Cyberpunk TCG: Wer Gear spielt, verkauft sein Deck
Gestern Abend kam ein neues Gameplay-Video vom offiziellen Cyberpunk-TCG-Kanal, und zum ersten Mal seit den Starter-Duellen sitzen zwei richtig gebaute Decks am Tisch. Die Auflage: maximal zwei Farben. Cree „Kawa“ Gunning bringt eine Merc-Liste in Grün-Rot mit, Steve „LD“ George eine Maelstrom-Gear-Liste in Rot-Gelb. Was dann passiert, ist die beste Werbung für Gear-Decks, die ich bisher gesehen habe. Und gleichzeitig ihre schärfste Warnung.
Dein bestes Gear ist auch dein Bargeld
Steve baut auf Royce: Psycho on the Edge. Der Legend kostet 6 Eddies, hat 6 Power und bekommt während des eigenen Zugs +2 Power pro angelegtem Gear. Dazu Dum Dum: Maelstrom Triggerman und Dexter DeShawn: Off the Grid. Klingt nach einem sauberen Plan. Bis man merkt, woher in diesem Spiel eigentlich das Geld kommt.
Man verkauft Karten aus der Hand. Und in einem Gear-Deck sind die verkaufbaren Karten ausgerechnet die, die man anlegen will. Steve spricht das im vierten Zug selbst aus:
„I’m running into a little problem here where my gear is very important, but it’s also like the primary bunch of sellable cards I have. So I’m going to have to sell a premium gear option here.“
Verkauft werden Mantis Blades. Ein Eddie, 2 Power, Common. Nicht die Welt, klar, aber trotzdem wandert da ein Kernstück der Strategie in Kleingeld. Wer diese Liste nachbaut, sollte vorher wissen, welche Gear-Karten Kollateralschaden sein dürfen und welche heilig sind.
Fünf Power werden elf, und drei Meredith gucken zu
Der Star der Partie ist Caliber: Totentanz’s Top Dog. Fünf Eddies, fünf Power, Yellow, und beim Ausspielen wird eine gegnerische Unit mit Kosten 2 oder weniger besiegt. Cree verliert dadurch sofort die Corpo Security.
Dann fängt Steve an zu stapeln. Zetatech Faceplate drauf: sieben. Deadman Transmitter drauf: acht, Angriff geht durch. Cree antwortet mit Detonate.
Da steckt die eigentliche Pointe. Detonate kostet einen Eddie, ist Quick und besiegt ein gegnerisches Gear mit Power 2 oder weniger. Der Deadman Transmitter kostet drei Eddies, schützt die Unit vor einer Niederlage und hat selbst genau 1 Power. Die teuerste Schutzkarte am Brett ist damit das billigste Ziel. Wer legt danach noch guten Gewissens ein Drei-Eddie-Gear an, das ein Einer-Programm im Reaktionsfenster wegputzt?
Steve legt eine zweite Faceplate und nochmal Mantis Blades nach. Caliber steht bei elf Power.
Auf der anderen Seite: Meredith Stout: Stone Cold Corpo. Vier Eddies, fünf Power, Blocker, plus zwei Power im Kampf gegen einen Legend. Cree hat am Ende drei davon liegen. Drei Blocker, die einen 11-Power-Caliber zwar aufhalten, aber nie umbringen können, weil Caliber kein Legend ist und der Bonus deshalb nie greift. Ich find diesen Moment lehrreicher als jedes Regel-FAQ, ehrlich gesagt. Die Karte, die den Boardstate hält, ist eben nicht automatisch die Karte, die gewinnt.
Cree bringt es selbst auf den Punkt: „It’s a shame you can’t run four Merediths.“ Drei Kopien sind das Maximum, und die Partie bestätigt das ganz nebenbei.
Panam liest sich anders, als man hofft
Crees Legends waren Jackie Welles: Mama’s Favorite (6 Eddies, 8 Power, Go Solo), Johnny Silverhand: Rocking Renegade als Secret Rare und Panam Palmer: Nomad Cavalry. Der Plan dahinter: Pepe Najarro spielen, Merc-Legends wieder aufrichten, Gear über den Tisch schieben.
Nur bewegt Panam ein Gear von der Legend ausdrücklich auf eine unequipped Unit. Cree hatte beide Sandevistans auf zwei Merediths gepackt und damit den eigenen Umzugsservice ausgeknipst. Der Kommentar danach: „One of these Sandys should have went on the Jackie.“
Und Pepe? Pepe Najarro: Working Doubles, das Herzstück der ganzen Liste, taucht als allerletzte gezogene Karte des Spiels auf. Da war längst alles entschieden.
Der schönste Zug der Partie kostet trotzdem nur zwei Eddies. Crees D20 liegt auf einer 2 und ist damit praktisch tot. Peace Offering setzt den Würfel auf den Wert eines anderen Gigs, hier auf 8, und zieht eine Karte, weil dadurch ein Value-Pair entsteht. Danach Industrial Assembly: Gig um bis zu 4 erhöhen, macht 12, und weil ein Gig auf 8 oder mehr steht, kommt die nächste Karte dazu. Aus einer toten 2 werden eine 12 und zwei Karten, für zwei Eddies.
Gereicht hat es nicht. Am Ende steht es 53 zu 33 Street Cred für Steve.
Bis November spielt hier niemand Constructed
Kleiner Dämpfer für alle, die jetzt Bock haben, so ein Zwei-Farben-Deck zusammenzuschrauben: geht vorerst nicht. Die Beta-Events vom 10. bis 20. September laufen als Sealed, das Retail-Prerelease am 30. Oktober ebenfalls. Erst mit dem Verkaufsstart am 6. November kommt ihr an genug Karten, um so etwas überhaupt zu bauen.
Wer bis dahin plant, sollte auf die Seltenheiten schauen. Mantis Blades ist Common, Zetatech Faceplate Uncommon, beides also über Booster oder günstige Singles machbar. Meredith Stout ist Rare, und drei Kopien einer Rare sind im deutschen Singles-Markt erfahrungsgemäß der Posten, der wehtut. Ware kommt über Luminous Cards aus Gera in den hiesigen Handel; Läden wie White Rabbit in Essen und Aachen, die Karten-Lounge Dortmund oder KTCards haben Organized Play angekündigt, die Turniere selbst laufen über Melee.gg.
Meine Theorie zum Video: WeirdCo führt die Community absichtlich Stufe für Stufe nach oben. Erst Starter gegen Starter, dann Mono-Farbe (Adam Smasher gegen Judy Álvarez, 31. August), jetzt zwei Farben. Wenn das Muster hält, kommt vor dem 6. November noch mindestens ein Video mit drei Farbslots. Und wer davon Bock auf Gear bekommt, sollte sich früh überlegen, welche Karte ihr im dritten Zug schweren Herzens verkauft.
Quellen:
Royce vs Panam Palmer | Maelstrom vs Pepe Panam (Cyberpunk TCG YouTube, 7. September 2026)
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