keine Ads, keine Tracker, keine Login-Pflicht zum Hotseat-Spielen. Der Entwickler — dessen Name ich öffentlich nirgendwo finden konnte — hat einen Weg gewählt, der maximal zurückhaltend ist: Keine Attribution, keine Werbung, nur funktionieren.

cyberpunk-tcg-sim.online — Deck Builder

Der integrierte Deckbuilder mit 48 Karten (konsistent zum Netdeck-Stand) verwendet eine interessante Datenarchitektur: Jede Karte ist eine eigene JSON-Datei unter /cards/all_cards/adam_smasher_metal_over_meat.json und so weiter. Plus ein Master-JSON mit dem Index. Das ist CDN-freundlich, offline-cachebar, und bringt erstaunliche Performance, obwohl die Seite theoretisch 48+ einzelne Fetch-Calls beim Load macht. Man könnte das „ineffizient“ nennen — oder „absichtlich einfach“. Kein Backend nötig. Keine Datenbank. Keine Auth-Infrastruktur. Alle Karten-Daten liegen statisch auf dem Webserver, der User bedient sich. Wenn der Entwickler morgen keine Lust mehr hat, bleibt die Seite funktionsfähig bis das Hosting-Abo ausläuft. Die meisten anderen Tools dieser Szene hängen von laufenden Supabase-Projekten und Auth-Tokens ab — dieser Sim nicht.

Der Deckbuilder hat eine „Verify RAM“-Checkbox, die sich toggeln lässt — für Casual-Brews ohne RAM-Budget, oder eben für Turnier-Prep mit strenger Validation. Die Saved Decks leben in localStorage, kein Backend-Account nötig. Import-Deck akzeptiert laut Google-Snippet das Collector-Number-Format („3x A027 / 1x MS01-131″). Und die Accessibility ist auf Profi-Niveau: Jede Karte im Library-Grid hat einen a11y-Label der Form „Adam Smasher – Metal Over Meat. Main-deck card.“ bzw. „Alt Cunningham – Soulkilller Architect. Legend card.“ Das Kartentyp-Suffix im Screen-Reader-Text spart blinden Usern das Raten.

Eine Beobachtung: Der Deck-Counter sagt „LEGENDS 0/3″ und „MAIN DECK 0/30-50″, also 3 Legends plus 30-50 Main-Deck-Karten. Die offizielle Regel auf cyberpunktcg.com/gameplay-guide lautet dagegen eindeutig: „Use exactly 3 Legend cards with unique names. Include no less than 40 and no more than 50 cards (not including your Legends). Use no more than 3 copies of the same card.“ Das Minimum ist also 40 Main-Deck-Karten plus 3 Legends, nicht 30. sim-online unterschreitet das offizielle Minimum um 10 Karten — klarer Tool-Bug in der Validation, keine Rule-Interpretationsfrage. Der Sim lässt Decks zu, die nach offizieller Regel illegal wären. Wer für Turnier-Prep baut, verlässt sich lieber auf tcgcyberpunk.com’s Rule-Validation, die korrekt 40-50 Main-Deck-Karten plus 3 Legends erzwingt.

Für den Einsatzzweck spielt das im Moment keine Rolle. Wer heute Abend mit einem Freund einen Testlauf gegen das neue Deck machen will, klickt „Create Room“, bekommt einen 6-Zeichen-Code, schickt den per WhatsApp, und spielt. Das ist der kürzeste Weg zum ersten Match. Und der LFG-Link von Choom.gg landet seit 16. April direkt hier. Wenn das kein Argument für die Tool-Kooperation in dieser Szene ist, ist es nichts.

netdeck.gg — die unsichtbare Infrastruktur

Netdeck.gg — Cyberpunk TCG Karten-DB Multi-TCG-Plattform

Das Paradox an Netdeck: Es ist das Tool, das am meisten arbeitet, und das man am seltensten nennen wird. Denn wenn jemand sagt „ich schau auf die offizielle Karten-DB“, landet er auf cyberpunktcg.com/cards — und die DB dort läuft auf Netdeck. Das Team bleibt im Hintergrund, bewusst oder nicht. Keine Team-Seite, keine About-Page, keine Entwickler-Signatur. Im Footer nur der juristische Satz: „Cyberpunk TCG, Cyberpunk, Cyberpunk 2077, Cyberpunk: Edgerunners, and related names, images, and marks are the property of their respective owners, including CD PROJEKT and its licensors. NetDeck.gg is not an official WeirdCo product and is not affiliated with or endorsed by CD PROJEKT.“

Was auf netdeck.gg/cards/cyberpunk passiert, ist alles, was ein professioneller Karten-DB-Frontend haben muss: 48 Karten, Filter nach Color / Type / Classification / Keyword / Cost / Power / RAM / Set, Sort nach „Default (Color > Type > Cost)“ oder einer Reihe anderer Kriterien, Karten-Detailseiten mit SEO-freundlichen Slugs (/cards/cyberpunk/alt-cunningham-soulkilller-architect zum Beispiel — das „Soulkilller“ mit drei L steht übrigens genau so auf der Karte, kein Tippfehler im Tool). Und dann die Funktion, die Netdeck wirklich allein hat: Natural-Language-Search. Die Textbox fragt: „Describe what you’re looking for in your preferred language, and we’ll translate it into filters.“ Hinter den Kulissen läuft ein Smart-Search-Endpoint (/api/smart-search/status), der natürliche Sprache in strukturierte Filter übersetzt. Das kann sonst keins der Cyberpunk-Tools. Wer „zeig mir alle roten Units unter 3 Cost mit mindestens 2 Power“ tippt, bekommt die Filter automatisch gesetzt. Für User, die sich durch die acht Filter-Dropdowns nicht durchklicken wollen, ist das ein großer Unterschied.

Die Plattform ist bewusst Multi-TCG. „One account, every game.“ Unterstützt werden neben Cyberpunk auch Magic, Pokémon, Yu-Gi-Oh!, One Piece, Lorcana, Flesh and Blood, Grand Archive, Cataclysm Arcade, Vibes — „+many more“. Für den Cyberpunk-Einzelnutzer ist das vielleicht overkill. Für WeirdCo als DB-Partner ist es Gold: Netdeck hat die Infrastruktur, die Erfahrung, die API. WeirdCo liefert die Daten, Netdeck hostet die Fassade, cyberpunktcg.com integriert sie im Footer. Symbiose. Und aus Anwender-Perspektive: Wer bereits einen Netdeck-Account hat, um sein Lorcana-Deck zu bauen, baut sein Cyberpunk-Deck im gleichen Interface, mit den gleichen Keyboard-Shortcuts, der gleichen Sort-Logik. Das ist Fan-Infrastruktur, die branchenweit arbeitet.

Die „Play“ und „Build“ Dropdowns in der Top-Navigation deuten darauf hin, dass Netdeck auch Play-Online-Features hat — Discord Bots für Card-Lookups, Event-Matching, Player-Finding. Für Cyberpunk TCG sind diese Features noch nicht spezifisch aktiviert (die Cards-URL führt in die DB, nicht in einen Sim), aber der Platz dafür ist reserviert. Wenn Netdeck entscheidet, auch einen Sim für Cyberpunk zu bauen, wird es vermutlich das erste Cross-TCG-Sim-Interface im Cyberpunk-Ökosystem.

Lighthouse: 90 A11y, 100 BP, 100 SEO auf Desktop und Mobile. Leicht unter tcgcyberpunk.com, aber das liegt an der Multi-Game-UI, die generische Kontrolle-Elemente für alle Spiele nutzt. Der Tracker-Stack ist der aggressivste unter den bisher beschriebenen Tools: PostHog läuft mit Session-Recording, Dead-Clicks-Autocapture, Web-Vitals, Exception-Autocapture, Feature-Flags und Surveys. Alles in einem Bundle. Das ist professionelles Produkt-Analytics, was für eine Multi-Game-Plattform Sinn ergibt — sie brauchen die Daten, um zu verstehen, welche Spiele gut laufen und welche UI-Elemente Nutzer abschrecken. Ein Consent-Dialog war beim Test nicht sichtbar; hier wäre eine DSGVO-Transparenz wünschenswert. Wer darauf achtet, besucht Netdeck nur für gezielte Karten-Lookups und schaut mit dem Browser-Inspector mal rein.

Netdeck ist nichts für Leute, die Cyberpunk-Flair suchen. Die UI ist generisch, das Branding gehört dem Dachbetreiber. Aber als Karten-DB, die mit dem offiziellen Launch im Herbst den Anspruch haben wird, jedes Mal auf dem neuesten Stand zu sein, gibt es keinen besseren Kandidaten. Scryfall für MTG war 2017 auch nicht auf den ersten Blick das „schönste“ Tool. Scryfall hat gewonnen, weil es funktioniert. Das gleiche kann Netdeck hier werden, und zwar nicht nach zwölf Jahren, sondern vom ersten Retail-Booster an.

ripperdeck.gg — Terminal-Ästhetik und Rules-Redaktion

Ripperdeck.gg — Terminal-Ästhetik Deckbuilder mit Spoiler-Set

„RPRDK“ steht im Logo. Daneben ein „BETA“-Badge. Die Navigation heißt „EDDIES“ und „JACK IN“. Die Feature-Kacheln auf der Landing-Page heißen „// DECK_BUILDER.EXE“, „// DB_QUERY“, „// ANALYTICS.SYS“. Unter dem Hero steht die Stats-Zeile „49 CARDS / 16 LEGENDS / 4 FACTIONS“. Das Terminal-Cyberpunk-Theme ist hier das konsequenteste in der gesamten Szene, stringenter sogar als bei der offiziellen Seite. Wer den Vibe des Genres am stärksten in der UI will, kommt hier richtig. Und wer sich beim Namen Ripperdeck erinnert fühlt: Ripperdocs sind die Cyberpunk-Schwarzmarkt-Ärzte, die einem Eisen einbauen. Das Naming sagt: Hier baust du dir dein Deck wie Victor Vector seinen Patienten baut — mit Care, mit Plan, und mit ein bisschen Street-Cred-Attitude.

Die 49 Karten sind dabei ein Hinweis. Andere Tools zeigen 42 (Choom), 46 (tcgcyberpunk), 48 (sim-online, Netdeck, Afterlife-Decks) oder 45 (cyberpunktcgmeta). 49 ist mehr als der offizielle Stand. Die URL-Slugs verraten es: Neben alpha-a* und promo-n* existieren spoiler-*-Varianten. Ripperdeck pflegt also ein eigenes Spoiler-Set parallel zur offiziellen DB — Karten, die in Community-Leaks auftauchen, bevor WeirdCo sie offiziell listet. Das ist für Early-Brewer relevant, die auf neue Archetypen vorbereitet sein wollen, ohne die Discord-Channel nach neuesten Reveals zu durchsuchen. Das Tool macht die Recherche für dich. Und wenn WeirdCo die Karten dann offiziell freigibt, sind sie schon da.

Das zweite Alleinstellungsmerkmal: Ripperdeck pflegt eigene Rules/FAQ/Glossary-Seiten. Kein anderes getestetes Tool (außer cyberpunktcg.com selbst) hat eigene Regel-Redaktion. Im Footer verlinkt: Cards, Build a Deck, Rules, FAQ, Glossary, Privacy, Terms. Wer eine Regel nachschlagen will und die offizielle Seite gerade nicht helfen kann (oder keine Lust hat auf das offizielle FAQ), findet hier eine zweite Perspektive. Dass Ripperdeck Privacy- und Terms-Seiten hat, ist auch ein Zeichen für den professionellen Anspruch. Die meisten Fan-Tools überspringen das Rechtliche.

Der Deckbuilder selbst ist Next.js mit Turbopack, Supabase-Backend (gwupeldmdknkipmnuiwt.supabase.co für Karten-Bilder), Echtzeit-Validation (3 Legends + bis 50 Karten, Eddie Curve + RAM-Budget live), eigene Analytics unter /decks/new. Die Features-Kacheln beschreiben das präzise: „Build with 3 Legends and up to 50 cards. Eddie curve, RAM budget, and card limits update live.“ Das „Eddie curve“ ist die Cyberpunk-flavored Bezeichnung für Cost Curve — Eddies sind die Währung in Night City, also zählt das Tool, wie viele Eddies man pro Kostenstufe hat.

Lighthouse: 96 A11y, 100 BP, 100 SEO auf Desktop und Mobile. Die Tracker-Liste: Google Analytics (G-780J4GB0CQ) und Vercel Insights. Kein AdSense, kein NitroPay. Die „Eddies“-Nav-Komponente deutet auf geplante Monetarisierung hin — vielleicht eine In-App-Currency oder Cosmetics für eingeloggte User. Aktuell ist das Feature nicht aktiv, aber das BETA-Badge trägt den Hinweis, dass hier noch Sachen kommen.

Was Ripperdeck eigentlich besser macht als manches Tool mit mehr Features, ist das Gefühl: Wer hier landet, weiß in zwei Sekunden, auf welcher Art von Seite er ist. Das Design-Commitment ist vollständig. Jedes UI-Element, jede Typografie-Wahl, jedes Icon-Label sitzt im Genre. Das ist etwas, was sogar die offizielle cyberpunktcg.com nicht ganz so konsequent durchhält — die offizielle Seite schielt immer halb zu den Eltern (Mainstream-TCG-Players). Ripperdeck schielt zu niemandem. Das ist eine Seite, die sagt: Ich bin für Choomas, die sich schon mit Scryfall und jinteki.net auskennen und jetzt ein Zuhause für ihren Cyberpunk-Modus wollen.

Wer einen Standalone-Deckbuilder sucht, ohne die Trade-Market-Breite von tcgcyberpunk.com oder die Companion-Funktionen von Choom zu brauchen, hat hier das geradlinigste Angebot — und kann die Rules-Seite gleich als Lernreferenz mitnehmen.

afterlife-decks.vercel.app — V4MP und die geheime Roadmap

Afterlife Decks — V4MP's Deckbuilder mit Pack-Simulator und Precons

Afterlife Decks ist der Tool-Held, den niemand auf dem Zettel hat, weil er auf einer vercel.app-Hobby-Domain hängt. Die URL suggeriert „irgendjemand hat das mal am Wochenende hochgeladen“. Die Realität beim Test war: Ein sehr ernsthaft entwickeltes Tool mit sichtbarer Entwickler-Signatur, dokumentierten Keyboard-Shortcuts und einer geheimen Roadmap, die man nur findet, wenn man auf Netzwerk-Requests achtet.

Im Footer steht der Satz, der sonst nirgends in dieser Szene auftaucht: „Built by // V4MP.“ Das ist die einzige direkte Entwickler-Attribution auf einer Tool-Seite, die ich gefunden habe. Alle anderen Tools verstecken ihre Entwickler im Discord oder lassen sie komplett anonym. V4MP steht zu seiner Arbeit — mit Cyberpunk-stylisiertem Handle, aber öffentlich unterschrieben. Wer im WeirdCo-Discord mal nachfragen will, wer das ist, hat mit „V4MP“ einen direkten Anker. Das ist Transparenz-Ebene, die in dieser Szene selten ist.

Die Feature-Liste hat neun Haupt-Tabs: HOME, BUILD, COLLECTION, BLACK MARKET, MY DECKS, PRECON, PRACTICE, PACKS, LEGAL. Zwei dieser Features sind Alleinstellungen in der Szene:

PACKS ist ein Pack-Opening-Simulator, der zusammen mit dem Collection-Tracker das Pull-Rate-Erlebnis simuliert. Für Leute, die vor dem Retail-Kauf verstehen wollen, wie sich 6 Commons / 3 Uncommons / 2 Rares / 3 Iconic-Varianten anfühlen, wenn sie aus dem Booster rasseln, ist das Gold wert. Nach der Pull-Rate-Debatte, die im Kickstarter-Forum und auf diversen TCG-YouTubern wochenlang gelaufen ist, ist ein solcher Simulator die praktischste Antwort auf die Frage „Ist das wirklich fair?“. Man macht zehn virtuelle Booster auf und sieht, was rauskommt.

PRECON enthält zwei vorgefertigte Alpha-Kit-Decks: „ARASAKA CONTROL // ALPHA KIT“ (Yorinobu, Goro, Saburo — „A defensive control deck that uses high-power Units and Corpo agents to dominate the late game“), und „MERC AGGRO // ALPHA KIT“ (Jackie, V, Viktor — „An aggressive rush strategy focused on stealing Gigs fast“). Beide mit Strategie-Beschreibung auf Anfänger-Niveau. Das ist keine kleine Arbeit — jemand hat sich hingesetzt und beide Alpha-Kit-Decks analysiert, kategorisiert, und in zwei Sätzen verdichtet, damit Neulinge direkt mit einem Spielplan starten können. Kein anderes Tool liefert so konkrete Einsteiger-Orientierung.

Dann das Detail, das mich am meisten amüsiert hat: Im Footer stehen Keyboard Shortcuts. Ctrl+S Save Deck, Ctrl+F Search, Ctrl+E Export, Ctrl+B Feedback, ESC Close. Das ist Power-User-Niveau, wie es sonst nur professionelle Dev-Tools dokumentieren. Daneben ein „Send Feedback“-Button für Bug Reports. Und oben ein Hinweis auf Hover-Tooltips: „ⓘ Hover tooltips throughout the app for quick help“. Das ist nicht Hobby, das ist Produkt-Denken. V4MP hat Design-Entscheidungen getroffen, die Power-User bevorzugen — und sie dokumentiert, damit niemand raten muss.

Und beim Netzwerk-Check lief ein Supabase-Request auf /rest/v1/feature_flags?feature_name=eq.phase9_simulator. Afterlife Decks hat also ein Feature-Flag-System, und einer der Flags heißt „phase9_simulator“. V4MP baut einen eigenen Simulator in „Phase 9″. Das ist eine dokumentierte Roadmap, die nicht mal auf der Tool-Oberfläche kommuniziert wird. Wer genauer hinschaut, sieht den nächsten Schritt. Wenn Phase 9 live geht und Afterlife den eigenen Sim zusammen mit Pack-Simulator, Precons, Keyboard-Shortcuts und Black-Market-Trading präsentiert, ist das plötzlich kein „versteckter Geheimtipp“ mehr, sondern ein ernsthafter All-in-One-Konkurrent zu tcgcyberpunk.com.

Die PWA-Installierbarkeit ist ebenfalls da (registerSW.js + sw.js), das Tool ist offline-fähig. Tracker-Stack: Null. Keine GA, kein AdSense, kein PostHog. Nur eigenes Supabase für Daten und Service Worker für Offline. Eine der saubersten Privacy-Bilanzen im Test. V4MP hat offenbar nicht den Plan, das Tool mit Werbung zu refinanzieren — entweder Ko-fi-Spenden oder es bleibt Passion Project.

Der einzige echte Schwachpunkt im Test war, dass Lighthouse zweimal mit einem Netzwerk-Emulation-Timeout ausfiel. Objektive Performance-Zahlen habe ich nicht messen können. Manuell wirkte die Seite aber responsiv, und der Audit-Fehler ist wahrscheinlich ein Chrome-Protokoll-Problem, kein Tool-Problem.

Afterlife Decks ist das Tool, das in dieser Szene am meisten unterschätzt wird. Wer Feature-Tiefe mit unsichtbarer Roadmap schätzt und als Bonus das einzige mit Namen unterschriebene Fan-Tool will, landet hier richtig.

chromevibe.vercel.app — Proxies drucken wie ein Choom

chromevibe.vercel.app — Tobias' Deckbuilder mit PDF-Proxy-Export

Der Discord-Drop war der Auslöser dieses Artikels. 15. April, 14:49 Uhr, Tobias alias „To Jo“: „Vibed together a deckbuilder where you can export a PDF with cutting guidance to print proxies.“ Ein Satz, ein Link, fertig. In einer Szene, in der ein Spiel noch nicht mal im Handel ist, ist ein PDF-Export-mit-Schneide-Anleitung das, was viele Fans am meisten brauchen — wer zu Hause Playtest-Runden mit gedruckten Proxies machen will, hat jetzt ein Tool dafür. Toplader drauf, laminieren, durchschneiden, spielen. Das ist die Art von Workflow-Optimierung, die kein offizielles Tool liefert, weil der Hersteller natürlich lieber echte Booster verkauft — aber die Community lebt davon.

Chromevibe ist allerdings nicht nur ein Proxy-Export-Tool. Die Landing-Page ist deutlich ausgebauter, als Tobias‘ Discord-Ankündigung andeutet. „FAN-MADE DECKBUILDER FOR THE / CYBERPUNK TRADING CARD GAME“ steht im Hero. Darunter ein ausführlicher Beschreibungstext: „Build your crew. Earn your legend. Put together the ultimate edgerunner crew with characters from across the franchise, pitting them against your opponent as you fight to become a Night City legend.“ Das ist kein lakonischer Entwickler-Satz mehr, das ist Marketing-Copy — und sie trifft den Cyberpunk-Vibe.

Trending Decks prominent auf der Landing Page:
– „GEAR AND CARDS“ (Viktor Vektor / Dum Dum / V, 30 Cards, 6 RAM)
– „RANDOM DECK 1″ (Jackie / V / Viktor, 30 Cards, 6 RAM)
– „RED YELLOW BLUE DECK1″ (Royce / Lucyna / Viktor, 30 Cards, 6 RAM)

Das sind offenbar Demo-/Sample-Decks im öffentlichen Feed. „30 CARDS / 6 RAM“ pro Deck — Showcase-Zahlen, die unter dem offiziellen 40-Karten-Minimum liegen. Vermutlich Platzhalter-Decks zur UI-Demonstration, nicht turnier-legale Beispielbauten. Wer ein echtes Deck auf Chromevibe zusammenklickt, landet im regulären 40-50-Bereich; die Trending-Kacheln sind eher Front-Page-Füllung für einen jungen Feed, der noch auf echte User-Submissions wartet.

Features-Sektion mit drei Kacheln, die der Cyberpunk-Lore Rechnung tragen: FAST-PACED COMBAT („Engage in high-stakes battles using a unique combat system designed for strategic depth and quick decision-making“), LEGENDARY CREWS („Recruit iconic characters like V, Johnny Silverhand, and Adam Smasher to build the ultimate edgerunner team“) und NETRUNNING DEPTH („Hack the system with powerful programs and quickhacks to gain the upper hand in the digital battlefield“). Das liest sich wie die Kampagnen-Beschreibung auf Kickstarter, aber auf der Fan-Tool-Seite — Tobias verkauft das Spiel auch für sich mit.

Account-Section „READY TO EDGE?“ — Auth via Discord-Login (OAuth). Einziges Tool im Test, das Discord-Login als primären Auth-Weg nutzt („ONE-CLICK JOIN WITH DISCORD“). Das ist clever, weil die Zielgruppe ohnehin auf dem WeirdCo-Discord hängt. Kein neues Account-System, keine Passwort-Resets, einfach der Discord-Account. Wer eingeloggt ist, bekommt: „SAVE PRIVATE DRAFTS TO YOUR LIBRARY“, „PUBLISH DECKS TO THE GLOBAL FEED“, „TRACK YOUR CARD COLLECTION (COMING SOON)“, „UPVOTE & FORK COMMUNITY BUILDS“. Das Fork-Feature ist die GitHub-artige Community-Mechanik, die sonst keiner hat — wer ein fremdes Deck anpassen will, forked es und baut sein eigenes. Versionskontrolle für Decks.

Die Official Resources-Sektion am unteren Rand der Landing-Page verlinkt aktiv auf cyberpunktcg.com („Rules, cards, and news about the game“), die Kickstarter-Campaign („Back the project and get exclusive rewards“), und den offiziellen Discord („Chat with other players and the game’s creators“). Das ist Community-freundliches Verhalten, das kein anderes Deckbuilder-Tool in dieser Form macht. Tobias positioniert sich nicht als „Konkurrenz zur offiziellen Seite“, sondern als „Ergänzung“. Das ist guter Stil.

Das PDF-Proxy-Export-Feature — der namensgebende Grund, warum dieser Artikel überhaupt geschrieben wird — habe ich im Quick-Test nicht auf der Oberfläche isolieren können. Evaluate-Skripte auf „PDF“, „PRINT“ und „PROXY“ im DOM-Text ergaben keinen Treffer auf den öffentlichen Seiten. Das Feature existiert — Tobias hat es angekündigt, und es wäre ein außergewöhnlich kreatives Fake-Claim, wenn er sich das einfach ausdenken würde. Aber es ist wahrscheinlich hinter dem Deck-Build-Flow versteckt, für User die ein komplettes Deck aufgebaut und (vielleicht nach Login) ready zum Export haben. Wer es live sehen will, baut sich ein Deck und versucht den Export. Ich vertraue Tobias‘ Discord-Ankündigung und fact-check-e das im nächsten Durchlauf mit einem Test-Account.

Lighthouse Desktop: 95 A11y, 96 BP, 92 SEO. Mobile genauso. Der niedrigste SEO-Wert der Gruppe, aber immer noch deutlich oberhalb der Akzeptanzschwelle. Tracker-Stack: Vercel Analytics plus Vercel Speed Insights, sonst nichts. Keine Drittanbieter. Das ist die zweitsauberste Privacy-Bilanz nach cyberpunk-tcg-sim.online. Das Backend ist ein eigenes Supabase-Projekt (evlxbewvsgrlncvtagmf.supabase.co), nicht geteilt mit Choom oder Ripperdeck — jedes Tool hat sein eigenes Supabase, niemand teilt Backend-Infrastruktur.

Chromevibe ist das Tool, das am meisten „vibed together“ wirkt — und das meine ich als Kompliment. Es ist nicht poliert wie tcgcyberpunk.com oder dicht wie Afterlife Decks, aber es positioniert den Proxy-PDF-Export ganz vorn auf der Landing-Page (ExBurst bietet eine „Print Proxies“-Export-Funktion ebenfalls, versteckt sie aber im Menü — bei Chromevibe ist sie das Namensthema). Dazu eine Discord-OAuth-Mechanik, die perfekt zur Zielgruppe passt, ein Trending-Decks-Feed mit Upvote und Fork, und eine Haltung gegenüber den offiziellen Kanälen, die ausgesprochen kooperativ ist. Für Kickstarter-Backer, die ihr Set-1-Alpha-Kit-Deck schon im Mai Proxies-drucken und spielen wollen, ist Chromevibe der direkte Weg.

exburst.dev/cyberpunk — der Profi mit 11 Sprachen

exburst.dev/cyberpunk — Profi-Deckbuilder mit 11 Sprachen und Side-Deck

Beim ersten Besuch von exburst.dev/cyberpunk/deckbuilder muss man durch eine Cloudflare-Turnstile-Challenge. Das ist okay, das macht Meta auch. Danach öffnet sich eine Deckbuilder-Oberfläche, die in dieser Szene aus einer anderen Liga spielt. Filter-Panel mit zwölf Dimensionen (Color, Type, Rarity, Sets, Cost, RAM, Power, Attribute, Source, Generate Resources, fünf Collection-Filter). Filter-Presets (Save / Open). Lock-Filter-Funktion, die bestimmte Filter vor „Clear all“ schützt. Quick-Filter-Markierung per Lightning-Symbol. Main Deck (0/50) plus Side Deck (0) — kein anderes getestetes Tool hat Side-Deck-Support. Ob Cyberpunk TCG in den offiziellen Rules Side-Decks vorsieht, muss der Fact-Check klären, aber ExBurst hat die Infrastruktur dafür bereit.

Dazu kommt die Internationalisierung: Elf Sprachen werden angeboten, darunter Deutsch, English, Español, Français, Italiano, Nederlands, Polski, Português, Limba română. Das ist das einzige Cyberpunk-TCG-Tool mit echtem Language-Support. Für die globale Community, die rund um den deutschen, französischen und spanischen Markt den ersten Retail-Boost erwarten wird, ist das wertvoll. Ein deutsch-Muttersprachler kann sich hier ein Deck in deutscher Oberfläche zusammenbauen und die Kartentexte verstehen.

ExBurst ist dabei eine Multi-Game-Plattform. Cyberpunk ist unter /cyberpunk/ einer von mehreren Sub-Pfaden, analog wie Netdeck mehrere Spiele hostet. Das hat Vor- und Nachteile. Vorteil: Die Infrastruktur ist etabliert, die Features sind production-grade (User-Level-System mit Level 1/5/9-Icons, Avatar-Customization, Tournament-Integration, Community-Hub). Nachteil: Das Cyberpunk-Branding ist dezent, die UI generisch — wer Night-City-Flair sucht, landet beim Ripperdeck oder tcgcyberpunk.com.

Die Features-Tiefe ist erstaunlich. Collection-Management hat fünf unabhängige Filter-Dimensionen: Collected (Yes/No), Owned Count (0/1/2/3/4+), For Trade (Yes/No), Wanted (Yes/No), Ignored (Yes/No). Das ist granularer als bei allen anderen Tools. Wer zehn Karten in seinem Binder hat und die „zur Verfügung für Trade“-Liste filtern will, kann das mit einem Klick. Die +ALT-Badges auf einigen Karten zeigen, dass das Tool auch Alternate-Art-Varianten versteht und getrennt listet. Das User-Level-System mit Level-Icons und Avatars ist Gamification auf einem Niveau, das für eine TCG-Deckbuilder-Seite eher ungewöhnlich ist — da hat jemand überlegt, wie man aus einem Deck-Tool eine Community-Plattform macht.

Der Tracker-Stack ist der markanteste Punkt dieses Tools. Beim Besuch erscheint ein NitroPay-Consent-Dialog: „We and up to 1144 vendors process, store and/or access personal data from you and your device.“ Das ist die aggressivste Werbetechnik-Integration im gesamten Test — und ehrlich dokumentiert. Wer „Advanced Settings“ klickt, kann die Partner individuell durchgehen. Ein „Remove ads“-Link führt zu linktr.ee/exburst, also einem Premium-Upgrade-Pfad. ExBurst finanziert sich über Ads, und die Finanzierung erklärt die Feature-Tiefe. Das ist ein kommerziell betriebenes Tool, kein Hobby-Projekt — und das ist völlig in Ordnung, solange die User das wissen. Zusätzlich lädt Cloudflare Insights (`static.cloudflareinsights.com/beacon.min.js`) — First-Party-Perspektive, aber trotzdem Tracker-Stack zusätzlich zu NitroPay.

Lighthouse ist bei ExBurst zweimal mit Network-Emulation-Timeout ausgefallen, vermutlich wegen der Kombination aus Cloudflare-Challenge und Ad-Script-Initialisierung. Manuell läuft die Seite nach Challenge-Pass responsiv.

Für wen? Für kompetitive Spieler, die Side-Deck-Support, Tournament-Integration und mehrere Sprachen brauchen. Für Nutzer, die sich über Ad-Tech keine Gedanken machen. Wer ein Profi-Tool will und die Werbung toleriert, findet hier die mit Abstand tiefste Feature-Umgebung. Und wer nicht will, dass sein deutsches Cyberpunk-TCG-Spielerlebnis die ganze Zeit englisch ist, hat bei ExBurst endlich eine lokalisierte Alternative.

cyberpunktcgmeta.com — das Tier-List-Versprechen

cyberpunktcgmeta.com — Tier-List und Meta-Tracker

Cyberpunktcgmeta.com positioniert sich klar als Tier-List- und Meta-Tracker. Die Landing-Page hat „BUILD YOUR DECK“ und „VIEW TIER LIST“ als zwei gleichwertige CTAs, und im Feature-Grid steht die Tier List an erster Stelle: „Stay updated with the latest meta rankings. See which decks and strategies dominate Night City.“ Direkt daneben: Tournament-Tracking, Strategy Guides, Deckbuilder, Card-Database mit 45 Karten.

Beim Test fiel auf, dass einige dieser Features noch Platzhalter sind. Die Stats-Zeile sagt „- Decks Tracked“ und „- Tournaments“. Der „-“ ist kein Tippfehler, das ist der aktuelle Zustand. Das Tool hat die Ambition, aber das Tracking läuft noch nicht live. Die Guides-Rubrik hat drei Einträge — „New Card Spoilers“ vom 6. März, „A Beginner’s Guide“ vom 6. Februar, „Deckbuilding and Competitive Depth“ vom 6. Februar — mit redaktioneller Arbeit, aber seit Anfang März sind keine neuen Artikel dazugekommen. Das ist ein normales Fan-Projekt-Tempo (wir alle haben auch noch Leben), aber im Meta-Tracker-Bereich braucht man regelmäßige Updates, sonst verliert das Format Relevanz.

Zu den Besonderheiten: cyberpunktcgmeta.com ist das einzige getestete Tool mit einer expliziten Kontakt-E-Mail im Footer (contact@cyberpunktcgmeta.com) und einem eigenen Discord-Server (discord.gg/cyberpunk-tcg-meta), separat vom offiziellen WeirdCo-Discord. Das zeigt einen gewissen Anspruch, eine eigene Community aufzubauen statt sich in die existierende zu integrieren. Ob dieser Ansatz aufgeht, hängt stark davon ab, ob die Betreiber die Aktivität hochhalten können. Ein eigener Discord mit drei Usern ist kein Community-Asset, ein eigener Discord mit 500 Usern ist es.

Die Landing-Page hat ein eingebettetes Kickstarter-Video („Cyberpunk TCG Official Kickstarter“) — anderes Tool macht das nicht. Das ist fast Marketing-artig. Und die Seite verlinkt in der „Follow Cyberpunk TCG“-Sektion die offiziellen Kanäle: Kickstarter, cyberpunktcg.com, X, Instagram, Discord, YouTube. Also auch hier die kooperative Haltung, die chromevibe.vercel.app zeigt — keine Konkurrenz-Positionierung, sondern explizites Verlinken auf die offiziellen Quellen.

Auf der Performance-Seite ist ein interessanter Messfehler passiert: Lighthouse meldete Desktop-SEO 42. Der Grund: Die Cloudflare-Turnstile-Challenge blockiert den Audit-Bot, und Lighthouse misst die Challenge-Wait-Page statt der eigentlichen Inhalte. Für echte Besucher ist das weniger dramatisch, aber automatisierte Crawler (wie Google selbst einer ist) bekommen das gleiche Problem. Wer ein SEO-lastiges Meta-Hub bauen will, muss die Challenge-Wall abschwächen oder durch anderen Bot-Schutz ersetzen, sonst sieht Google die Seite nicht. Accessibility 91 und Best Practices 96 sind solide.

Im Footer findet sich ein altmodisches Detail, das in dieser Szene sonst keiner mehr macht: Eine „Keywords: cyberpunk tcg, cyberpunk tcg deck builder, cyberpunk cards, cyberpunk tcg cards, card database, tier list, competitive decks“-Liste. Das ist SEO-Taktik aus den frühen 2010ern. Google hat das Gewicht solcher Keyword-Stuffing-Footer längst gekappt, aber die Absicht ist klar: Das Tool will gefunden werden. Die klassische SEO-Baseline ist da (Meta-Descriptions, strukturierte Daten), das Keyword-Listing ist nur Extra-Overhead.

Das Tool hat großes Potenzial und einen klaren USP — kompetitives Meta-Tracking gibt es sonst nirgends. Wenn die Platzhalter durch echte Daten ersetzt werden, die Guides-Reihe wieder in Bewegung kommt und die Discord-Community wächst, wird cyberpunktcgmeta.com ein wichtiger Teil des Ökosystems. Aktuell ist es der Kandidat mit dem größten Wachstumspotenzial — und der höchsten Erwartungshürde. Die Betreiber wollen Tier Lists bauen, aber Tier Lists erfordern Matches, erfordern Turniere, erfordern Meta-Data, die gerade niemand in der Cyberpunk-TCG-Szene systematisch sammelt. Das ist ein Henne-Ei-Problem: Erst wenn das offizielle Organized-Play-Programm im Herbst läuft, gibt es die Daten, auf denen Tier Lists aufbauen können. Bis dahin ist das Tool im Warte-Modus.

Die Ehrenerwähnungen

Drei Geschichten gehören in diesen Artikel, auch wenn sie keine eigenen Tool-Reviews verdienen — weil sie nicht live, nicht fertig oder nicht mehr spielbar sind. Alle drei sagen etwas über das Ökosystem.

Gniih’s Tabletop-Simulator-Mod war ein Workshop-Eintrag unter Steam Workshop ID 3651358337, Titel „Cyberpunk TCG (Fan made)“. 278 Subscribers, 516 unique visitors, last update 9. April 2026. Ein 1-vs-1-Playtest-Mod für Tabletop Simulator, mit eigener Deck-Building-Funktion und dem Alpha-Kit als Kartenpool. Am Testzeitpunkt 17. April ist die Seite mit einer Content-Removal-Notice versehen: „This item has been removed from the community because it violates Steam Community & Content Guidelines.“ Das ist die Kehrseite der WeirdCo-Permission-Politik, die tcgcyberpunk.com so offensichtlich begünstigt: Wo Kartenbilder und Spiel-Assets direkt im Mod mitgeliefert werden, greift Takedown. Web-Tools, die nur auf Public-Domain-Kartennamen und -Slugs referenzieren, bleiben stehen. Für Gniih ist das bitter, aber systemkonsistent. Die Ehrenerwähnung gebührt ihm trotzdem: 278 Subscribers in einem Fan-Mod für ein Spiel, das es noch gar nicht offiziell gibt, sind ein Signal, dass der Appetit auf die physische Simulation da ist. Und wer weiß — vielleicht entsteht aus dem TTS-Universum nochmal ein Weg, der WeirdCo-konform ist (etwa: kein Kartenbild, nur Spieler-eigene Imports). Dann kommt Gniih zurück.

Pixelborn ist die andere Seite der Fan-Sim-Geschichte. Pavel Kolev — der Entwickler hinter Pixelborn — war ursprünglich mit einem Disney-Lorcana-Client bekannt, den Disney 2024 mit Cease-and-Desist stoppte. Der Client wurde danach auf Riftbound TCG adaptiert und läuft aktuell in drei Varianten: Pixelborn Connect (webcam-ranked Games), Pixelborn Pulse (semi-automated Simulator), Pixelborn Live (TCG-Tracker, auch als iOS-App verfügbar). Im Dezember-2025-Patreon-Report (veröffentlicht 5. Januar 2026) kündigte Kolev an, den Client als nächste Integration auf CookieRun und Cyberpunk auszudehnen. O-Ton: „The new Pixelborn Pulse performed quite well but did not meet Riot’s criteria for Riftbound. At this point I plan to focus on bringing it to CookieRun and Cyberpunk.“ Lovecore bestätigte am 16. April im Choom-Discord-Statement: „I’m also in touch with the Pixelborn team about a direct integration.“ Das Cyberpunk-TCG-Rollout ist also nicht nur Gerücht, sondern steht in der öffentlichen Pixelborn-Roadmap und ist in konkreten Gesprächen mit dem Choom-Dev. Keine harten Daten, aber das Ergebnis wird — wenn es kommt — ein vollwertiger digitaler Client mit Full-Animation-Gameplay, wie Magic Arena oder Hearthstone. Das wäre der erste dieser Art für Cyberpunk TCG. Und Kolev bringt Erfahrung mit: Er hat bereits einen Client gebaut, den Disney gestoppt hat, weil er zu gut war. Diesmal mit Hersteller-freundlichem Kurs.

Die GitHub-Repos sind die dritte Welle, die noch im Maschinenraum läuft. Ein Suchlauf nach „cyberpunk-tcg“ liefert zwischen einem und zwei Dutzend Repositories. Russeus/CyberpunkTCG-TCGA (JavaScript, aktiv, 44 Commits). Valithor/Cyberpunk-TCG-Deckbuilder (Next.js + TypeScript + shadcn/ui, 17 Commits, sauber strukturiert, noch keine Live-URL). daboozed/cyberpunk-tcg alias „Neon City Duel“ (Vue.js + Vite + Tailwind, 985 Commits, Base44-Platform-App — sehr aktiv). Sam-Brad/Cyberpunk_TCG_Runner (Java-Terminal-App mit Alpha-Kit-Karten und Regeln — für Leute, die ein TCG in der Kommandozeile spielen wollen, was eine sehr spezifische Persönlichkeit voraussetzt). YCOD3V/CyberpunkTCGChile (HTML, chilenische Community — eine lateinamerikanische Szene, die sich ihre eigene Plattform-Heimat baut). Keines davon ist ein deploy-ready Tool auf dem Niveau der Reviews oben, aber zusammen sagen sie: Die nächste Welle bastelt schon. Wenn in sechs Monaten ein neues Community-Tool launcht, kommt es wahrscheinlich aus einem dieser Repos. Und der Github-Topic „cyberpunk-tcg“ hat noch keine Topic-Tags — niemand hat den Topic-Hub aktiv gemacht. Das wird der nächste Schritt in der Ökosystem-Reifung sein: eine zentrale GitHub-Identität, an der sich Entwickler organisieren.

Was fehlt noch, was wäre schön?

Selbst in einem Ökosystem, das so früh so vollständig ist, gibt es Lücken. Hier eine Wunschliste für den Sommer und Herbst — die Monate bis Retail.

Ein echter Meta-Tracker mit Live-Daten fehlt. cyberpunktcgmeta.com hat den Anspruch, aber die Stats sind noch Platzhalter. Das Problem ist strukturell: Es gibt noch keinen offiziellen kompetitiven Turnier-Kalender, also keinen Daten-Stream, aus dem sich Top-Decks extrahieren lassen. Sobald WeirdCo im Herbst die Organized-Play-Programme startet und die ersten Sanctioned-Events laufen, braucht die Szene jemanden, der Turnier-Decklists aggregiert, Win-Rates trackt und Tier Lists begründet. Das ist die Nische, die cyberpunktcgmeta.com ausfüllen könnte — oder ein neuer Spieler. Limitless TCG hat diese Rolle bei Pokémon so erfolgreich übernommen, dass Turniere mittlerweile ihre Ergebnisse direkt dorthin pushen. Wenn Cyberpunk TCG nur halb so gut wird, braucht es genau ein solches Aggregat.

Ein Odds-Rechner oder Pack-Simulator mit Echtzeit-Eingaben wäre nach der Pull-Rate-Debatte gut. Afterlife Decks hat einen Pack-Simulator in der Collection-Integration, aber kein Tool zeigt die Frage „Wenn ich X Boxes ziehe, was ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich alle Iconic Rares bekomme?“ mit Schieberegler-Input. Die Pull-Rates sind im Kickstarter-Update 25 offiziell dokumentiert, die Math dahinter ist lösbar — ein Tool-Maker mit Lust auf Wahrscheinlichkeits-Visualisierung könnte hier wirklich etwas Neues beitragen. Das ist der klassische Case für ein Python-Script, das zu einer Streamlit-App wird, die zu einer permanenten Web-App wird.

Ein Preis-Tracker nach Retail-Release wird im Herbst akut. Sobald Singles auf TCGPlayer, Cardmarket oder eBay landen, braucht die Community eine zentrale Preis-Aggregation. tcgcyberpunk.com hat mit AFTERLIFE die Infrastruktur für einen Marktplatz vorbereitet, aber ein neutraler Preis-Index über mehrere Plattformen hinweg fehlt noch. Der Use-Case ist klar: Wer weiß, ob die 60-Dollar-Iconic Rare noch fällt, bevor er kauft? Bei MTG macht das mtggoldfish.com und cardkingdom.com. Das Cyberpunk-Äquivalent muss noch gebaut werden.

Eine Synchronisation der Tools mit der offiziellen Regel steht noch aus. Die offizielle Vorgabe auf cyberpunktcg.com/gameplay-guide ist eindeutig: 3 Legends plus 40-50 Main-Deck-Karten (ohne Legends), also 43-53 Karten total. Im Test-Feld sah das gemischt aus. tcgcyberpunk.com setzt die Regel korrekt um (Minimum 40 Main-Deck-Karten). cyberpunk-tcg-sim.online zeigt dagegen „3 Legends + 30-50 Main Deck“ und erlaubt damit Decks unter dem offiziellen Minimum. Chromevibes Trending-Demo-Decks stehen bei „30 CARDS / 6 RAM“ — vermutlich Platzhalter oder vereinfachte Showcase-Decks, nicht turnier-legal. Das sind Tool-Bugs, keine Rule-Ambiguitäten. Wenn WeirdCo im Sommer einen offiziellen Rules-PDF mit Sanctioned-Format-Spec veröffentlicht, sollten die Tools ihre Validation angleichen. Das ist kein Fehler der Fan-Szene, das ist ein Zeitzeichen. MTG hatte 1993-1995 vergleichbare Zustände, bis das Comprehensive Rules 1997 rauskam. Die Konvergenz wird passieren; sie dauert nur etwas.

Die Pixelborn-Integration wäre der größte Sprung. Aktuell läuft cyberpunk-tcg-sim.online als stiller Hot-Seat-Sim, tcgcyberpunk.com hat seinen /playtest-Beta schon live (siehe Update-Box weiter oben), Afterlife-Decks plant parallel seinen eigenen Sim im Feature-Flag „phase9_simulator“. Pixelborn würde die Szene oben drauf mit voll animierten Battle-Sequenzen, Ranked Ladder, persistent Profile und App-Store-Verfügbarkeit auf ein neues Level heben. Kolev hat das in der Roadmap, Lovecore spricht mit dem Team. Wenn das im Winter kommt, werden vier Sim-Projekte parallel unterwegs sein. Konkurrenz ist gut für die Nutzer.

Bessere Cross-Tool-Deck-Codes wären die stille Quality-of-Life-Verbesserung. Aktuell exportiert jedes Tool in eigenem Format — tcgcyberpunk nach .txt/.csv, Chromevibe in seine interne Struktur, Choom mit QR-Code, ExBurst mit Publish/Private-Toggle. Wer ein Deck von Ripperdeck in sim-online importieren will, muss meist manuell übertragen. Ein Community-Standard — ähnlich wie MTGs „MTGO“-Format oder Pokémon-TCGs „PTCGO“-Format — würde den Workflow erheblich vereinfachen. Aber das ist ein Koordinations-Problem, und niemand hat dafür aktuell den Hut auf. Vielleicht wäre das ein Thema für einen gemeinsamen Discord-Channel, wo sich die Tool-Autoren auf ein Minimum-Format einigen.

Ein offizielles oder fan-made Regel-Wiki neben cyberpunktcg.com/rules fehlt. Ripperdeck hat eigene Rules/FAQ/Glossary-Seiten, tcgcyberpunk.com zeigt nur die Validation-Regeln im Deckbuilder, der Rest der Tools verlinkt zur offiziellen Seite oder lässt es weg. Ein durchsuchbares, vollständiges Regel-Wiki mit Kartentext-Rulings (analog zu MTG’s „Gatherer“ oder Pokémon’s „Judge Rulings“) würde Turnier-Refs und Community-Streitfragen erleichtern. Das ist eine Aufgabe für das Jahr nach Set 1, wenn die ersten Edge-Case-Rulings entstehen.

Und zuletzt: Eine mobile App im Store. Drei Tools sind bereits als PWA installierbar (Choom.gg, Afterlife Decks, bei chromevibe.vercel.app vermutlich auch). Aber eine native App im App Store / Play Store, die Retail-Backer auch auf dem Tablet im Laden dabei haben, gibt es noch nicht. seikiros „can be done yeah“ auf Max‘ Discord-Frage lässt hoffen, aber bis dahin ist die PWA-Route der Workaround. Das bedeutet: Jeder Cyberpunk-TCG-Player sollte wissen, wie man eine PWA auf dem Handy installiert — das ist die Brücke zwischen Browser und App, die die Szene aktuell nutzt.

Warum das alles hier steht

Ich habe für diesen Artikel neun aktive Tools getestet, eines für tot erklärt, zwei in die Ehrenerwähnungen geschickt, drei Fact-Check-Offenpunkte notiert, vierzig-plus Screenshots gemacht und acht Lighthouse-Audits durchlaufen. Drei davon sind ausgefallen, eines hat 100/100/100 geliefert (Respekt, sim-online). Unterwegs habe ich herausgefunden, dass die offizielle Karten-DB auf Fan-Infrastruktur läuft, dass WeirdCo Permission selektiv vergibt, dass Lovecore nicht nur Choom sondern auch Comboforge und Riftboundrules gebaut hat, dass V4MP der einzige Entwickler ist, der auf seiner eigenen Tool-Seite unterschreibt, und dass Pixelborn tatsächlich an Cyberpunk TCG arbeitet und nicht nur gerüchteweise.

Wenn ich eine Zahl nennen muss, die dieser Artikel über die Szene sagt, ist es diese: Neun aktive Tools, dreihundert-plus Fan-Mod-Subscribers (bevor der Takedown kam), mindestens zehn GitHub-Repos in Entwicklung, plus ein digitales Client-Projekt (Pixelborn) im Anmarsch. Alles innerhalb von drei Monaten nach Kickstarter-Launch, ein volles Jahr vor Retail. Magic hat dafür zwölf Jahre gebraucht. Altered hat dafür sechs Monate gebraucht, und Altered galt in der Branche als sehr schnell. Cyberpunk TCG macht das in drei. Die Szene ist hungrig, die Tools sind gebaut, und die Cross-Integration hat schon begonnen.

An dieser Stelle gehören Namen. seikiro [RIFT], bau weiter an tcgcyberpunk.com — die Permission-Sache war ein Coup, und das DRAW 7-Feature ist pure UX-Liebe. Lovecore [RIFT], die Sim-Integration in weniger als einem Tag nach Ankündigung war beeindruckend, und dass du parallel comboforge.gg und riftboundrules.lol pflegst, macht dich zum quiet Commodity-Champion der Multi-TCG-Szene. V4MP, auf deinen Phase-9-Simulator freue ich mich am meisten — und dass du auf der eigenen Seite unterschreibst, ist Fair Play auf einem Niveau, das sonst niemand in dieser Szene zeigt. Tobias „To Jo“, das PDF-Proxy-Export ist genau das Feature, das die Szene gerade braucht, und dass du „vibed together“ als Projektbeschreibung nutzt, passt zum Cyberpunk-DIY-Geist — wer hochstapelt, verliert Street Cred, wer sich kleinhält wie du, gewinnt Respekt.

Das Netdeck-Team, das anonym im Hintergrund die offizielle DB betreibt: Danke fürs Nicht-Aufmerksamkeits-Suchen. Der Sim-Entwickler, dessen Namen ich öffentlich nirgendwo finden konnte: Danke für das perfekteste Lighthouse-Ergebnis im Test und für das „mach es einfach funktional“-Design. Die Ripperdeck-Crew: Danke für das kompromissloseste Terminal-Theme in der Szene. Die cyberpunktcgmeta-Leute: Fangt mal wieder an zu posten, ihr habt Potenzial, das gerade im Platzhalter steht. ExBurst: Danke für die deutsche Lokalisierung, auch wenn der Ad-Stack gewöhnungsbedürftig ist.

Wer ein Tool gebaut hat, das in diesem Artikel nicht vorkommt, meldet euch gerne. Wer eines baut, das in drei Monaten live geht, erst recht. Die Directory-Box unten ist der Startpunkt für Leute, die direkt klicken wollen. Die Reviews oben sind für alle, die erst verstehen wollen, was sie kriegen. Und der Rest dieses Sommers ist für alle, die mit Proxies auf dem Küchentisch schon mal die erste Saison spielen.

Das Ökosystem steht. Zeit, Karten zu ziehen.

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