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Welcome to Night City TCG: Ab 1. September liefert WeirdCo — was EP13 wirklich versprochen hat

Cyberpunk TCG Welcome to Night City — Cyberdeck Podcast Episode 13
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Es gibt diese Sorte Update, bei der ein Crowdfunding-Projekt aufhört, in Wellen und Quartalen herumzueiern, und einfach ein Datum auf den Tisch knallt, an dem man es festnageln kann. Episode 13 des Cyberdeck-Podcasts ist genau das fürs Welcome to Night City-Kartenspiel von WeirdCo. Kein „Q3“, kein „irgendwann im Herbst“. Ein Korridor: Ab dem 1. September 2026 sollen die Pakete bei den Backern ankommen, Zielfenster 1. bis 15. September. Gilt aber nicht pauschal für jeden. Es hängt am Expedited Shipping (Netrunner-Kit und höher). Und für die heikelste Gruppe, die Pledge-over-time-Leute, peilt der Plan zwar auch den 1. September an, aber mit ausdrücklich offen ausgesprochenem Restrisiko.

Im selben Atemzug schiebt Co-CEO Lohan Wei die Ladenregal-Schiene nach hinten. Pre-Release am 31. Oktober, der eigentliche globale Verkaufsstart am 7. November. Nicht der 1. Oktober, der bei einigen Händlern herumgeisterte. Wer gehofft hatte, das Spiel im Oktober einfach im Laden zu greifen, wartet jetzt rund einen Monat länger als gedacht.

Backer früher, Laden später? Das ist die eigentliche Geschichte dieser Folge, und sie ist verzwickter als die zwei Schlagzeilen, die man sich daraus basteln könnte. Ich nehm sie Stück für Stück auseinander, mit dem, was WeirdCo tatsächlich gesagt hat — und sage es dort, wo die Folge nichts hergibt.

Der Satz, um den sich alles dreht

Der Nachrichtenwert von EP13 ist nicht „es gibt eine Verschiebung“. Er ist, dass WeirdCo zum ersten Mal überhaupt selbstbewusst ein hartes Datum nennt. Klingt nach einer Kleinigkeit, verändert aber komplett, wie man die ganze Folge lesen sollte.

Bisher gab es vage Q3/Q4-Andeutungen und das übliche optimistische „Estimated Delivery“, das auf Kickstarter ohnehin jeder mit einem Körnchen Salz nimmt. EP13 dreht den klassischen Crowdfunding-Reflex um. Normalerweise nennt man früh ein hübsches Datum, wenn das Spiel noch nicht mal gedruckt ist, und konkretisiert dann spät und kleinlaut. Hier kommt die feste Ansage erst, nachdem die Produktion durch die Qualitätskontrolle gelaufen ist. Wei sagt selbst, man könne jetzt erst „confidently“ Daten nennen, weil die Kette so weit steht, dass die Daten sie auch tragen.

Unsicherheit, die sich zu einem Versprechen verdichtet hat. Vorher: Wellen, Quartale, gut gemeintes Achselzucken. Jetzt ein Zwei-Wochen-Fenster vom 1. bis 15. September für die Expedited-Tiers (Netrunner-Kit und höher). Genau deshalb ist der Frame „Verzug bei den Backern“ schlicht falsch. Es gab kein hartes Datum, das jetzt gerissen würde. Statt vager Quartale steht ein konkretes Datum da, das gehalten werden soll.

Eine Einschränkung muss mit, sonst überverkauft man die Sache. Dass das jetzige Datum eine „Verbesserung“ gegenüber früher sei, lässt sich nicht sauber gegen ein bestätigtes Vorher-Datum rechnen. Die Kickstarter-Seite selbst war zum Recherchezeitpunkt nicht erreichbar (403), die kursierenden Vergleichszahlen stammen aus Sekundärquellen. Sauber formuliert heißt es also nicht „WeirdCo hat vorgezogen“, sondern „WeirdCo hat sich erstmals committet“. Weniger reißerisch, aber das ist, was die Datenlage hergibt.

Das September-Fenster, im Detail und mit dem Kleingedruckten

Beim versprochenen Fenster steckt der Teufel im Detail. WeirdCo plant, im Zeitraum vom 1. bis 15. September an die Backer auszuliefern. Wei spricht davon, dass die „vast vast vast majority“ der Backer in diesem Fenster ihr Produkt bekommen soll. Diese dreifache Betonung ist ein eingebautes Eingeständnis, dass es Ausnahmen geben wird. Niemand sagt dreimal „vast“, wenn er „alle ausnahmslos“ meint.

Jetzt das Kleingedruckte, das in jeder Begeisterungs-Schlagzeile fehlt. Das September-Fenster gilt für Expedited Shipping, also für die schnelleren Versandoptionen, die an den größeren Tiers hängen: Starter Decks, die Booster-Box-Produkte, die Netrunner-Kits und alles darüber. Der Standard-Versand ist im September-Korridor ausdrücklich nicht mit zugesagt. Wer ein Tier mit normalem Versand hat, sollte sich das September-Datum lieber nicht ans Pinnboard hängen.

Wichtige Unterscheidung, und WeirdCo macht sie selbst. Man kann das schäbig finden („warum nicht alle?“) oder ehrlich („sie sagen wenigstens, für wen es gilt“). Ich tendiere zu Letzterem. Es wäre einfacher gewesen, ein pauschales „ab September für alle“ rauszuhauen und sich später rauszureden. Stattdessen kommt die Bedingung gleich mit. Für dich als Backer heißt das ganz konkret: Schau in deinen Pledge, prüf welche Versandart dranhängt, und stell deine Erwartung entsprechend ein.

Hält das Fenster, bedeutet das etwas sehr Greifbares. Ab dem 1. September könntest du tatsächlich die ersten Packs aufreißen. Das ist der Moment, auf den man bei einem TCG hinfiebert. Nicht der Pledge, nicht der Pledge Manager, sondern das physische Auspacken einer Booster Box, das Sortieren, das erste Mal die Karten in der Hand. Und wenn du an dem Punkt schon vorausdenkst: Sleeves besorgst du dir besser vor dem 1. September und nicht erst, wenn die Box schon auf dem Tisch liegt. Karten in Standardgröße passen in handelsübliche Card Sleeves im Standardformat (66×91 mm), und es wäre echt ärgerlich, die ersten Spiele ungeschützt zu zocken, nur weil die Hüllen noch unterwegs sind. Das ist der einzige Punkt, an dem ich überhaupt einen Kauf-Tipp einstreue. Das Spiel selbst läuft über Kickstarter-Direktversand und den Fachhandel; einen Amazon-Link aufs Produkt selbst gibt es hier nicht, das wäre erzwungen.

Warum das Datum halten könnte: die Produktionskette von hinten gedacht

Ein Datum ist nur so gut wie die Logistik dahinter. Das ist der Teil von EP13, der mich überzeugt hat, dass das 1.-September-Versprechen mehr ist als Wunschdenken. Wei denkt die Kette nämlich vom Liefertermin her, nicht „wir fangen jetzt an und schauen mal“. Das ist der Unterschied zwischen einem Plan und einer Hoffnung.

Die Stationen, so wie sie in der Folge stehen. Am Anfang die Press Checks, also die Vor-Ort-Druckabnahme, vom 18. bis 27. Mai. Danach lief die erste massenproduzierte Booster Box durch die Qualitätskontrolle, am 3. Juni bestanden. Erst nach diesem QC-Bestehen erklärt WeirdCo das Produkt als „fully in mass production“. Ein Status mit Substanz, an konkreten, abgeschlossenen Schritten festgemacht — dazu gleich mehr im Produkt-Block.

Von der laufenden Massenproduktion aus rechnet Wei weiter. Der eigentliche Druck dauert etwa ein bis anderthalb Monate. Die Fracht wird Anfang bis Mitte Juli abgeholt, kommt Anfang bis Mitte August in den Fulfillment-Centern an, und ab dem 1. September geht die Auslieferung an die Backer los. Über den ganzen Plan hinweg, Pickup, Fulfillment, 1.-September-Backer, hat WeirdCo nach eigener Rechnung rund 30 Tage Gesamtpuffer eingebaut.

Dieser Puffer ist der eigentliche Grund, warum die Ansage robust ist. Wei sagt es selbst ziemlich direkt:

„the September 1 deadline will not be kind of put in jeopardy … if it’s just a one week, two weeks here and there“

Übersetzt: Wenn irgendwo ein, zwei Wochen verloren gehen, in der Druckerei, im Hafen, beim Zoll, wo auch immer, kippt das Datum nicht. Der 30-Tage-Puffer frisst kleine Schlucker weg. Das ist die Art Planung, die einem das Vertrauen gibt, dass da jemand schon mal Logistik gemacht hat und nicht zum ersten Mal mit einem Container hantiert. Crowdfunding ist voll von Projekten, die ihr Datum mit null Puffer ansetzen und dann beim ersten Schluckauf reihenweise umfallen. Hier ist die Toleranz von vornherein drin.

Zum Durchsatz: Die Fulfillment-Kapazität liegt laut Folge bei rund 10.000 Paketen pro Tag, abgewickelt unter anderem mit Teilzeitkräften. Klingt erstmal beeindruckend, hat aber eine zweite Seite, die für die Pledge-over-time-Diskussion gleich noch wichtig wird. 10.000 Pakete pro Tag funktionieren nur, wenn die Adressdaten rechtzeitig sauber vorliegen. Eine Teilzeitplanung lässt sich nicht beliebig dehnen, wenn am Tag X plötzlich Tausende Adressen fehlen. Merk dir die Zahl, wir kommen darauf zurück.

Was an dieser Kette auffällt: Jede Station hat einen Namen und ein Zeitfenster. Press Checks mit Datum, QC mit Datum, Druckdauer als Spanne, Freight-Abholung als Spanne, Center-Ankunft als Spanne. Dahinter steckt ein durchdachter Plan mit benannten Zwischenstationen und ausgewiesener Toleranz, kein Wunschdatum, das aus dem Nichts auf eine Folie geklatscht wurde. Genau deshalb halte ich das 1.-September-Fenster für technisch plausibel. Nicht weil WeirdCo es behauptet, sondern weil die Kette dahinter geschlossen ist.

Der Produktionspartner: RR Donnelley in Shanghai — und warum der Erfolg die Wahl verengt hat

Wer verstehen will, warum die Timeline überhaupt steht, muss über den Druckpartner reden. Und hier wird es für europäische Leser gleichzeitig interessant und ein bisschen unbequem. WeirdCo druckt bei RR Donnelley (RRD), und zwar im Werk in Shanghai. Eine Anlage, die es seit über 20 Jahren gibt und die seit einigen Jahren auch Trading Card Games druckt.

Spannend ist das Timing der Entscheidung. WeirdCo hat den Druckpartner erst nach dem Ende der Kickstarter-Kampagne festgelegt. Der Grund ist banal und einleuchtend zugleich: Vorher wusste niemand, wie groß die Druckmenge sein würde. Und die fiel deutlich größer aus als ursprünglich geplant, Wei spricht von einer „bigger number than originally expected“. Erst als die finale Backer-Zahl feststand, ließ sich überhaupt sagen, welcher Partner das Volumen in der nötigen Zeit stemmen kann.

Hier verknüpfen sich Kampagnenerfolg und Liefertimeline auf eine Weise, die man selten so klar ausgesprochen bekommt. Der Erfolg hat die Optionen verengt. Bei einer Kampagne, die laut Recherche bei rund 28,3 Millionen Dollar und etwa 50.773 Backern landete, ist das Druckvolumen schlicht enorm. Wei begründet die China-Wahl offen mit Kapazität und Geschwindigkeit. Nicht-China-Vendoren hätten, so die Aussage, „twice, three times“ so lange gebraucht. Bei dieser Menge und diesem Zeitfenster blieb realistisch nur RRD/Shanghai.

Man kann das mögen oder nicht, aber die Logik ist nachvollziehbar. Blind nach China gegriffen hat WeirdCo auch nicht. Vor der Entscheidung lief breites Sampling über sogenannte „Alpha Kits“, die in Europa, den USA und Asien getestet wurden. Und beim eigentlichen Druck war ein zehntägiger Press-Check vor Ort dabei, also Menschen, die in Shanghai stehen und die Druckbögen kontrollieren, statt sich auf Fotos zu verlassen. Das ist der Unterschied zwischen „wir lassen irgendwo billig drucken“ und „wir haben den Druckprozess physisch begleitet“.

Für uns in Europa bleibt trotzdem eine Spannung, die ehrlich benannt gehört, statt sie wegzulächeln. Produziert wird in China, und das Fulfillment ist global verteilt. Für die Produktqualität ist das erstmal egal, der Press-Check vor Ort spricht eher für als gegen die Qualität. Aber für die Frage, was am Ende beim deutschen Backer ankommt und zu welchen Konditionen, ist genau diese Konstellation der Grund, warum man den EU-Block (weiter unten) als Watchlist und nicht als geklärte Sache behandeln muss. China-Produktion plus internationaler Versand, das ist die klassische Konstellation, bei der Zoll und Einfuhrumsatzsteuer für EU-Kunden zur bösen Überraschung werden können. Mehr dazu später, ehrlich und ohne Spekulation über Zahlen, die EP13 schlicht nicht nennt.

Produktionsstatus und Produkt: was „in Massenproduktion“ hier konkret heißt

„Fully in mass production“ ist so ein Satz, den jedes Crowdfunding-Projekt gern sagt und den man genauso gern überliest. Bei EP13 lohnt es sich, genauer hinzuhören, weil der Status durch abgeschlossene Schritte gedeckt ist und nicht nur behauptet wird. Für einen Kickstarter-Status-Artikel ist das das stärkste Vertrauenssignal, das es gibt, und der Punkt, der EP13 von einem reinen Ankündigungs-Update unterscheidet.

Die QC-Schritte, die in der Folge konkret genannt werden. Ein Color-Check an 25 Print-Sheets, abgearbeitet mit fünf Bögen pro Tag. Eine Qualitätskontrolle für Schnitt und Zentrierung der Karten. Eine eigene Collation-Session, also die Prüfung, ob die Karten in der richtigen Verteilung in den Packs landen. Und ein Packaging-Reveal, bei dem die fertige Verpackung gezeigt wurde.

Der Höhepunkt ist die Qualitätskontrolle der ersten massenproduzierten Booster Box am 3. Juni. Bestanden. Wei beschreibt die Collation auf Basis der bisher geöffneten Boxen als „fully accurate“, und die einzigen Beanstandungen waren Kleinigkeiten, ein paar Kratzer auf einzelnen Karten, eine Drucker-Setup-Korrektur. Nichts, was den Zeitplan gefährdet. Genau das füllt das Wort „Massenproduktion“ mit Substanz: Eine Box, die aus der echten Produktionslinie kommt, läuft durch die Kontrolle und kommt fast sauber durch.

Zum Produkt selbst, soweit die Folge es preisgibt. Es gibt eine 36-Pack Beta Booster Box mit Adam Smasher als Hauptmotiv und eine 24-Pack-Variante mit Judy. Dazu zwei Starter Decks. Und hier wird es kurz unübersichtlich, weil sich Quellen widersprechen. Das sage ich lieber offen, als es stillschweigend glattzubügeln.

Im Transcript ist von Starter Decks die Rede, die an Charaktere geknüpft sind: ein Starter um V’s corporate exile und ein Goro-Takamura-Deck, beide mit Beta-Symbol. In einem UK-Shop tauchen dagegen Produktnamen wie „Embracing Power“ und „The Heist“ auf. Das passt nicht zusammen, und ich will nicht so tun, als hätte ich die Antwort. Meine Vermutung: Das eine sind die Charaktere/Themen der Decks (V, Goro), das andere die Produktnamen im Handel. Aber das ist eine Vermutung, kein Fakt. Wer nach den Starter Decks sucht, sollte sich nicht wundern, wenn ihm beide Bezeichnungspaare begegnen. Aufgelöst ist die Sache in EP13 nicht.

Was ebenfalls offenbleibt: eine vollständige Tier- und Preisliste. Aus der Kickstarter-Kampagne ist das „Night City Legend“-Tier bekannt, in EP13 selbst wird es aber nicht eigens behandelt, eine komplette Aufstellung gibt es in dieser Folge nicht. Das begrenzt, wie tief man beim Produkt- und Tier-Block gehen kann, ohne ins Spekulieren zu rutschen. Und Spekulieren ist genau das, was man bei einem Shipping-Update nicht braucht.

Die Retail-Verschiebung: aus 1. Oktober wird 31. Oktober und 7. November

Jetzt zur einzigen echten Verschiebung in dieser Folge, und zur zweiten Hälfte des scheinbaren Widerspruchs vom Anfang. Während die Backer-Schiene sich verdichtet und festlegt, rutscht die Retail-Schiene sichtbar nach hinten.

Die neuen Daten: Pre-Release am 31. Oktober, globaler Retail-Release am 7. November. Wei ist da unmissverständlich:

„this is it, this is the retail release“

Relevant ist das, weil vorher andere Daten im Umlauf waren. Über einen Händler (The Card Vault) kursierte der 1. Oktober als Verkaufsstart. Gegen dieses Datum gehalten heißt der 7. November: Der Laden-Start verschiebt sich um gut einen Monat (rund fünf Wochen) gegenüber dem 1. Oktober, der bei einigen Stores stand.

Und jetzt der Punkt, der die ganze Folge zusammenhält: Diese Verschiebung betrifft Backer überhaupt nicht. Wer gebackt hat, bekommt sein Produkt im September-Fenster. Wer im Laden kauft, wartet bis November. Zwei verschiedene Zielgruppen mit zwei gegenläufigen Bewegungen, und genau diese saubere Trennung ist der Kern von EP13. Backer rücken vor, Endkunden im Handel rücken zurück.

Für Backer ergibt sich daraus ein konkreter, belegbarer Vorteil. Zwischen dem 1. September (Backer-Fenster) und dem 7. November (Retail) liegen rund neun Wochen. Neun Wochen, in denen Backer das Spiel spielen, während es im Laden noch nicht zu haben ist. Heißt im Klartext: Dein Pledge kauft dir das Produkt und rund zwei Monate Vorsprung. In einer Szene, in der das Meta-Game und die ersten Deck-Bauten Gold wert sind, ist das mehr als ein nettes Extra.

Wer also gerade ein bisschen sauer auf die Retail-Verschiebung ist: Sie ist real, aber sie trifft die falsche Gruppe, wenn man sie als Backer-Problem framt. Sie ist ein Händler- und Endkunden-Thema. Für die Backer ist sie sogar ein Vorteil.

Der wunde Punkt: Pledge-over-time und die Survey-Mechanik, die über deinen Platz entscheidet

So weit klingt vieles erfreulich solide. Jetzt zur heikelsten und ehrlichsten Stelle der Folge, und zu dem Teil, bei dem du als Backer tatsächlich selbst am Ergebnis drehen kannst.

WeirdCo peilt zwar den 1. September an. Im selben Atemzug wird im Podcast aber eingeräumt, dass für die Pledge-over-time-Backer ein Restrisiko bleibt. Wörtlich:

„there is a risk for the pledge over time backers in terms of potential delays … the current plan as it stands is to deliver the pledge over time product by September 1st.“

Das sagt zwei Dinge auf einmal. „Der aktuelle Plan ist, auch POT-Backer bis zum 1. September zu beliefern“ und „es gibt ein Risiko für genau diese Gruppe“. Kein Versehen, kein Widerspruch, den man wegredigieren sollte. Das ist Ehrlichkeit. Der aktuelle Plan zielt auch für die Pledge-over-time-Leute auf den 1. September, mit der ausdrücklichen Ansage, dass es bei dieser Gruppe am ehesten wackeln kann. Wer diese Stelle glattbügelt, betrügt seine Leser.

Pledge over time heißt, vereinfacht, dass diese Backer in Raten zahlen. Das macht ihre Auslieferung naturgemäß abhängiger davon, dass alles rechtzeitig im Lot ist: Zahlung, Daten, Reihenfolge. Und hier kommt der Hebel ins Spiel, den du selbst in der Hand hast.

WeirdCo fordert ziemlich nachdrücklich dazu auf, die BackerKit-Survey sofort auszufüllen, sobald sie öffnet. Und sie öffnet laut Folge am 18. Juni. Die Begründung ist direkt und unverblümt: Wer die Survey nicht zeitnah ausfüllt, landet „into the back of the queue“. Hinten in der Schlange. Das hängt direkt an der Logistik von oben. Erinnerst du dich an die 10.000 Pakete pro Tag mit Teilzeitkräften? Diese Planung geht nur auf, wenn die Adressdaten rechtzeitig und sauber vorliegen. Fehlt deine Survey, kann dein Paket nicht in den Tagestakt eingeplant werden, also rutschst du nach hinten.

Das ist der seltene Fall, in dem ein Liefertermin am Tier und am eigenen Tempo zugleich hängt. Die Lieferreihenfolge wird mitbestimmt davon, wie schnell du deine Survey abschließt. Wenn du gebackt hast und dieses Update liest: Trag die BackerKit-Survey in deinen Kalender ein, am besten gleich für den 18. Juni selbst. Adresse aktuell halten, ausfüllen, abschicken. Das ist der konkreteste Service-Tipp aus dieser ganzen Folge, er kostet dich zehn Minuten und kann dir Wochen sparen.

Ich find diese Stelle übrigens die stärkste der ganzen Folge. Nicht weil sie gute Nachrichten bringt, sondern weil sie die einzige ist, die dem Backer eine echte Stellschraube in die Hand gibt. Alles andere ist Beobachten und Abwarten. Das hier ist Handeln.

Die Retail-Vorlauf-Maschine: 3.000 Stores, Beta-Events und ein deutscher Fixpunkt

Auch wenn der Retail-Start nach hinten gerutscht ist, läuft die Maschine dahinter längst. Ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass hinter der Händler-Schiene eine echte Logistikspur mit eigenen Daten steckt, nicht bloß ein Versprechen.

Über 3.000 Stores sind bereits über die Distributoren angemeldet. Es gibt Beta-Events vom 10. bis 17. September, und hier steckt wieder durchdachte Sequenzierung drin. Diese Events überlappen mit dem hinteren Teil des Backer-Fensters (1.–15. September) und reichen darüber hinaus. Die Logik dahinter ist sauber: Bis die Beta-Events laufen, sollen die meisten Backer ihr Produkt schon in der Hand haben („most people already received product in hand“). Man legt die öffentlichen Events also bewusst ans Ende des Backer-Fensters und danach. Das ist die Art Reihenfolge, die man sich überlegt, wenn man die Community nicht vor den Kopf stoßen will, die das Ding finanziert hat.

Die Beta-Events haben einen Haken: Sie sind auf die frühesten Retail-Supporter beschränkt, die sehr früh vorbestellt haben (für eine garantierte Allokation lag die Grenze beim 1. Mai), und gedeckelt. Wer auf ein Beta-Event in seinem Laden hofft, hat keine Garantie. Der Store-Locator und das Event-Signup sollen laut Folge bis Gen Con live sein, also bis Ende Juli/Anfang August.

Für den Vertriebs-Vorlauf gibt es außerdem neue Demo Decks, die WeirdCo bei der Anime Expo (2.–5. Juli) zeigen will, dort zum Vorführen, nicht zum Mitspielen, sowie ein Print-and-Play, das „very early July“ kommen soll. Die Demo Decks gehen kostenlos in die Stores. Der klassische TCG-Move: Bevor das Spiel im Laden steht, sorgt man dafür, dass die Leute es vorher schon angespielt haben. Wer einmal eine Runde gespielt hat, kommt eher wieder und kauft.

Und jetzt der Teil, der für uns in Deutschland am meisten zählt: Essen Spiel. WeirdCo plant eine große Präsenz bei der Spiel in Essen, und zwar in der Woche vor dem Pre-Release. Das ist, mal ehrlich, der einzige konkrete Deutschland-Anker in der gesamten Folge. Die Spiel in Essen ist die größte Brettspielmesse der Welt, sie findet traditionell im Oktober statt, und das passt zeitlich exakt zum Pre-Release-Fenster Ende Oktober. Für deutsche Fans heißt das: Wenn du das Spiel vor dem Retail-Start anfassen, anspielen und Leute treffen willst, die es spielen, ist Essen der Termin. Markier ihn dir. Es ist, neben dem eigenen UK-Center (dazu gleich), das Einzige, was EP13 an konkretem Europa-Bezug liefert.

Was für uns in Europa offenbleibt — die ehrliche Watchlist

Und damit zur größten Schwäche dieser Folge, zumindest aus europäischer Sicht. Ich könnte jetzt so tun, als hätte EP13 für deutsche Backer alles geklärt. Hat sie nicht. Und mir ist es wichtiger, ehrlich zu sein, als die Lücken mit warmen Worten zuzukleistern.

Was EP13 zum Thema Europa konkret hergibt, ist überschaubar. WeirdCo nennt separate Verteilzentren für verschiedene Regionen: UK, Europa, Amerika, Kanada, Lateinamerika, Asien. Grundsätzlich gut, weil regionale Center in der Regel bedeuten, dass nicht jedes Paket einzeln über den Atlantik geschickt wird. Aber zu den Fragen, die uns hier wirklich umtreiben, sagt die Folge nichts Belastbares. WeirdCo verspricht lediglich, näher an den jeweiligen Terminen mehr zu kommunizieren: „we will communicate more … once we’re closer to … those dates.“

Im Klartext: Zu Zoll, Einfuhrumsatzsteuer (VAT) und EUR-Preisen gibt es in EP13 keine Aussagen. Kein Wort dazu, ob für deutsche Backer beim Empfang noch Zoll oder Einfuhrumsatzsteuer fällig wird. Kein Wort zu einem konkreten Center speziell für Deutschland oder Kontinentaleuropa jenseits des allgemeinen „Europa“-Eintrags. Kein Wort zu Preisen in Euro.

Warum ich das so deutlich mache? Genau das ist bei US-Crowdfunding-Versand nach Europa die typische böse Überraschung. Man freut sich über die Lieferbenachrichtigung, und dann steht der Paketbote vor der Tür und will Einfuhrumsatzsteuer plus eine Bearbeitungsgebühr, bevor er das Paket aushändigt. Ob das hier passiert, weiß ich nicht, und WeirdCo hat es in dieser Folge schlicht nicht gesagt. Genau deshalb gehört es auf die Watchlist und nicht in einen beruhigenden Absatz, der so tut, als sei alles geklärt.

Was wir wissen: Es gibt ein eigenes UK-Center und einen „Europa“-Eintrag in der Center-Liste. Was wir nicht wissen: ob das ein Center auf dem Kontinent ist (was Zoll innerhalb der EU vermeiden würde) oder ob es das UK-Center ist (was nach dem Brexit für EU-Backer wieder eine Außengrenze bedeutet). Das ist ein erheblicher Unterschied für jeden deutschen Backer, und die Folge löst ihn nicht auf.

Meine konkrete Watchlist für europäische Backer, bis WeirdCo nachliefert:

  • Wird das „Europa“-Center auf dem Kontinent liegen oder über UK abgewickelt? Das entscheidet, ob Zoll/EUSt ein Thema wird.
  • Trägt WeirdCo Zoll und Einfuhrumsatzsteuer (DDP-Versand, also „verzollt geliefert“), oder kommen sie beim Empfänger oben drauf?
  • Gibt es Euro-Preise für den späteren Nachkauf im EU-Handel, oder rechnet man in Dollar plus Wechselkurs plus Versand?
  • Welcher EU-/DE-Distributor übernimmt den Handelsvertrieb ab November? Das entscheidet über Verfügbarkeit und Preis im hiesigen Laden.

Keine dieser Fragen beantwortet EP13. Diese Lücke steckt in der Quelle, nicht in meinem Artikel, und ich schließe sie nicht durch Erfindung. Wenn WeirdCo das angekündigte „mehr Details, näher am Termin“ einlöst, sollte es vor dem September-Fenster Antworten geben. Bis dahin: abwarten und im Auge behalten.

Einordnung ohne Schönfärberei

Was bleibt nach dem Durchhören von EP13 wirklich übrig? Ich trenne das Belastbare vom Wunschdenken, ohne in die eine oder andere Richtung zu übertreiben.

Das Backer-Datum ist gut gedeckt. Das 1.-September-Fenster steht nicht auf Hoffnung, sondern auf einer rückwärts gerechneten Produktionskette mit benannten Zwischenstationen, einem 30-Tage-Puffer und einer bestandenen Qualitätskontrolle vom 3. Juni. Deutlich mehr Substanz, als die meisten Crowdfunding-Updates liefern. Wenn ich auf eines wetten müsste, dann darauf, dass die Mehrheit der Expedited-Backer ihr Produkt im September bekommt.

Das Restrisiko bei den Pledge-over-time-Backern bleibt, und es ist richtig, dass WeirdCo es benennt, statt es zu verstecken. Wer in dieser Gruppe ist, hat mit der BackerKit-Survey ab 18. Juni einen echten Hebel in der Hand, nutz ihn. Die Lieferreihenfolge hängt am Survey-Tempo, nicht nur am Tier.

Der Retail-Slip auf den 7. November ist real, aber für Backer irrelevant. Wer den 1. Oktober im Laden erwartet hatte, wartet länger. Wer gebackt hat, spielt rund neun Wochen vor allen anderen. Zwei Zielgruppen, zwei Richtungen.

Der größte blinde Fleck sind und bleiben die Europa-Details. Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, EUR-Preise, ein konkretes Center für den Kontinent, zu all dem schweigt EP13. Keine Kleinigkeit für deutsche Backer, und es gehört offen auf die Watchlist.

Noch ein Wort zur Stimmung, weil es dazugehört und ich es nicht unterschlagen will. Vor dieser Folge gab es Skepsis. Notebookcheck hatte berichtet, die Community sei skeptisch geblieben. Das war allerdings nicht auf EP13 bezogen, sondern eine Momentaufnahme von davor. Und die Cyberpunk-TCG-Diskussion auf Reddit war zum Recherchezeitpunkt nicht zugänglich, sodass ich keine frischen, EP13-spezifischen Reaktionen einfangen konnte. Ich tue also nicht so, als hätte ich den Puls der Community zu dieser Folge gemessen, hab ich nicht. Was ich sagen kann: Wenn ein Projekt nach abgeschlossenem QC erstmals ein hartes Lieferdatum nennt und das wackelnde Detail (POT-Backer) selbst benennt, dann ist das genau die Art Update, das berechtigte Skepsis abbauen sollte. Ob es das tut, zeigt sich am 1. September, wenn die ersten Pakete klingeln.

Für den Moment ist EP13 das, was sich ein Backer von einem Crowdfunding-Update wünscht: ein hartes Datum, eine nachvollziehbare Begründung, eine ehrlich benannte Schwachstelle und eine konkrete Sache, die man selbst tun kann. Der Rest ist Geduld bis September, und für uns in Europa ein wachsames Auge auf das, was WeirdCo zu Zoll und Versand noch nachreichen muss.

Quellen

  • Cyberdeck Podcast, Episode 13 — Production Updates / Shipping (WeirdCo, mit Co-CEO Lohan Wei), Primärquelle für alle Termine, Produktionsschritte und O-Töne
  • WeirdCo / Welcome to Night City — Kickstarter-Kampagnenseite (zum Recherchezeitpunkt nicht erreichbar, 403; Kampagnenkennzahlen und „Estimated Delivery“ daher über Sekundärquellen)
  • Notebookcheck — Vorfeld-Berichterstattung zur Community-Stimmung (vor EP13, nicht folgenspezifisch)
  • The Card Vault (Händler, thecardvault.co.uk) — sekundär kursierendes Retail-Datum (1. Oktober), durch EP13 überholt
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