Seit gestern liegt bei allen Backern eine neue Umfrage im Postfach, und diesmal wird es ernst. Kickstarter-Update Nr. 56 (intern die fünfte Runde von „WeirdCrew Makes the Card“) stellt genau eine Frage: Soll die Maine-Legend der Community das Keyword Go Solo bekommen? Ja oder nein. Mehr Auswahl gibt es nicht.
Klingt nach einer Kleinigkeit. Ist es nicht.
Kurzer Rückblick für alle, die die Serie nicht verfolgen: Seit Update Nr. 43 vom 22. Mai baut die WeirdCrew, also der Membership-Club aus dem 20,77-Millionen-Stretch-Goal, Stück für Stück eine echte spielbare Karte. Abgestimmt wurde bisher über Charakter, Farbe und thematischen Aufhänger. Herausgekommen ist: Maine, rot, erzählt entlang seines Wegs in die Cyberpsychose. Wer die Edgerunners-Folgen kennt, weiß, wo diese Geschichte hinläuft.
Go Solo frisst das halbe Kartenbudget
Go Solo steht schon auf gedruckten Karten, das Keyword ist also längst kein Experiment mehr. Auf V — Corporate Exile liest es sich so: „Pay this Legend’s cost to play it as a ready Unit. It can attack this turn. If it leaves the field, remove it from the game.“ Du zahlst die Kosten, legst deine Legend als fertiges Unit aufs Feld, und sie greift noch in derselben Runde an. Summoning Sickness gibt es für sie nicht.
Was dabei gern untergeht: Legends sind im Cyberpunk TCG nicht bloß Charaktere, sie sind auch dein Eddie-Motor. Sie starten verdeckt in der Legends-Zone, und jede Runde darfst du sie quer legen, um Geld zu ziehen. Wer eine Legend als Go-Solo-Unit rauswirft, nimmt sie aus genau dieser Rolle heraus. Du tauschst laufendes Einkommen gegen einen sofortigen Angriff. Stirbt das Ding, ist es endgültig aus dem Spiel.
Der Haken steht im Update sogar drin, WeirdCo redet da gar nicht drum herum: Ein guter Teil der Kartenstärke steckt danach in diesem einen Keyword. V — Corporate Exile ist das Musterbeispiel dafür. Kosten 5, Power 8, RAM 2, und im Regeltext steht nichts außer Go Solo. Ein Brett von einer Karte, das nichts Cleveres tut.
Die Gegenprobe liefert WeirdCo gleich mit: Panam Palmer — Nomad Cavalry. Kein Go Solo, dafür ein Regeltext, der Gear zwischen Legend und Units herumschiebt und am Zugende gleich mehrere Karten wieder aufrichtet. Das ist eine Engine. Darum baut man ein Deck.
Die Frage an die Backer heißt im Klartext also: fetter Körper oder eigene Mechanik?
Rot will eskalieren, Cyberpsychose braucht Regeltext
Rot ist im Color Pie die Farbe der Eskalation. Design-Lead McDarby hat das mal mit „crank it up to 11″ umschrieben: Street Cred hochtreiben, Dinge kaputtmachen, den Punk im Cyberpunk betonen. Go Solo passt dazu wie angegossen. Maine chromt sich zu, stürmt rein, macht Schaden. Genau so hat die Figur in der Serie funktioniert.
Nur lebt Cyberpsychose als Thema von Regeltext. Ein Abstieg, eine Schwelle, die man überschreitet, ein Preis, den man zahlt: Das alles muss irgendwo auf der Karte stehen. Geht das Budget größtenteils dafür drauf, dass Maine sofort zuschlagen darf, bleibt für die eigentliche Geschichte wenig Platz. Die Community hätte dann eine thematische Entscheidung getroffen und würde sie mit der mechanischen gleich wieder halb einkassieren.
Dann wäre da noch der Slot-Druck. Drei Legends pro Deck, mehr sind nicht erlaubt. Eine Legend, die man im Zweifel einfach als Angreifer verheizt, konkurriert mit zwei anderen, die den ganzen Plan tragen sollen.
Ich stimme deshalb mit Nein. Einen Go-Solo-Beater in Rot gibt es bereits, ein zweiter wäre nett und trotzdem austauschbar. Eine Legend, die Maines Absturz in Regeln gießt, hätte in einem Jahr noch Gesprächswert. Ihr dürft das gern anders sehen, und mal ehrlich, ich rechne fest damit, dass Ja gewinnt: „Meine Karte greift sofort an“ ist in einer Umfrage ein verdammt gutes Argument.
Für deutsche Backer läuft die Uhr
Abstimmen dürfen nur Backer, die Umfrage liegt hinter dem Kickstarter-Login und läuft sieben Tage ab dem 29. Juli. Realistisch heißt das: bis zum 5. August, US-Zeit. Wer mitreden will, sollte das nicht auf den letzten Drücker schieben, denn die Kickstarter-Uhr tickt nicht nach mitteleuropäischer Zeit. Klein ist die Runde übrigens nicht, die Kampagne steht bei 50.773 Backern und 28.353.088 Dollar.
Offen bleibt die Frage, die mich als Käufer mehr umtreibt als das Keyword: In welchem Produkt landet diese Karte am Ende? Dazu hat WeirdCo bisher nichts Konkretes gesagt. Für den deutschen Markt macht das einen Unterschied. Luminous Cards bringt ab dem 6. November die reguläre Ware in den Handel, aber ob eine Community-Karte als Promo, als Set-Bestandteil oder als Backer-Exklusiv erscheint, entscheidet darüber, ob man sie hierzulande ohne Umweg über den Sekundärmarkt überhaupt in die Finger bekommt. Bei der Gestaltung hat ohne Club-Mitgliedschaft niemand ein Stimmrecht. Beim Kaufen dann hoffentlich schon.
Quellen: Kickstarter-Update Nr. 56, WeirdCo, 29. Juli 2026 · V — Corporate Exile im offiziellen Kartenindex · Panam Palmer — Nomad Cavalry · Kampagnenseite auf Kickstarter
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Said Benadjemia – online als „Kenearos“. Cyberpunk-Fan seit dem ersten Trailer 2012, Night-City-Legend-Backer der Cyberpunk-TCG-Kickstarter-Kampagne 2026. Schreibt hier auf Deutsch alles rund ums Cyberpunk Trading Card Game von WeirdCo und CD Projekt Red – Kickstarter-News, Deep Dives zu Mechanik und Lore, Charakterguides, Strategieartikel.




