Während der Kickstarter-Zähler fröhlich die $18,3 Millionen-Marke passiert hat und nur noch eine Woche auf der Uhr steht, ist eine andere Sache fast untergegangen: WeirdCo hat sich vor kurzem auf Reddit hingesetzt und in einem ausführlichen AMA die Fragen der Community beantwortet. Und Chooms — da kam einiges zusammen.
Kein PR-Blabla, sondern richtig konkrete Infos zu Mechaniken, Kartenqualität, Turnieren und dem Team hinter dem Spiel. Ich hab mir alles durchgelesen und die saftigsten Details für euch rausgezogen.
15 Minuten pro Match — und ein Team aus TCG-Veteranen
Was mich am meisten überrascht hat: WeirdCo peilt 15 Minuten pro Match an. Zwischen erfahrenen Spielern, wohlgemerkt. Für ein TCG ist das verdammt schnell — bei Magic sitzt man locker 30 bis 50 Minuten pro Partie. Das klingt nach einem Design, das bewusst auf intensive Duelle setzt statt auf Marathon-Sessions.
Zuversichtlich stimmt mich da das Team. Wir reden von Leuten, die vorher an Magic: The Gathering, Pokémon, Lorcana, Marvel Snap, Gundam und noch einem halben Dutzend anderer TCGs gearbeitet haben. Das ist keine Indie-Truppe, die zum ersten Mal Karten designt.
Noch ein paar Mechanik-Details aus dem AMA: Es gibt ein Mulligan-System (danke dafür). Das Farbsystem basiert auf Farbpsychologie und den Skill Trees aus Cyberpunk 2077 — genaueres kommt näher zum Launch. Eddies — die Ressource im Spiel — werden nicht zwischen Runden übertragen. Und wenn keiner neue Gigs annimmt, greift ab 12 Gigs die Overtime-Regel, damit Partien nicht endlos dauern.
Ehrlich gesagt find ich den Eddies-Reset pro Runde preem. Das zwingt dich jede Runde zu echten Entscheidungen statt Ressourcen zu horten.
12 Karten pro Pack und CGC-Grading ab Tag 1
Handfeste Fakten zu den Karten selbst: 12 Karten pro Booster Pack. Rares und höher kriegen Foil-Treatment, Commons und Uncommons bleiben erstmal non-foil (Foil-Versionen könnten später kommen). Bei der Kartenqualität orientiert sich WeirdCo an One Piece TCG und Riftbound — wer die in der Hand hatte, weiß: das ist solides Material.
Richtig spannend finde ich die Zusammenarbeit mit CGC für Grading und Fälschungsschutz. Die Metal V – Corporate Exile Karte kommt sogar vorbewertet. Ob ein Pristine 10 garantiert werden kann — offen. Aber der Ansatz zeigt, dass WeirdCo von Tag 1 an über den Sammelmarkt nachdenkt.
Die Starter Decks („The Heist“ und „Embracing Power“) sind vollständige 40-Karten-Decks mit jeweils drei exklusiven Legends. Zwei Stück brauchst du für ein komplettes Playset. Und laut AMA werden die kompletten Decklisten noch vor Kampagnenende gespoilert — also in den nächsten Tagen.
Vom Game Store bis zur Weltmeisterschaft
Die Turnier-Roadmap hatten wir hier schon angerissen, aber das AMA liefert die konkreten Event-Namen. Los geht’s mit dem Edgerunner Regional Open zu Set 1, dann folgt das Night City District Open zu Set 2. Darüber das Black Sapphire Invitational Championship — und ganz oben die Cyberpunk TCG World Championship.
Das erste große Event soll noch 2026 stattfinden. Alle organisierten Turniere laufen im Best-of-3-Format, egal ob Constructed oder Sealed. Prize Support gibt’s als Promo-Karten mit Special Foiling und Alt-Art.
Was mich ein bisschen enttäuscht: Draft wird zum Launch nicht offiziell unterstützt. Sealed ja, Draft nein. WeirdCo sagt, das Produkt wurde „mit Draft-ähnlichen Prinzipien“ designt und sie schauen sich das für die Zukunft an. Schade — Draft ist für mich einer der besten Wege, ein neues TCG zu lernen.
Kein digitaler Client — dafür Freiheit
Die vielleicht kontroverseste Aussage im ganzen AMA: Es gibt keine Pläne für einen Online-Client. Kein offizielles digitales Spiel, kein Tabletop Simulator von WeirdCo. 2026. Mutig.
Aber — und das ist der entscheidende Punkt — Community-erstellte Simulatoren werden erlaubt, solange die nicht monetarisiert werden. WeirdCo will eng mit CDPR zusammenarbeiten, um Community-Plattformen zu ermöglichen. Pragmatisch: Kein Budget für eigene Digital-Entwicklung verbrennen, aber der Community die Werkzeuge lassen.
Meine Theorie: Der digitale Client kommt irgendwann, wenn das physische Spiel erstmal läuft. Aber nach dem Marvel Snap-Desaster versteh ich jeden TCG-Entwickler, der da erstmal die Finger von lässt.
Die Details, die fast untergegangen sind
Lokalisierung ist so ein Thema. Französisch wird die erste Übersetzung nach Englisch. Deutsch wurde nicht explizit erwähnt — was mich als deutschen Cyberpunk-Fan natürlich ein bisschen sticht. Aber mal ehrlich, der deutschsprachige TCG-Markt spielt meistens eh auf Englisch.
Bei den Conventions ist WeirdCo 2026 ordentlich unterwegs: PAX East, Gen Con, Anime Expo und — für uns in Europa relevant — Spiel Essen. Kein PAX Unplugged dieses Jahr.
Und dann noch was für die Lore-Fans unter euch: WeirdCo hat einen Narrative Designer mit TCG-Erfahrung eingestellt. Set 1 deckt die Kern-Story von Cyberpunk 2077 ab. Phantom Liberty und Edgerunners Season 2 kommen in späteren Sets. CDPR ist eng eingebunden — mehrere Meetings pro Woche zu Art, Gameplay und Charakter-Darstellung.
Ach ja, fast vergessen: Zukünftige Sets laufen NICHT mehr über Kickstarter. Ab Set 2 (Q1 2027) geht alles direkt über den Retail-Handel. Das ist ein starkes Signal an jeden Game Store da draußen.
Insgesamt hat das AMA gezeigt, dass hinter dem Kickstarter-Hype ein Team steckt, das weiß was es tut. Ob die 15-Minuten-Matches wirklich funktionieren und ob das Farbsystem so clever ist wie angedeutet — das werden wir spätestens bei den Starter Deck Spoilers sehen. Die kommen ja angeblich noch vor dem 17. April.
Bleibt die Frage: Wird Spiel Essen der Moment, wo das europäische TCG-Publikum endgültig einsteigt? Ich hab jedenfalls schon mal Urlaub eingereicht.
Quellen:
CyberpunkTCG.gg — Reddit AMA
Kickstarter — The Official Cyberpunk Trading Card Game
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